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  • 26.02.2016
  • von Peer Straube

Potsdams Weltkulturerbe: 200 Millionen Euro für Sanssouci

von Peer Straube

Die Sanierung der Bildergalerie ist eines der wichtigsten Projekte im zweiten Masterplan, für den die Schlösserstiftung ab 2018 auf insgesamt 400 Millionen Euro hofft. Foto: Bernd Settnik/dpa

50 Projekte will die Schlösserstiftung aus dem Masterplan II bezahlen. Auf der Liste stehen prominente Vorhaben.

Potsdam - Römische Bäder, Bildergalerie, Schloss Babelsberg, der Neubau des Sanssouci-Besucherzentrums und das ebenso lange geplante Restaurant am Neuen Palais – dank des üppigen Nachschlags der drei Stiftungsgeber für die Sanierung des maroden Welterbes kann die Schlösserstiftung den zuletzt immer weiter angewachsenen Sanierungsstau praktisch komplett abarbeiten.

400 Millionen Euro sollen dafür wie berichtet ab 2018 ausgeschüttet werden, die Hälfte davon übernimmt der Bund, Brandenburg muss knapp 133 Millionen zahlen, Berlin die restlichen 67 Millionen Euro. Der Bund hat die Finanzspritze bereits fest zugesagt, mit den beiden Ländern sei man in konkreten Gesprächen, sagte Stiftungsgeneraldirektor Hartmut Dorgerloh am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung im Berliner Schloss Schönhausen.

Jetzt sind alle Sorgenkinder dran

50 Projekte sollen mit diesem Geld verwirklicht werden – die großen, aber diesmal auch die kleinen Sorgenkinder der Stiftung. „Im Prinzip können wir jetzt alles machen“, sagte Ayhan Ayrilmaz am Donnerstag am Rande der Veranstaltung. Als neu ernannter Architekturchef der Stiftung ist Ayrilmaz, der bereits die Verwendung der 155 Millionen Euro des ersten Masterplans koordinierte, auch für dessen zweite Auflage zuständig. Auf PNN-Nachfrage nannte er erstmals konkrete Zahlen. Allein die Hälfte des Geldes – also rund 200 Millionen Euro – sollen im Park Sanssouci ausgegeben werden, sagte der Architekturchef. Den größten Brocken bekommt mit rund 50 Millionen Euro das Neue Palais ab. 20 Millionen Euro verschlingt bereits die weitere Sanierung der Hülle, etwa der restlichen Dachflächen, der Balustrade, Gesimse und Skulpturen. Der Rest wird innen ausgegeben: Zehn bis zwölf Millionen Euro sind für die Sanierung zweier Prachtsäle vorgesehen. So soll mit einem Teil des Geldes der wertvolle Grottensaal fertig saniert werden. Wie berichtet wurde bislang nur die Decke mit Millionenaufwand wiederhergestellt. Der Rest fließt in die Restaurierung des Tanzsaals, der seit vielen Jahren gesperrt ist, weil der Boden einsturzgefährdet ist. Dieser prächtige Raum mit seinem kostbaren Rosenholzparkett liegt gleich neben dem Marmorsaal, der in den vergangenen Jahren aufwendig saniert wurde und der am 11. April wiedereröffnet werden soll. Weitere 14,5 Millionen Euro sollen für die Sanierung der Königswohnung, also der Wohnräume Friedrichs II., ausgegeben werden. Zudem soll das größte Schloss im Park Sanssouci barrierefrei werden – für zwei Millionen Euro werde ein Aufzug eingebaut, sagte Ayrilmaz.

Schloss Babelsberg soll ein Museum werden

Kräftig investiert wird auch im Schloss Babelsberg. Nachdem Fassade, Terrassen und Springbrunnen wiederhergestellt sind oder ihrer Vollendung entgegensehen, kommen jetzt die Innenräume dran. 27 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Auch ein neues Besucherzentrum soll dabei noch abfallen. Nachdem jahrelang unklar war, was mit dem Schloss geschehen soll, hat sich die Stiftung nun festgelegt. „Wir wollen daraus ein Museumsschloss machen“, sagte Ayrilmaz.

Abschließen will die Stiftung auch die Restaurierung des Orangerieschlosses, an dem bereits seit Jahren gearbeitet wird. Das Geld aus dem laufenden Masterplan reicht zwar für die Instandsetzung des maroden Mittelbaus, aber 18 Millionen Euro seien noch nötig, um die Arbeiten an den restlichen Fassaden und am Dach beenden zu können.

Auch Neubauten stehen auf der Liste

Eines der wichtigsten neuen Projekte auf der Liste ist die Sanierung der Bildergalerie neben dem Schloss Sanssouci, die mit 17 Millionen Euro zu Buche schlägt. 18 Millionen Euro sind für die dringend erforderliche Instandsetzung der Römischen Bäder erforderlich. Das in Anlehnung an das im Krieg zerstörte Schweizerhaus geplante neue Besucherzentrum neben der Historischen Mühle kostet inklusive der Sanierung aller umliegenden Nebengebäude 14 bis 15 Millionen Euro. Der Entwurf von Landtagsarchitekt Peter Kulka war vor einigen Jahren als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Gesucht wurde damals auch nach einem passenden Neubau für das geplante Restaurant neben dem Neuen Palais, das im Zuge des neuen Masterplans nun ebenfalls errichtet werden soll. Kosten: 5,5 Millionen Euro. Beide Projekte waren aus Geldmangel immer wieder verschoben worden – ebenso wie die Restaurierung der maroden Villa Liegnitz nahe dem Grünen Gitter. Zwölf Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Erstmals werde aber auch umfangreich in die Wiederherstellung der Gartenanlagen investiert: Für insgesamt 50 Millionen Euro sollen etwa Uferbefestigungen hergestellt oder die verschlammten Parkgräben ausgebaggert werden.

Bislang handele es sich nur um grobe Kostenschätzungen, sagte Ayrilmaz. Wegen der seit Jahren steigenden Baupreise habe man aber mit einem großzügigen Puffer geplant. Bei der Projektauswahl sei es nicht nur um die Rettung der Bausubstanz gegangen, so Ayrilmaz. Auch die Senkung von Betriebskosten, verbesserte Arbeitsbedingungen und die mögliche Steigerung der Einnahmen hätten eine wesentliche Rolle gespielt.

 


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