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  • 16.03.2016
  • von Jana Haase

Premiere in Griechenland nach 26 Jahren: Rainer Simon zeigte „Der Fall Ö.“ in Athen

von Jana Haase

Zurück aus Athen. Rainer Simon.F.: Thomas

Er ist einer der letzten Defa-Filme, entstanden 1990 in Griechenland und fertig geworden, als es die DDR schon nicht mehr gab – in deutschen Kinos war „Der Fall Ö.“ von Rainer Simon kaum zu sehen. Vor einigen Tagen war der Potsdamer Regisseur in ein Athener Programmkino eingeladen – zur griechischen Premiere mit 26 Jahren Verspätung.

„Der Fall Ö.“ nach einer Erzählung von Franz Fühmann spielt zur Zeit der Besatzung Griechenlands durch die Wehrmacht. Er erzählt von einem Kunstprojekt mitten im Zweiten Weltkrieg: Eine Kompanie deutscher Soldaten will die Tragödie „Ödipus“ verfilmen, teils mit griechischen Schauspielern. Der Film lotet die Beweggründe der verschiedenen Mitwirkenden aus und fragt nach der Verantwortung des Einzelnen. Es gibt wie im antiken Mythos ein tragisches Ende.

Das Athener New Star Art Cinema, das momentan mehrere Defa-Filme zeigt, sei voll gewesen, berichtete Simon den PNN nach der Premiere. Auch zwei griechische Schauspieler aus dem Film, Tatjana Ligari und Christos Nikitaidis, waren gekommen. In der anschließenden Diskussion wollte das Publikum wissen, wieso es so lange bis zur Premiere gedauert hatte – Simon hat keine Erklärung: „Auch ich frage mich das.“ Der Film sei bis heute nicht auf DVD herausgekommen, nur das Goethe Institut habe ihn im nichtkommerziellen Verleih. Diskutiert wurde auch über den Übergang von der DDR zur Bundesrepublik und über die aktuelle politische Situation.

Die Lage in Athen beschreibt Simon als dramatisch: In ganzen Straßenzügen seien die Läden verrammelt gewesen, viele Wohnungen stünden leer, weil die Mieten zu teuer sind. „Man erzählte mir von 6000 Selbstmorden im letzten Jahr“, so Simon. Auch viele verstümmelte Bettler habe er beobachtet: „So etwas kenne ich aus Gegenden, die von den Politikern der ,Ersten Welt’ gerne als die ,Dritte Welt’ bezeichnet werden“, sagt der 75-Jährige, der sich seit Langem für die Ureinwohner in Ecuador engagiert und oft nach Südamerika reist.

Unweit des Kinos hätten Hunderte Flüchtlinge, teils mit kleinen Kindern, auf der Straße gehaust. Griechenland werde von europäischen und deutschen Politikern in eine Schuldenfalle gepresst, die vor allem die einfachen Leute betreffe, kritisiert Simon: „Und nun wird das Land alleingelassen mit Abertausenden von Flüchtlingen – eine Schande, wie Europa mit ihnen umgeht.“ Jana Haase

Am morgigen Donnerstag zeigt das Filmmuseum, Breite Straße 1 a, Simons Filme „Till Eulenspiegel“ um 17 Uhr und „Die Besteigung des Chimborazo“ um 19 Uhr.

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