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  • 03.03.2016
  • von Henri Kramer

Welcome United: Drohende Abschiebung von Juseinov: Fall „Hassan“: Jakobs stellt sich vor sein Amt

von Henri Kramer

Zahirat „Hassan“ Juseinov, Co-Trainer der Flüchtlingsmannschaft "Welcome United 03". Foto: Oliver Mehlis/dpa

Oberbürgermeister Jann Jakobs stellt sich vor seine Ausländerbehörde im Fall des von Abschiebung bedrohten Co-Trainers der Flüchtlingsmannschaft "Welcome United 03". Damit kritisiert Jakobs auch indirekt Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke.

Potsdam - Im Fall des von Abschiebung bedrohten Co-Trainers der Flüchtlingsmannschaft „Welcome United 03“, Zahirat „Hassan“ Juseinov, hat sich Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vor seine Ausländerbehörde gestellt – und indirekt auch seinen Parteifreund, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, kritisiert. Jakobs sagte am Mittwoch vor den Stadtverordneten, er finde es „unmöglich“, Mitarbeitern des Ausländeramts, die Duldungen und Abschiebungen bearbeiten, „öffentlich zu unterstellen, sie würden einseitig handeln.“ Das weise er entschieden zurück. Potsdam müsse sich an geltende Gesetze halten. Abweichend von seinem Redeprotokoll erklärte Jakobs weiter: Manche, die sich für Juseinov eingesetzt hätten, „haben ihm am Ende möglicherweise sogar geschadet.“ 

Gemünzt war dies offenbar auch auf Ministerpräsident Woidke, der am Samstag beim Brandenburg Ball die drohende Abschiebung „widersinnig“ genannt hatte. Deswegen war er auch von der oppositionellen CDU scharf kritisiert worden und am Dienstag zurückgerudert: „So sehr viele Menschen – wie ich selbst auch – die Situation bedauern, so hat die Stadt ausschließlich geltendes Recht umzusetzen.“ Woidkes Vorstoß vom Wochenende hatte nach PNN-Informationen im Rathaus für große Irritation gesorgt. 

Problematisch: Falsche Angaben bei der Einreise

Der Fall des Babelsberger Fußballers liegt nun bei der Brandenburger Härtefallkommission. Sollte die Potsdamer Ausländerbehörde keinen Weg finden, dem 35-Jährigen und seiner Familie einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu ermöglichen, werde das Gremium über den Fall beraten, sagte Kommissionsmitglied Monique Tinney am Mittwoch. Dieses Verfahren werde mindestens mehrere Wochen dauern. Als lösbares Problem sieht Tinney dabei die Einreise des Fußballtrainers vor fünf Jahren mit einer falschen Identität als Iraker. Nach der Brandenburger Härtefallverordnung könne das zwar ein Ausschlussgrund für ein Antrag bei der Kommission sein. Mit einer Zweidrittelmehrheit könne sich das Gremium aber dagegen entscheiden und den Fall behandeln. Eingebracht wurde der Fall von Tinney selbst, die in der Kommission die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vertritt. Zahirat „Hassan“ Juseinov und seine Familie sind nach eigenen Angaben Roma aus Mazedonien und leben seit 2010 in Deutschland – allerdings lediglich mit dem Rechtsstatus der Duldung. Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass die Familie, die als gut integriert gilt, akut von Abschiebung bedroht ist. Mazedonien ist von der Bundesregierung als sicheres Herkunftsland eingestuft worden. Nach heftigen Protesten aus Politik und Gesellschaft und Gesprächen mit Juseinov hatte die Ausländerbehörde am Dienstag die Duldung der Familie um weitere drei Monate verlängert

Unterstützer haben eine Onlinepetition für ein Bleiberecht für den Fußballtrainer gestartet. Den Aufruf „Hassan bleibt“ unterzeichneten bis Mittwochnachmittag knapp 2800 Menschen. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte davon gesprochen, das es emotional schwer vermittelbar sei, warum ganze Familien, nachdem sie fünfeinhalb Jahre nicht nur hier gelebt, sondern sich gut integriert haben, in ihre ursprüngliche Heimat zurück gehen sollen. (mit epd)

 

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„Ich glaube, wir sind alle gut beraten, alles zu tun, dass Hassan hierbleiben kann.“ Das sagte Dietmar Woidke am Wochenende - und ist damit über das Ziel hinausgeschossen. Ein Kommentar >>

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