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Stadtentwicklung

  • 25.02.2016
  • von Henri Kramer

Streit um die Zukunft des Hotels Mercure: Mercure-Debatte: Alle gegen den „Heuer-Riegel“

von Henri Kramer

Die Zukunft des Mercures bleibt umstritten. Foto: J. Bergmann

Das Mercure Hotel soll langfristig abgerissen werden - und der Eigentümer könnte dann ein neues, flacheres Hotel im Lustgarten bauen. Doch für diesen Vorschlag zum Ersatz-Hotel muss der SPD-Fraktionsvize Pete Heuer viel Kritik einstecken.

Potsdam - In der Mercure-Debatte gibt es einmal Einigkeit bei Gegnern und Befürwortern des Abrisses: Unisono kritisieren sie einen überraschenden Vorstoß von SPD-Fraktionsvize Pete Heuer. Er will dem Mercure-Eigentümer ein langgezogenes Ersatzgrundstück für ein neues, maximal drei Stockwerke hohes Hotel an der Breiten Straße anbieten – das direkt im Zugangsbereich des Lustgartens läge, also vis á vis zum Filmmuseum.

Kopfschütteln in der Rathauskooperation

Doch die im Bauausschuss am Dienstagabend verkündete Idee sorgt speziell bei den SPD-Partnern in der Rathauskooperation für Kopfschütteln. So sprach Grünen-Bauexpertin Saskia Hüneke gegenüber den PNN von einem „neuen Riegel“ für den Lustgarten: „Das ist städtebaulich keine gute Idee.“ CDU-Fraktionschef Matthias Finken sagte, Heuers vorgeschlagener Dreistöcker würde auch das Ziel der Wiedergewinnung der historischen Mitte konterkarieren – denn an der geplanten Stelle habe sich nie ein Gebäude befunden. Der Lustgarten würde zum „Hinterhofgarten“ des Hotels, so Finken. Sein Fraktionskollege Clemens Viehrig ätzte via „Facebook“: „Das Mercure soll gegen eine erneute Vergewaltigung des Lustgartens eingetauscht werden.“ Auch die 500 000 Euro teure Lustgarten-Planungswerkstatt hatte an der Stelle maximal einen preußischen Biergarten vorgesehen.

Heuer hatte im Ausschuss seine Idee als möglichen Kompromiss vorgestellt, mit dem auch die erwarteten Millionenkosten für Erwerb und Abriss des Hauses durch die Stadt deutlich sinken könnten. Denn für dieses Vorhaben gilt bisher der Beschluss der Stadtverordneten, keine öffentlichen Mittel zu verwenden – aus dieser Gemengelage sei sein Gedankenspiel entstanden, sagte Heuer den PNN.

Neues Areal für Mercure-Eigentümer

Demnach will er dem amerikanischen Immobilienfonds, dem das 17-stöckige Innenstadt-Hotel gehört, das bisher als Zufahrt genutzte Areal – die Verlängerung der Henning-von-Tresckow-Straße – für ein neues Hotel anbieten. Der Vorteil dieses Flächentauschs aus Heuers Sicht: Als Straßenland seien diese Flächen derzeit faktisch nichts wert, so Heuer. Anders sei dies bei weiteren städtischen und bereits als teures Bauland ausgewiesenen Grundstücken rund um den Lustgarten, die man dem Investor potentiell anbieten könnte – damit aber wieder öffentliche Mittel in Größenordnungen verwende. Für den Hotelbesitzer hätte die Idee des Flächentauschs laut Heuer den Vorteil, dass er auf eine teure Komplettsanierung des Mercure verzichten könnte, ein Neubau mehr Entfaltungsmöglichkeiten bringe.

Doch dabei hat Heuer auch die Rechnung ohne den Hotelier gemacht. Hoteldirektor Marco Wesolowski erklärte am Mittwoch, die Idee werde von den Besitzern kategorisch abgelehnt: „Die Eigentümerseite erwägt weder einen Flächentausch noch einen Abriss und Wiederaufbau des Hotels an anderer Stelle.“

„Es entstünde ein Bauwerk, das den Lustgarten massiv verstümmelt“

Auch politische Gegner der Abrisspläne winkten ab. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, der Ansatz für die Lustgartengestaltung könne kein neuer Riegel sein. Die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ nannte die Vorstellungen Heuers realitätsfremd und städtebaulich sinnfrei: „Es entstünde ein Bauwerk, das den Lustgarten massiv verstümmelt.“ Heuer erklärte dagegen, mit dem Hotel könne die Aufenthaltsqualität im Lustgarten, etwa durch weniger Verkehrslärm, maximiert werden. Zudem sei der vorgesehene Bereich ohnehin kaum belebt. Dagegen sagte Grünen-Politikerin Hüneke, mit dem vorgeschlagenen Dreistöcker würde auch der Wert jener städtischer Grundstücke am Bahndamm im südlichen Lustgarten, die ebenso noch bebaut und vorher verkauft werden sollen, geschmälert. Und der in Städtebaufragen seit Jahren engagierte Architekt Christian Wendland teilte mit: „Die Vorstellungen, die in der Öffentlichkeit zur Beseitigung des Hotels Mercure im Lustgarten vorgetragen werden, sind nicht nachvollziehbar, solange noch keinerlei Gespräche mit dem Eigentümer des Hotels geführt wurden.“ Dem pflichtete auch CDU-Politiker Finken bei – es sei verhandlungstechnisch eine schlechte Strategie, vor Sondierungen solche weitreichenden Vorschläge zu veröffentlichen.

Auch in der SPD ist der Vorstoß nicht Konsens. Ein Antrag für die Stadtverordnetenversammlung sei nicht geplant, sagte SPD-Chef Mike Schubert. Der Vorschlag von Heuer zeige die „lebhafte Diskussion“ innerhalb der Partei bei der Mercure-Debatte. Linke-Kreischef Sascha Krämer wiederum frotzelte, die SPD könne sich solche Erwägungen sparen: „Wieso hat die SPD bisher nicht den Mut, die Potsdamer zu fragen, wie man mit dem Gebäude umgehen sollte?“ Diese Forderung der Linken lehnte am Mittwochabend wiederum der Hauptausschuss mehrheitlich ab – und stimmte mit den Stimmen von SPD, CDU/ANW, Grünen und AfD für die umstrittenen Sanierungsziele für den Lustgarten, die unter anderem langfristig den Abriss des Hotels vorsehen. Unter einem Vorbehalt: Das Finanzierungskonzept muss erst noch gefunden werden.

 

Lesen Sie weiter:

Die Stadt Potsdam führt eine sinnfreie Debatte über den Abriss des Hotels Mercure. Ein Kommentar >>

 


 

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