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  • 07.03.2016
  • von Alexander Fröhlich, Holger Catenhusen, Henri Kramer, Jana Haase, Sabine Schicketanz

Vermisster Vierjähriger in Potsdam wieder da: Happy End mit „großen Kulleraugen“

von Alexander Fröhlich, Holger Catenhusen, Henri Kramer, Jana Haase, Sabine Schicketanz

Suche nach dem vermissten Jungen in Potsdam: Auch speziell ausgebildete Suchhunde kamen zum Einsatz. Foto: A. Klaer

Am Samstagnachmittag hielt ein weggelaufener Vierjähriger Potsdam über Stunden in Atem. Die Polizei suchte mit Hubschraubern und Fährtenhunden nach dem Kind. Am Ende ging die Geschichte gut aus.

Potsdam - Plötzlich waren die Erinnerungen wieder da, an den im Sommer 2015 entführten und ermordeten Elias. Am Samstagnachmittag verbreitete sich die Nachricht von einem in Potsdam verschwundenen Vierjährigen wie ein Lauffeuer, vor allem über die sozialen Netzwerke. Die Polizei startete eine groß angelegte Suchaktion, ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste über der Innenstadt, Potsdam war über Stunden in höchster Anspannung.

Aber am Ende ging es gut aus. Was war geschehen? Der Vater des Vierjährigen wollte mit ihm gegen 14 Uhr zum Einkaufen gehen, er schloss gerade die Wohnung in der Leipziger Straße in der Templiner Vorstadt ab, da lief der Junge voraus und war plötzlich verschwunden. Der Mann schaltete sofort die Polizei ein und suchte auch selbst mit Bekannten die Gegend ab.

Polizei bat Potsdamer um Mithilfe

Die Polizei setzte alle verfügbaren Kräfte in Gang. Neben dem Hubschrauber suchten Beamte mit Fährtenhund die Gegend ab. Am Abend kam noch ein weiterer, von der Berliner Polizei angeforderter Mantrailer-Hund, der kleinste Spuren über weite Strecken verfolgen kann, zum Einsatz. Die Polizei zog auch noch Beamte der Bereitsschaftspolizei hinzu, die zuvor bei einer Demonstration in Rathenow (Havel) eingesetzt waren. Zudem informierte die Polizei Potsdamer am späten Nachmittag per Lautsprecherdurchsage über den verschwundenen Jungen und bat um Mithilfe. Beamte klingelten an den Haustüren und befragten Anwohner. Die Polizei suchte das Gelände zwischen Hermannswerder und dem Leipziger Dreieck ab, ebenso das Havelufer mit einem Boot der Wasserschutzpolizei. Binnen kürzester Zeit waren 40 Beamte zusammengezogen worden.

Um 19 Uhr dann kam die erlösende Nachricht. Eine Passantin sah den Vierjährigen im Spielzeugladen in den nahe gelegenen Bahnhofspassagen. Und sie alarmierte sofort die Polizei. Einsatzleiter Ingolf Niesler sagte: „Ich bedanke mich bei der aufmerksamen Passantin, die sofort auf den Jungen aufmerksam geworden ist und sehr schnell reagiert hat.“ Auch die Beamten selbst reagierten überaus erleichtert – der Fall Elias lässt auch sie noch nicht los, die wochenlange, aufreibende, aber vergebliche Suche im Stadt Schlaatz, schließlich die Nachricht vom November, dass Elias entführt und ermordet wurde.

"Er sitzt mit großen Kulleraugen in der Polizeiinspektion"

Im aktuellen Fall aber konnte die Polizei vermelden: Der Vierjährige ist wohlauf. Am Abend war er noch in Obhut der Polizei. Eine Sprecherin sagte: „Er sitzt mit großen Kulleraugen in der Polizeiinspektion Potsdam.“ Die Eltern wurden verständigt, vorsorglich, bei solchen Fällen üblich, auch das Jugendamt. Erstaunlich bleibt, wie der Junge die Strecke von der Templiner Vorstadt über die viel befahrenen Straßen bis zum Bahnhof schaffte. Welche Kosten auf den Vater zukommen könnten durch den Polizeieinsatz, ist noch unklar. Er jedenfalls schrieb am Samstagabend: „Wir danken euch allen aus tiefstem Herzen für die Hilfe.“ 

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