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  • 01.09.2016
  • von Henry Klix

Unterwasserfotograf aus Potsdam: Luftblasen vor der Schnauze

von Henry Klix

Fang den Ball. Unter Wasser ist das für die Vierbeiner – hier Leo, ein Malinois – gar nicht so einfach. Vor der Fotosession sollte mit den Hunden trainiert werden, empfiehlt Tauchfotograf Sven Gruse. Fotos (3): Sven Gruse

Sven Gruse macht in Potsdam Poolbilder vom ältesten Freund des Menschen. Es ist der Startschuss in die Selbstständigkeit als Unterwasserfotograf.

Wie bekommt man einen Hund von der Nase bis zum Schwanz unter Wasser? Lange genug, dass man ihn fotografieren kann? Mit dem Lieblingsspielzeug, mit Leckerlis und mit sehr viel Geduld, sagt Sven Gruse. Mit einem fotografischen Tusch hat sich der 39-jährige Potsdamer gerade als Unterwasserfotograf selbstständig gemacht. Sein erstes Angebot mit der Hundeschule Potsdam: Unterwasserfotos von den lieben Vierbeinern.

Die Fotos sind erfrischend anders. Der Kuscheleffekt der beliebten Körbchenmotive geht flöten, wenn die Tiere verbissen versuchen, das Bällchen am Grund des kleinen Pools zu fassen. Die Vorderpfoten schweben bisweilen unkontrolliert im Wasser, die Zähne sind gefletscht. Manchmal wirkt es unfreiwillig komisch, wenn Hunde in der Kameralinse ihr Spiegelbild entdecken und über die aufsteigenden Luftblasen staunen.

Die Hunde sollten nicht wasserscheu sein und geübt haben

Die Fotografien von Sven Gruse sind durchweg besonders – und kommen bei Herrchen und Frauchen gut an. Es gab nach sechs Wochen am Samstag bereits die dritte Session. Für das Shooting kalkuliert Sven Gruse eine halbe Stunde pro Tier, die Hunde sollten vorher besser schon mal geübt haben und natürlich nicht wasserscheu sein. Von der Hundeschule Potsdam werden Vorbereitungskurse angeboten – damit nichts schief geht, wenn es ernst wird.

Der Sprung ins kalte Wasser: Sven Gruse hat es nicht so schwer wie andere gehabt, als er sich vor einigen Monaten an den Businessplan machte. Er hat an der Universität Potsdam Betriebswirtschaftslehre studiert, hat vor seinem beruflichen Ausstieg als Investmentfondsmanager in einer der bedeutendsten europäischen Vermögensverwaltungsfirmen in München gearbeitet, bei der er insgesamt zehn Jahre lang tätig war.

Seit fast zehn Jahren als Unterwasserfotograf tätig

Dann aber ging es mit seiner Partnerin Astrid Eisheuer fast drei Jahre lang auf Reisen durch Asien und Europa und besuchte insgesamt 24 Länder. Ihr 680er-Steyr legte mit dem Wohnanhänger auf der Pritsche klaglos die 48 000 Kilometer durch Russland, die Mongolei, China, Laos, Kambodscha, Thailand, Malaysia und Myanmar zurück, ein großes Abenteuer. „Wir sind Reisende geworden, weil uns der Urlaub immer zu kurz erschien, um Land und Leute wirklich kennenzulernen“, sagt Astrid Eisheuer. Die Jahre haben beide verändert, Aufenthalte in thailändischen Tauchrevieren fehlten dabei natürlich nicht.

Während der ganzen Reise war Sven Gruse mit der Kamera aktiv, bastelte und verlegte Fotokalender. „Alles, was ich mache, mache ich mit Begeisterung“, sagt er. Bei Amazon kann man auch schon die Kalender fürs kommende Jahr bestellen, die Unterwasserbilder kommen besonders gut an. Als Tauchfotograf betätigt sich Gruse ja schon seit fast zehn Jahren, man sieht es den Aufnahmen an.

Er erzählt, wie er dem Gesang der Buckelwale am Tofo-Beach in Mosambik lauschen konnte, wie er sich im Roten Meer vor drei Weißspitzen-Hochseehaien erschreckte oder bei der jüngsten Reise im thailändischen Koh Lanta mit Walhaien und Mantas um die Wette tauchte. Von allem gibt es atemberaubende Aufnahmen. Seine fotografischen Erfahrungen teilt er in einem Internetblog.

Den richtigen Moment abpassen

Nun also Hunde, die ältesten Freunde des Menschen. Das seien ja auch Tiere, sagt Gruse. Sie sträuben sich wie Fische, ins rechte Licht gesetzt zu werden, widersetzen sich dem Willen des Fotografen. Man müsse den Moment abpassen, aber auch genau wissen, was man fotografieren wolle. Als Gruse im Mai von seiner Weltreise heimkehrte, wollte er etwas aus seinen Erfahrungen und Fähigkeiten machen, die Unterwasserfotografie hatte es ihm endgültig angetan.

Da es in der Havelstadt – trotz des Wasserreichtums – nun mal keine Schildkröten, Haie oder Clownfische in Korallenriffen abzulichten gibt; die Sichtweite mit einschlägigen Tauchrevieren ohnehin nicht mithalten kann, sucht er einen neuen Weg. Neben der Hundeunterwasserfotografie, die erst vor einigen Jahren durch den US-Fotografen Seth Casteel erfunden wurde, nähert er sich auch anderen Themen: Babyschwimmen zum Beispiel, Poolabenteuern, After-Wedding-Fotos. Die Fußball-EM in diesem Jahr in Frankreich hat er schon mal zur Gelegenheit genommen, biertrinkende Herren und Badenixen im deutschen Trikot abzulichten. Unter Wasser, versteht sich.

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