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  • 19.02.2016
  • von Alexander Fröhlich

Pogida-Chef ist bei der Polizei bekannt: "Bewaffnet" und "gewalttätig": 170 Strafverfahren von Christian Müller verzeichnet

von Alexander Fröhlich

Pogida-Chef Christian Müller. Foto: dpa/R. Hirschberger

Der Anmelder der fremdenfeindlichen Pogida-Demonstrationen, Christian Müller, hat eine Karriere als Kleinkrimineller hinter sich. Nach PNN-Recherchen hat er aber weit mehr auf dem Kerbholz als bislang bekannt. Es geht auch um Waffenbesitz.

Potsdam - Bei der Polizei ist der Anmelder des Potsdamer Pegida-Ablegers Pogida einschlägig bekannt – mit mehreren Delikten. Christian Müller (32) wird im internen Computer-Fahndungssystem Polas als Straftäter der allgemeinen Kriminalität geführt. Insgesamt 170 Straftaten sind in dem System für die Jahre 2002 bis 2015 bei Müller verzeichnet, außerdem wird er dort mit den Vermerken Drogenkriminalität, „bewaffnet“ und „gewalttätig“ geführt. Bei den meisten Fällen handelte es sich um Nötigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Letztere sind von der Polizei zumeist als Beziehungstaten eingestuft worden. Weiterhin hat die Polizei gegen Müller mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen Mitführens und Besitzens von Waffen und gefährlichen Gegenständen.

Pogida-Chef Müller im Visier des Staatsschutzes

Dazu zählen, wie seit dem Jahr 2000 erfasst wurde, Messer, Schreckschusspistolen, eine Luftdruckpistole, Reizgas und zuletzt im Jahr 2015 ein Gewehr der Marke Walther samt Munition. Auch der polizeiliche Staatsschutz hatte Müller mehrfach im Visier, der 32-Jährige fiel mehrmals mit politisch motivierter Kriminalität auf. In den Jahren 2002 bis 2011 ging es um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung. Er rief Parolen und hörte laut rechte Musik in einer Wohnung in Potsdam, spielte Musik in Cottbus ab und verbreitete sogar rechtsextremes Gedankengut an einer Gesamtschule in Potsdam.

Zuletzt ist im Polizeisystem bei Staatsschutzdelikten das „Installieren eines Hakenkreuzes auf dem Bildschirm einer Klinik/Maßregelvollzug in Eberswalde“ verzeichnet. Weil Müller Kontakt zu dem Neonazi-Szene-Anwalt Wolfgang Nahrath hat, vermutet die Polizei, dass Müller auch Kontakt zur rechten Szene hat.

Christian Müller ist nicht in Potsdam gemeldet

Besonders interessant ist aber noch etwas ganz anderes: Zwar betont er immer bei seinen Pogida-Demonstrationen, Potsdamer Bürger würden gegen die angebliche Islamisierung auf die Straße gehen. Dabei ist Müller offenbar gar kein Potsdamer. Nach Erkenntnissen der Polizei und nach Anfrage beim Rathaus ist er in Potsdam nicht amtlich gemeldet. Auch im Rest des Landes Brandenburg gibt es keine Meldeadresse.

 

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