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  • 21.03.2016
  • von Katharina Wiechers

Neunter Pogida-Protest in Potsdam: Sperrbezirk Berliner Vorstadt

von Katharina Wiechers

Grafik: PNN

Am Dienstag findet zum neunten Mal in Potsdam ein Pogida-Aufmarsch statt, drei Gegenkundgebungen sind angemeldet. Es kommt zu massiven Einschränkungen im Verkehr.

Potsdam - Wegen des mittlerweile neunten Pogida-Aufmarsches müssen sich die Potsdamer am Dienstag (22. März) auf massive Verkehrseinschränkungen einstellen. So wird neben der Berliner Straße, auf der die Pogida-Teilnehmer ihren „Abendspaziergang“ durchführen wollen, ab dem späten Nachmittag auch die Glienicker Brücke komplett gesperrt. Die Berliner Vorstadt wird nur über die Mangerstraße zu erreichen sein, alle anderen Zufahrtsstraßen in das Viertel werden ebenfalls abgeriegelt.

Auch die Nuthestraße von Sperrungen betroffen

Die Rechten wollen von der Glienicker Brücke bis zur Kreuzung Berliner Straße/Behlertstraße marschieren. Deshalb wird auch die Nuthestraße von den Sperrungen betroffen sein – neben der Glienicker Brücke eine weitere wichtige Verbindung für Pendler. Autofahrer dürfen von der Nuthestraße kommend nur noch links in Richtung Innenstadt abbiegen. Die Behlertstraße und Berliner Straße stadtauswärts werden hingegen gesperrt. Von der Innenstadt kommend kann die Nuthestraße nur aus Richtung Platz der Einheit erreicht werden – die Gutenbergstraße wird ebenfalls abgeriegelt, ein Wenden in der Behlertstraße wird aber möglich sein.

Auch für Besucher des Hans Otto Theaters wird es Einschränkungen geben. Sie müssen das Gelände an der Kreuzung Berliner Straße/Nuthestraße betreten und eine Eintrittskarte vorweisen können, hieß es von der Polizei. Sie werden gebeten, mehr Zeit einzuplanen. Offenbar soll vermieden werden, dass Gegendemonstranten den Schleichweg über die Schiffbauergasse nutzen.

Laut Polizei wird etwa um 16 Uhr mit den Absperrungen begonnen. Ortskundige Verkehrsteilnehmer werden aufgefordert, den Bereich weiträumig zu umfahren und den Verkehrsfunk zu verfolgen.

Pogida will an der Glienicker Brücke starten

Die rechte Pogida-Bewegung, die zuletzt nur noch etwa 60 Anhänger mobilisieren konnte, will ihren Marsch um 18.30 Uhr an der Glienicker Brücke beginnen – in unmittelbarer Nachbarschaft zu prominenten Anwohnern wie „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann, TV-Moderator Günther Jauch oder Modeschöpfer Wolfgang Joop. Drei Gegendemonstrationen sind entlang der Route angemeldet: So will sich das parteiübergreifende Anti-Rechts-Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ ab 18 Uhr an der Kreuzung Berliner Straße/Behlertstraße versammeln  Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte schon in der vergangenen Woche dazu aufgerufen. Zeitgleich hat der Fußballverein SV Babelsberg 03 eine Kundgebung an der Glienicker Brücke angekündigt, während sich der Kreisverband der Linken an der Ecke Berliner Straße/Mangerstraße postieren will. Bei den vergangenen Pogida-Märschen waren jeweils mehrere Hundert Gegendemonstranten zusammengekommen. Nachdem es bei dem ersten Aufmarsch zu Ausschreitungen gekommen war, sichert die Polizei die „Abendspaziergänge“ mit Hunderten Beamten ab. Zuletzt waren 800 Polizisten im Einsatz.

Innenminister Schröter: Besser zu viel Polizei als zu wenig

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) verteidigte das massive Polizeiaufgebot. Die Einsatzkräfte müssten „Herr der Lage bleiben“, sagte er den PNN. Die Polizei sei verpflichtet, das Demonstrationsrecht abzusichern. „Wir müssen, egal ob uns die Demonstranten gefallen oder nicht, sicherstellen, dass sie demonstrieren können.“ Da es schwer einzuschätzen sei, wie viele Gegendemonstranten kämen, gelte der Grundsatz: lieber zu viel als zu wenig Polizei. Teils seien auch sehr militante linke Gruppen aus Berlin unter den Gegendemonstranten. „Wir hatten einmal die Situation, dass es sehr kritisch gewesen ist und es uns sehr schwer gefallen ist, die Dinge im Griff zu behalten“, sagte Schröter mit Blick auf die Ausschreitungen bei der ersten Pogida-Demo im Januar.

„Um hier keine Schwäche zu zeigen, werden wir auch zukünftig mit massiven Polizeikräften die Dinge absichern müssen“, kündigte Schröter an. Er hoffe aber, „dass es irgendwann mal ein Ende hat und sich totläuft.“ Schon jetzt kämen immer weniger Pogida-Anhänger. „Eigentlich ist Pogida eine Lachnummer.“ Die Zahl der eingesetzten Beamten sei auch schon reduziert worden – zwischenzeitlich waren 1300 Polizisten im Einsatz. (mit Alexander Fröhlich)

 

Hinweis in eigener Sache: Auch am Dienstag sind unsere Reporter wieder live vor Ort. Wir werden ab dem Nachmittag in einem Live-Ticker und über den PNN-Twitter-Account berichten.

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