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  • 16.02.2016
  • von Henri Kramer

Vor dem 6. Pogida-Aufmarsch in Potsdam: Massiver Protest gegen Pogida-Aufzug in Babelsberg

von Henri Kramer

Pogida-Gegner demonstrierten gegen den dritten "Abendspaziergang", der vom Hauptbahnhof zum Filmmuseum führte. Foto: R. Hirschberger/dpa

Zum sechsten Mal will Pogida in Potsdam demonstrieren: Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz in Babelsberg am Mittwoch vor. Für Wirbel sorgt nun ein "Demotraining" im Jugendzentrum Freiland.

Potsdam - Vor dem nächsten Marsch des fremdenfeindlichen Potsdamer Pegida-Ablegers ist die Stimmung bei den Sicherheitsbehörden angespannt: Am Mittwochabend wollen die Pogida-Anhänger ab 18.30 Uhr durch den als traditionell links geltenden Stadtteil Babelsberg ziehen – und zwar entlang der Großbeeren- und Karl-Liebknecht-Straße bis zur dortigen Postfiliale. Am Montag waren bereits sieben Protestveranstaltungen angemeldet. Die Polizei will wieder mit mindestens 1000 Beamten gegen mögliche Ausschreitungen vorgehen.

Die Pogida-Route führt dabei an Symbolorten für die linke Szene vorbei, etwa an der Heidesiedlung oder der Kiezkneipe „Nowawes“. Die zentrale Gegenkundgebung des parteiübergreifenden Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ findet ab 18 Uhr an der Ecke Wetzlarer Straße/ Großbeerenstraße statt. Weitere Kundgebungen haben der Linke-Kreisverband, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten, der SV Babelsberg 03 und das Musikerviertel e.V. angemeldet, sie alle finden ab 18 Uhr entlang der Pogida-Strecke statt.

Polizei will Straftaten konsequent ahnden

Bei den vergangenen drei Aufmärschen der zuletzt nur noch rund 100 Pogida-Unterstützer waren diese durch massive Polizeipräsenz abgeschirmt und konnten dadurch ihre sogenannten Abendspaziergänge gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes durchführen. Diesmal berichtete die linksalternative Fraktion Die Andere nach ersten Kooperationsgesprächen mit der Polizei, es werde „möglich sein, in Hör- und Sichtweite der Pogida-Menschenfeinde zu protestieren.“ Selbst dies sei durch die Taktik der Polizei zuletzt nicht mehr möglich gewesen, hatten sich Organisatoren der Gegenproteste unzufrieden gezeigt. Ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums kündigte gleichwohl an, wie bei den vergangenen Pogida-Einsätzen würden Straftaten auf beiden Seiten „konsequent geahndet“, um Ausschreitungen wie beim ersten Pogida-Aufzug im Januar zu verhindern. Es sei mit massiven Verkehrsbehinderungen im gesamten Stadtteil rechnen. Die Stadtverwaltung wird aus Sicherheitsgründen erneut ein allgemeines Glasverbot für alle Demonstrationen erlassen.

"Wie blockieren wir am erfolgreichsten einen Naziaufmarsch?"

Zugleich will sich die linke Szene gegen Pogida besser rüsten. Auf Szene-Seiten ist bis Samstag für Potsdam eine „Antifa Youth Action Week“ angekündigt – etwa mit einem Rechtshilfe-Workshop für in Konflikt mit der Polizei geratene Demoteilnehmer. In diesem Rahmen soll am Freitag im von der Stadt geförderten Kulturzentrum Freiland in der Friedrich-Engels-Straße ein „Demotraining“ stattfinden. Thema: „Wie blockieren wir am erfolgreichsten einen Naziaufmarsch und können am besten den Bullenstrategien widerstehen?“ Verbunden wird das mit einem Sanitätertraining. Für die Stadtverwaltung kündigte Sprecher Jan Brunzlow an, den Vorgang zu prüfen: „Wir sind für gewaltfreien Protest und gegen Blockaden.“ Freiland-Betreiber Dirk Harder sagte am Montagabend, es handele sich offenbar um eine Einmietung. Mehr konnte er zunächst nicht sagen. Harder: „Wir lehnen aber Gewalt von allen Seiten ab und unterstützen den friedlichen und kreativen Protest.“

 

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Ein rechtspopulistisches Magazin schrieb, dass die Stadt Potsdam ihre Dienstwege gegen Pogida missbrauche. Billige Propaganda, meint PNN-Autor Henri Kramer. Ein Kommentar >>

 

 

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