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  • 23.03.2016
  • von Katharina Wiechers

Flüchtlinge in Potsdam: Deutlich weniger Flüchtlinge

von Katharina Wiechers

In manchen Zimmern in der Unterkunft in der Zeppelinstraße stehen Klappbetten, die von der Bundeswehr übernommen wurden – wie hier im Bild zu sehen. Foto: Johanna Bergmann

Die Schließung der Balkanroute macht sich auch in Potsdam bemerkbar. Dennoch werden neue Unterkünfte geschaffen - wie jetzt in der Zeppelinstraße.

Potsdam - Angesichts der Schließung der sogenannten Balkanroute kommen weiterhin deutlich weniger Flüchtlinge nach Potsdam als noch vor einigen Monaten. Seit Jahresbeginn wurden lediglich 140 Menschen in der Landeshauptstadt aufgenommen, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es fast 1500.

Die rückläufigen Zahlen bestätigt auch das Brandenburger Innenministerium. Im Januar 2016 wurden nur noch etwa halb so viele Menschen im Land aufgenommen wie vor vier Monaten, wie Ministeriumssprecherin Susann Fischer auf PNN-Anfrage sagte. Im Februar waren es nur noch 1702, für März rechnet das Ministerium mit etwa 1150 Flüchtlingen. „Der Rückgang der Zahl im Vergleich zum Jahresbeginn ist unter anderem mit der Schließung der Grenzen auf der Balkanroute zu begründen. Das belegen auch die bundesweiten Daten“, sagte Fischer. Zum Vergleich: Im November 2015, dem Monat mit dem bislang größten Flüchtlingszustrom, wurden 5522 Menschen in Brandenburg aufgenommen.

Am 4. April geht die neue Unterkunft in der Zeppelinstraße ans Netz

Ungeachtet der sinkenden Zahlen gehen in Potsdam weiter neue Flüchtlingsunterkünfte ans Netz – viele Verträge wurden während des enormen Zustroms im Herbst geschlossen, als die Stadt für jedes Angebot dankbar war. In jener Zeit ist auch die Vereinbarung für einen Wohnblock in der Zeppelinstraße 55 getroffen worden, der am gestrigen Dienstag der Öffentlichkeit im Rahmen eines Tags des offenen Tür vorgestellt wurde. Die ersten Bewohner sollen dort am 4. April einziehen.

Angeboten wurde der Stadt die Immobilie vom scheidenden Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg, Oberst Peter Arendt. Er hatte sich bereit erklärt, das Gebäude nicht weiter zu nutzen, sodass die Stadt dort Flüchtlinge unterbringen kann. Eigentümer ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sie stellt das Haus der Stadt nun unentgeltlich zur Verfügung.

Wie genau der Plattenbau bislang genutzt wurde, blieb am Dienstag allerdings unklar – die Rede war von einem Offizierswohnheim oder einer Bildungsstätte der Bundeswehr. Für die Unterbringung von Flüchtlingen ist das Haus im Vergleich zu anderen Immobilien recht gut geeignet. Auf den insgesamt fünf Etagen gibt es zahlreiche Zimmer mit jeweils etwa 17 Quadratmetern. In jeder Etage wird eine Küche sowie ein Aufenthaltsraum eingerichtet – teilweise laufen hier die Arbeiten noch. Hinzu kommen noch ein Krankenzimmer, ein Waschraum sowie zwei Büros für die Mitarbeiter des Trägers. Wie bei den meisten Unterkünften in Potsdam ist auch hier der Internationale Bund zuständig.

Rund 140 Männer und Frauen können in dem Plattenbau unterkommen

Einrichtungsleiter Olivier Heinze geht davon aus, dass sowohl Männer als auch Frauen in dem neuen Heim unterkommen werden. Für Familien mit Kindern sei das Haus wegen der kleinen Zimmer weniger geeignet, sie können jeweils nur mit zwei Personen belegt werden. Auch Spielmöglichkeiten im Freien gibt es nicht – hinter dem Haus an der vielbefahrenen Zeppelinstraße befindet sich lediglich ein Parkplatz. Dafür ist die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gut, außerdem befindet sich ein Lidl-Discounter in direkter Nachbarschaft.

Apropos Nachbarschaft: Auch Daniel Zeller vom Stadtteilnetzwerk Potsdam-West sah sich gestern in der neuen Unterkunft um. Er rechnet damit, dass sich auch hier freiwillige Helfer finden, die sich in dem Haus engagieren möchten. Die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund laufe sehr gut, sagte Zeller. Der Träger betreibt in Potsdam-West unter anderem das Flüchtlingswohnprojekt in der Haeckelstraße.

Dort müssen die Wohnungen allerdings bis August leergezogen sein, wie Carol Wiener (51), Betriebsleiterin des Internationalen Bundes, den PNN sagte. Die Pro Potsdam bemühe sich derzeit, Ersatzwohnungen zu finden. Auch hoffe sie, dass einige Bewohner bis dahin in reguläre Wohnungen umziehen konnten.

 

 


 

 

Hintergrund: Weitere Unterkünfte gehen ans Netz

 

Ungeachtet der sinkenden Flüchtlingszahlen werden in Potsdam auch in den kommenden Monaten noch weitere Unterkünfte eröffnet. Ende April oder Anfang Mai soll laut Stadt der Konsumhof in Babelsberg mit 60 Plätzen in Betrieb gehen, außerdem soll der alte Landtag weiter ausgebaut und bis Ende Mai oder Anfang Juni für 470 Menschen zur Verfügung stehen. Auch weitere Eröffnungen sind inVorbereitung, unter anderem in der Berliner Straße. Die beiden Leichtbauhallen inDrewitz und Neu Fahrland bleiben hingegen weiterhin ungenutzt und stehen für den Notfall zur Verfügung. Die Halle am Jugendzentrum Freiland wurde wie berichtet wegen der gesunkenen Zahlen wieder abbestellt. 

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