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  • 08.04.2016
  • von Sarah Kugler

Brandenburgisches Landeshauptarchiv in Golm: Wohltemperiert

von Sarah Kugler

Ordnung in Rollen. 216 500 Karten und Pläne sowie 10 000 Urkunden beherbergt das Brandenburgische Landeshauptarchiv in seinen Magazinen. In einer extra eingerichten Kühlkammer in dem Gebäude im Wissenschaftspark Golm lagern die empfindlichen Film- und Fotodokumente. Fotos: Andreas Klaer

Endlich ist das Brandenburgische Landeshauptarchiv unter einem Dach vereint. Für die Akten, Urkunden, Plakate und Karten sind die Bedingungen in dem Haus im Wissenschaftspark Golm nun ideal.

Golm - Nun ist es kaum noch zu übersehen: Mit großen roten Lettern leuchtet das Wort „Archiv“ von dem neuen Gebäude des Brandenburgischen Landeshauptarchives (BLHA) im Wissenschaftspark Golm. Erst vor einem guten Monat wurde der Lesesaal für Besucher freigegeben, am gestrigen Donnerstag wurde das Gebäude offiziell eröffnet. Es vereint nun sämtliche Bestände des BLHA unter einem Dach, wie Archiv-Direktor Klaus Neitmann sagte: „Zum ersten Mal überhaupt ist es mit seinen Beständen so untergebracht, wie es allgemein anerkannte archivfachliche Standards und Normen für Kulturbauten verlangen.“ Das beinhaltet neben einer effektiven Regalanordnung auch eine Kühlung des Materials bei Temperaturen von 16 bis 21 Grad. Wichtig sei auch, dass die Luftfeuchtigkeit nicht über 60 Prozent steigt, wie Mario Glauert, ständiger Vertreter des Archiv-Direktors, hinzufügte. Das ermögliche eine Klimatisierung in den Magazinen.

Dass diese Bedingungen nicht immer so ideal waren, zeigt die Geschichte des BLHA, dessen Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert reichen. Denn es ging aus dem 1833 gegründeten Brandenburgischen Provinzialarchiv hervor, das wiederum beim preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin angesiedelt war. Das BLHA wurde dann 1949 ins Leben gerufen, ab 1951 als Landesarchiv Brandenburg, 1965 bis 1990 als Staatsarchiv Potsdam.

Wie Neitmann erklärte, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg in Potsdam jedoch kein geeignetes Archivgebäude, sodass die Bestände im Ostflügel der Orangerie in Sanssouci untergebracht wurden. Gelagert wurden die Archivalien in einer dreigeschossigen Holzregalanlage, die sowohl im Hinblick auf Brandschutz als auch Klima alles andere als ideal waren, wie Neitmann sagte.

Mit der Wiedervereinigung fiel dem BLHA eine große Menge neuen Archivguts – vorrangig Akten der aufgelösten Behörden und der geschlossenen Grundbücher und Grundakten aus ganz Brandenburg – zu, was erneut zu Platzmangel führte. Abhilfe schuf eine umgebaute Kfz-Halle in Bornim, die ab 1992 schrittweise bezogen wurde. Mit der Fertigstellung eines neuen Magazinturmes im Frühjahr 2003 wurden ältere Urkunden- und Aktenbestände an dem Standort untergebracht. Nachdem weitere Ausbauten in Bornim aus finanziellen Gründen scheiterten, bot sich schließlich 2008 die Möglichkeit, zwei halbe Etagen in dem heutigen BLHA-Gebäude anzumieten. Dank dieser Flächen konnte die Orangerie aufgegeben werden.

Im Jahr 2012 wurde schließlich beschlossen, den Hauptsitz des BLHA vollständig nach Golm zu verlagern und das Gebäude dementsprechend umzubauen. Der Umbau erfolgte dann von 2013 bis August 2015, an den sich der fünfmonatige Umzug anschloss.

Wie Mario Glauert sagte, sei vor allem der Brandschutz ein großes Thema gewesen. Aber auch die Klimatisierung der Magazine, die Schließanlage für die 400 Türen oder auch der Sonnenschutz für die große Glasfront an der Vorderseite des Gebäudes mussten berücksichtigt werden. „Am Ende war ich froh, dass alle Kabel richtig verbunden waren und alles funktioniert hat“, so Glauert. Selbst die archiveigenen Werkstätten, die für Digitalisierung und Restaurierung der Archivalien zuständig sind, haben in dem Gebäude im Wissenschaftspark Platz gefunden. Der helle Lesesaal ermöglicht angenehme Arbeitsbedingungen, während die Aktentransportieranlage die Beschaffung von Material erleichtert. Durch Transportbänder, die durch alle Magazine führen, können Archivalien einfacher zu dem Benutzer und wieder zurück transportiert werden. „Das ist in Archiven tatsächlich noch etwas Besonderes“, erklärte Glauert. „Und es spart unnötige Gänge durch das Gebäude.“ Insgesamt bietet das BLHA eine Nutzfläche von 13 857 Quadratmetern, wobei der jetzige Bestand 52 300 laufende Meter deckt. Das Archiv verwahrt unter anderem Akten, Plakate, Urkunden sowie Karten aus der Zeit vom 12. Jahrhundert bis hin zur Moderne. Im Lesesaal sowie in den Galerien finden 37 Besucher Platz, die Zugriff auf 15 000 Bände allein in der Freihandbibliothek haben.

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