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  • 01.03.2016
  • von Peter Könnicke

Wirtschaftliche Schieflage des SV Babelsberg 03: Und der Verlierer ist ... die Stadt

von Peter Könnicke

Der Eingang zum Karl-Liebknecht-Stadion des SV Babelsberg 03. Der Club ist in Zahlungsverzug. Foto: A. Klaer

Die DKB und der SV Babelsberg 03 streiten um offene Tilgungsraten, der Verein gerät in Zahlungsverzug. Das bringt nun auch die Stadt Potsdam in Schwierigkeiten.

Potsdam - Sportlich läuft es beim Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 (SVB) ganz ordentlich. Für das ausgegebene Saisonziel, sich im vorderen Tabellenfeld der vierten Liga zu etablieren und die Mannschaft von Trainer Cem Efe weiterzuentwickeln, ist der Kiezverein im Plan. Und eigentlich sieht sich die Vereinsführung auch im Soll bei der wirtschaftlichen Konsolidierung des in der Vergangenheit immer wieder in Schieflage geratenen Kiezklubs. 90.000 Euro Verbindlichkeiten – einen Kredit der DKB ausgenommen – sind vom einstigen Schuldenberg übriggeblieben. Bis Ende dieses Jahres sollen diese abbezahlt sein. „Ab 2017 hätten wir erstmalig einen ausgeglichenen Haushalt“, heißt es aus dem SVB-Vorstand. Doch ausgerechnet die DKB stellt nach Ansicht der SVB-Führung auf der Zielgeraden des Sanierungsweges hohe Hürden auf. Die Bank, so heißt es, verweigere dem SVB ein temporäres Entgegenkommen bei der Aussetzung von Tilgungszahlungen für den laufenden Kredit.

Der SVB ist in Zahlungsverzug. Zwar hat die Stadt Potsdam seit Jahresbeginn 2016 die Stadionbewirtschaftung übernommen, was den Verein jährlich um 200.000 Euro erheblich entlastet. Da die Umstellungen jedoch nicht sofort Wirkung zeigen, ist der SVB seit vergangenen Oktober mit seinen Tilgungsraten an die DKB im Rückstand. In Gesprächen mit der Bank, an denen Vertreter der Stadt den städtischen Sanierungsbeitrag für den SVB bestätigten, sei dem Verein zunächst Entgegenkommen signalisiert worden. Aufgrund der sich abzeichnenden wirtschaftliche Perspektive sei man sich mit der DKB einig gewesen, dass diese den Sanierungsprozess positiv begleitet. Der Plan ist: Anfallende Zinsen werden fortlaufend gezahlt und mit den monatlichen Tilgungen wird je nach sportlichem Erfolg – das Erreichen der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals würde in diesem Jahr zusätzlich über 100.000 Euro bringen – spätestens im Jahr 2017 wieder eingestiegen. Doch dem Vernehmen nach besteht die DKB auf kurzfristige Zahlung der fälligen Raten. Nach zwei Krediten in den Jahren 2003 und 2011 schuldet der SVB der Bank aktuell 1,733 Millionen Euro. Vereinbart ist eine langfristige Tilgung von monatlich 7500 Euro.

Harte Linie der DKB stößt auf Unverständnis

In den SVB-Führungsgremien stößt die aktuell harte Linie der Bank auf wenig Verständnis, denn nach Prüfung des Kreditvertrages aus dem Jahr 2003 trage die Bank nach Ansicht des Nulldrei-Vorstandes zumindest eine Mitverantwortung an den dauerhaften Geldsorgen des Vereins. Denn den Kredit in Höhe von damals einer Million Euro hätte es nach Lesart des heutigen SVB-Vorstandes gar nicht geben dürfen. Aus den Unterlagen, die den PNN vorliegen, geht hervor, dass eine ausreichende Bonitätsprüfung des Vereins durch die DKB offenbar nicht stattgefunden hat. Denn nur acht Wochen nach Abschluss des Kreditvertrages und 14 Tage nach der letzten Auszahlung meldete der damalige SVB-Vorstandschefs Marc Schulten am 10. April 2003 Insolvenz an. Die Million war weg. Ausgegeben wurde das Geld nicht wie vertraglich vereinbart für Stadioninvestitionen, sondern für Personalkosten und Abfindungen. Die Bank selbst ließ sich von der einen Million postwendend 400.000 Euro als Kontokorrentkredit überweisen und sicherte somit als Gläubigerin ihre Ansprüche ab. Und: Als Sicherheit für das Millionen-Darlehen wurde eine vollstreckbare Grundschuld ins Grundbuch für das Karl-Liebknecht-Stadion eingetragen – dessen Eigentümer ist die Stadt Potsdam. Das heißt: Im Falle einer Vollstreckung würde das Stadion zugunsten der DKB verwertet werden. Die nun vermeintlich harte Position der Bank bringt demnach nicht nur den Verein, sondern auch die Stadt in Schwierigkeiten. Was die DKB zu ihrer aktuellen Haltung veranlasst und warum sie ein Aussetzen der Tilgungsraten ablehnt, ist unklar. Eine Anfrage der PNN an die DKB-Pressestelle blieb mit Verweis auf das Bankgeheimnis unbeantwortet.

Mit der Kreditvergabe das Gegenteil erreicht

Der Hamburger Jurist Hans-Peter Rechel, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltsverein, findet es zumindest überraschend, dass sich der Fußballverein kurz nach der damaligen Kreditvergabe sich zahlungsunfähig erklären musste. „Die Bank muss prüfen, wie sicher eine Rückzahlung erscheint“, sagte er gegenüber den PNN. Rechel nennt es zudem interessant, „dass ein zunächst ungesicherter Kontokorrentkredit im Zuge des neuen Kreditvertrages durch eine Grundbuchschuld gesichert wurde“. Juristisch sei das anfechtbar. Aus seiner Erfahrung als Berater der Deutschen Handballbundesliga weiß Rechel zwar, dass es gerade im Sport einen gewissen Förderwillen auch von Banken gibt und hinter der 2003 eingeleiteten SVB-Insolvenz ein Masterplan zur Entschuldung des Vereins hätte stehen können. Aus Sicht der heutigen SVB-Führung sei mit der Kreditvergabe aber genau das Gegenteil passiert: Die DKB habe sich in eine komfortable Situation gebracht und ihre Forderungen zu Lasten anderer Gläubiger abgesichert. Aus Kreisen des SVB-Vorstandes wird das damalige Handeln der DKB als sittenwidrig gesehen. Juristen sprechen in einem solchen Fall von einem eigennützigen Sanierungskredit, der rechtlich angreifbar ist.

Doch streiten will der SVB nicht. „Die DKB soll anerkennen, dass sie die schwierige Situation des Vereins mitzuverantworten hat und uns deshalb auf dem weiteren Sanierungsweg begleitet“, so ein Vorstandsmitglied.

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