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  • 23.02.2016
  • von Erik Wenk

Gemeinschaftsgarten an der FH Potsdam: Treffpunkt Garten

von Erik Wenk

Fünf Gemeinschaftsgärten gibt es bereits in Potsdam, ein sechster kommt nun dazu. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In Potsdam gibt es schon einige Gemeinschaftsgärten: Auf dem Gelände der Fachhochschule Potsdam soll nun ein neuer gemeinsamer Garten entstehen – ausdrücklich aber nicht nur für Studenten.

Potsdam - Buddeln, naschen, Honig imkern – viele Ideen und Wünsche wurden beim letzten Treffen der AG Campusgarten formuliert. Es ging darum, was im geplanten Gemeinschaftsgarten auf dem Gelände der Fachhochschule Potsdam (FHP) an der Kiepenheuerallee künftig geschehen soll. Auf der Grünfläche nördlich von Haus 3 wird der Garten entstehen, die genaue Größe steht noch nicht fest. Hermann Voesgen, Professor für Kultur- und Projektarbeit an der FHP, der die AG von Anfang an begleitet, stellte aber bereits 400 Quadratmeter Fläche in Aussicht. Der erste Spatenstich soll spätestens Ende März gesetzt werden.

Garten soll zum Verweilen an der FH Potsdam einladen

„Ein solcher Gemeinschaftsgarten könnte der zunehmenden Glattheit des Campus etwas Organisches entgegensetzen“, sagt Michael Kreutzer von der AG Campusgarten. Er und andere Mitglieder der Initiative beklagen, dass sich viele Studierende kaum mit der Hochschule identifizieren und nicht länger als nötig auf dem Campus aufhalten würden: „Alle rennen immer gleich zur Tram-Haltestelle“, sagt Kreutzer. Der Garten soll diese Identifikation stärken, zum Verweilen und zum gemeinschaftlichen Gärtnern einladen – und auch als Seminar- und Veranstaltungsort dienen.

Entstanden war die Idee aus dem Seminar „Campusgarten“, das im Wintersemester 2015 an der FHP stattfand. Auf Anhieb fanden sich rund 40 Interessierte für das Projekt. Schnell wurde klar: Es soll kein rein studentisches Projekt sein, sondern offen sein für alle – Anwohner, Flüchtlinge, Schulen, Kitas. Denn es fehlt generell an sozialen Treffpunkten in Bornstedt, das beklagen auch Mitglieder der Stadtteilinitiative Bornstedt und des Vereins Stadtrandelfen, die ebenfalls am letzten Treffen der Campusgarten AG teilnahmen. Die Öffnung des Gemeinschaftsgartens über die Hochschule hinaus hat auch einen praktischen Hintergrund: Während der Semesterferien werden viele Studierende nicht auf dem Campus sein, doch auch dann muss der Garten natürlich gepflegt werden.

Gemeinsames Gärtnern mit anderen

Die Idee des gemeinschaftlichen Gärtnerns oder auch „Urban Gardenings“ ist einfach: Jeder, der keine Zeit oder kein Geld für einen eigenen Garten hat, soll in einem öffentlichen Gartenprojekt mitmachen können und je nach persönlicher Vorliebe Gemüse, Obst oder Blumen anpflanzen können. Und zwar nicht alleine wie im Kleingarten, sondern gemeinsam mit anderen. Neben der Begrünung des urbanen Raums entsteht so auch noch ein Ort zum Entspannen und ein sozialer Treffpunkt.

Was genau auf dem Campusgarten gepflanzt und angebaut werden soll, ist noch nicht ganz klar, aber Ideen gibt es genug: Hochbeete, eine Kräuterspirale, ein Beeren-Naschgarten, Bienenkörbe, sogar ein kleines Amphitheater als Ort für Seminare und außeruniversitäre Veranstaltungen sollen entstehen. Finanzieren will sich der Campusgarten unter anderem durch den AStA der FHP, aber auch über Fördergelder für gemeinnützige Projekte. Zu diesem Zweck ist eine Kooperationsvereinbarung mit den Stadtrandelfen geplant: Der Verein bietet erlebnispädagogische Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an.

Fünf Gemeinschaftsgärten in Potsdam

In den letzten Jahren schießen Gemeinschaftsgärten in Potsdam buchstäblich wie Pilze aus dem Boden: Insgesamt fünf Stück gibt es bereits über die ganze Stadt verteilt, den Campusgarten noch nicht einmal mitgerechnet. Aber nicht jede Initiative war erfolgreich: Der 2009 ins Leben gerufene Gemeinschaftsgarten in Drewitz wurde aus Mangel an Teilnehmern wieder aufgegeben, auch der 2014 gestartete Allmende-Garten in der Schiffbauergasse wird derzeit nicht bewirtschaftet.

Woher kommt diese Begeisterung für das gemeinschaftliche Gärtnern? „Ich glaube, es besteht generell ein Interesse daran, die Nahrungsproduktion wieder in eigene Hände zu nehmen und den Stadtraum zu verändern“, sagt Alexa Junge vom Freigarten auf dem Gelände des Jugendkulturzentrums Freiland. Junge wünscht sich, dass sich die verschiedenen Gemeinschaftsgärten in Potsdam künftig noch stärker vernetzen: „Wir versuchen das gerade zu bündeln und besser nach außen darzustellen.“ Geplant ist unter anderem ein gemeinsamer Auftritt mehrerer Gemeinschaftsgärten beim diesjährigen Festival „Stadt für eine Nacht“ in der Schiffbauergasse.

Wer beim Campusgarten mitmachen will, kann über diese Mail-Adresse Kontakt aufnehmen: campusgarten@fh-potsdam.de

 


 

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