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  • 13.08.2016
  • von Marco Zschieck

Kooperation statt Irritation

von Marco Zschieck

Kulturamt arbeitet gemeinsam mit Experten an Konzept für Gedenkstätte am Jungfernsee

Nauener Vorstadt - Die Idee für eine Mauergedenkstätte an den ehemaligen Grenzanlagen am Jungfernsee nimmt eine konkretere Form an. Derzeit erstellt die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ ein Konzept dafür. Die interne Abstimmung dafür sei im Gange, teilte die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage mit. In das Konzept fließen demnach auch aktuelle Forschungsergebnisse aus einer Kooperation mit dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) ein. Wann es umgesetzt werden soll, ist allerdings ebenso offen wie die damit verbundenen Kosten.

Damit gibt es nun Fortschritte für das schon seit Jahren angestrebte Vorhaben. Bereits vor drei Jahren hatte die Nachbarschaftsinitiative „Am Neuen Garten zu Potsdam e.V.“ dazu eine Initiative gestartet. Im Zentrum der Pläne steht der dort vorhandene Wachturm der früheren DDR-Grenztruppen. Ehrenamtler könnten das Gebäude zunächst an den Wochenenden für Gäste öffnen, in dem Raum mit dem Ausblick über die Bertini-Enge könnten Informationen über die frühere Grenzanlage und historische Fotos angebracht werden, so die Idee. Als Zielgruppe sollen speziell Schulklassen und interessierte Bürger angesprochen werden. Der mit etlichen Fachleuten besetzte Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ – darunter die Landesaufarbeitungsbeauftragte Ulrike Poppe, der Ausstellungsdirektor des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, Jürgen Reiche, sowie ZZF-Direktor Frank Bösch – legte dem städtischen Fachbereich Kultur im Frühjahr ein Konzept zur Erinnerung an die ehemaligen Grenzanlagen am Jungfernsee vor. Dieser Auftrag für das kostenlose Konzept war im November von den Stadtverordneten erteilt worden.

Doch es folgten einige Irritationen: Die Stadtverwaltung wollte zusätzlich einen externen und kostenpflichtigen Experten zur Prüfung und Weiterentwicklung des Konzepts beauftragen. Davon waren die Stadtverordneten alles andere als begeistert. Es hagelte Kritik von Grünen und Linken (PNN berichteten). Schließlich gab die Stadtverwaltung nach: Das Kulturamt sollte das Konzept selbst überarbeiten. Das zuvor beteiligte Grünflächenamt hatte ebenfalls Bedenken angemeldet: Das frühere Wasserwerk müsse gesondert betrachtet werden, da dort unter anderem Fledermäuse leben.

Hauptzweck der historischen Anlage am Jungfernsee zu Mauerzeiten war eine Grenzübergangsstelle für den Schiffsverkehr nach Westberlin. Mehr als 1000 Grenzsoldaten sollen auf dem Gelände einst stationiert gewesen sein. Am Ufer verlief die Mauer mit Todesstreifen. Der Komplex reichte von der Villa Hagen hinter der Meierei rechterhand bis zur Villa Jacobs an der eigentlichen Bertini-Enge. Es gab große Schuppen, in denen eine Werkstatt für die Schnellbootflotte untergebracht war. Marco Zschieck

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