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  • 25.02.2016
  • von Christine Fratzke, Alexander Fröhlich und René Garzke

Achte Pogida-Demo in Potsdam: Absage für Bassinplatz - aber Pogida-Müller will weitermachen

von Christine Fratzke, Alexander Fröhlich und René Garzke

"Time to say Goodbye" - Ein Plakat von Pogida-Gegnern am 24. Februar. Foto: A. Klaer

Die achte Pogida-Demonstration sollte am 2. März am Bassinplatz stattfinden. Doch die fällt wegen Sicherheitsbedenken aus. Am 9. März will Müller am Hauptbahnhof weiter machen - und auch wieder nach Babelsberg.

Potsdam - Der Jubel der Gegner der fremdenfeindlichen Pogida-Aufmärsche dürfte verfrüht sein. Zwar wird der achte Pogida-„Abendspaziergang“, der am kommenden Mittwoch am Bassinplatz stattfinden sollte, ausfallen. Doch Pogida-Chef Christian Müller und sein Team wollen weitermachen: Ob jede Woche oder nur alle zwei Wochen ist nach Müllers Angaben noch unklar. Von seiner Ankündigung beim siebten Aufmarsch von 70 Pogida-Anhängern am Mittwochabend im Bornstedter Feld, nur noch alle zwei Wochen zu demonstrieren, nahm Müller am Donnerstag Abstand. Auch an seinem Plan, eine Woche lang jeden Tag in Babelsberg zu demonstrieren, hält Müller fest.  

Grund für die Absage: Sicherheitsbedenken und Fußballspiele

Dass der achte Pogida-"Abendspaziergang" am Bassinplatz ausfallen wird, teilten die Organisatoren am Donnerstagnachmittag in einer Facebook-Veranstaltung mit. Müller bestätigte dies auf Anfrage. Die Entscheidung, den Pogida-Aufmarsch am kommenden Mittwoch abzusagen, begründet Müller mit Sicherheitsbedenken. Konkret sei ihm von der Polizei signalisiert worden, dass wegen mehrerer als Risikospiele eingestufter Fußballpartien nicht genügend Personal zur Verfügung stehe. Tatsächlich läuft am 2. März in Berlin die Bundesligapartie Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt, zudem spielt Energie Cottbus am selben Abend in der 3. Liga gegen Erzgebirge Aue. Auch der Bassinplatz selbst ist offenbar aus Sicht der Polizei – nach den Zusammenstößen bei den ersten Pogida-Aufmärschen – kein sicheres Pflaster mehr. Stattdessen soll die nächste Kundgebung in der Woche darauf, also am 9. März, am Potsdamer Hauptbahnhof, Ausgang Babelsberger Straße, ab 18.30 Uhr stattfinden. Müller hat die Versammlung bereits angemeldet. Ursprünglich sollte die übernächste Pogida-Demonstration erneut in Babelsberg stattfinden.

Wer wird Müllers Nachfolger?

Zudem will der 32-Jährige wieder als Versammlungsleiter auftreten – und zwar so lange, bis sich jemand anderes dafür bereit erklärt. Am Mittwochabend hieß es außerdem, dass Markus Johnke vom Leipziger Pegida-Ableger Legida Interesse habe, die Organisation von Pogida zukünftig zu übernehmen. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen. Erst am Wochenende will sich das Pogida-Team nach PNN-Informationen über die Nachfolge beraten. Auch Müllers Lebensgefährtin Annika Keller und die Pressesprecherin Daniela Weirich waren ursprünglich im Gespräch.

Wie berichtet war Müller, der bereits mehrfach vorbestraft ist und eine Karriere als Intensivtäter hinter sich hat, in der vergangenen Woche zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden. Danach hatte Müller angekündigt, sich bei Pogida aus der ersten Reihe zurückzuziehen – also als Versammlungsleiter, nicht aber als Anmelder. Damit wolle er dem Gericht und der Staatsanwaltschaft zeigen, dass er sich bessern könne, so Müller, um einer Haftstrafe zu entgegen und um doch noch eine Bewährungsstrafe zu erwirken. 

70 Teilnehmer bei 7. Pogida-Demo im Bornstedter Feld

An der siebten Pogida-Demonstration am gestrigen Mittwoch im Bornstedter Feld nahmen deutlich weniger Teilnehmer als noch in den vergangenen Wochen teil. Waren es zu Beginn der Pogida-Demos im Januar noch bis zu 300 Teilnehmer, kamen diesmal maximal noch 70 Personen. Die Proteste gegen den Pogida-Marsch im Bornstedter Feld blieben am Mittwochabend weitgehend friedlich. Dabei nahmen mehr als 800 Personen an den Gegendemonstrationen teil, etwa 70 waren es bei Pogida. Kurzzeitig versuchten Nazi- Gegner den Pogida-Marsch zu blockieren, befanden sich aber außerhalb der geplanten Aufzugsstrecke. Nach nur 500 Metern Wegstrecke machte Pogida kehrt und lief zurück zum Startpunkt in der Kirschallee. Noch vor Beginn der Pogida-Demonstration versuchte eine größere Gruppe linker Gegendemonstranten zum Versammlungsort der Asylgegner zu gelangen. Polizisten setzten Pfefferspray ein und nahmen einen jungen Mann vorläufig wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Gewahrsam, teilte das Polizeipräsidium am späten Mittwochabend nach Redaktionsschluss mit.

Nach dem Ende aller Versammlungen versuchten der Polizei zufolge wiederum Personen aus dem linken Spektrum, den Abmarsch einer kleinen Gruppe von Pogida-Anhängern zu stören. Die Beamten setzten erneut Pfefferspray ein. Zwei Personen, die Polizisten beleidigt beziehungsweise angegriffen hatten, wurden in Gewahrsam genommen. Etwa 40 Pogida-Anhänger wurden von der Polizei zu einer nahe gelegenen Bushaltestelle geleitet und in einen Linienbus verbracht. Wie die Polizei mitteilte, wurde dieser „vermutlich durch einen Steinwurf“ leicht beschädigt. Die Behörde ermittelt nun zu den näheren Umständen.

Lesen Sie hier das Protokoll der 7. Pogida-Demo in Potsdam >>

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