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  • 10.02.2016
  • von Katharina Wiechers

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge in Drewitz: Hallen auf Halde

von Katharina Wiechers

Ein Blick in die Leichtbauhalle in Neu Fahrland: So ähnlich sieht es auch in den Leichtbauhallen in Drewitz aus:. Foto: A. Klaer (PNN-Archiv)

Im Potsdamer Stadtteil Drewitz stehen nun Leichtbauhallen. Doch ob und wann sie überhaupt gebraucht werden, ist derzeit unklar.

Potsdam - Wie viele Flüchtlinge in diesem Jahr nach Potsdam kommen, ist immer noch völlig unklar. Die Stadt wartet auf Prognosen vom Land, das Land wiederum auf Prognosen vom Bund, wie Anfragen der PNN ergaben. Zumindest vorerst geht Potsdam aber davon aus, dass die Zahlen auf vergleichsweise niedrigem Niveau bleiben. So wurden am gestrigen Dienstag zwar neue Leichtbauhallen in Drewitz der Öffentlichkeit vorgestellt. Bezogen werden sollen sie aber noch nicht.

„Wahrscheinlich brauchen wir sie frühestens Mitte des Jahres“, schätzt der Flüchtlingskoordinator der Stadt, Jörg Bindheim. So lange könnten neu ankommende Flüchtlinge in festen Gebäuden untergebracht werden – in den bereits bestehenden und den noch geplanten. Ebenso leer bleiben sollen bis dahin die Leichtbauhallen in Neu Fahrland. Jene, die neben dem Freiland-Gelände in der Friedrich-Engels-Straße geplant waren, sollen gar nicht erst aufgebaut werden. „Die Bestellung ist storniert“, sagte ein Stadtsprecher am Dienstag den PNN. Damit gibt es nur noch drei Leichtbauhallen-Standorte in Potsdam. Die Hallen an der Babelsberger Sandscholle sind die einzigen, die derzeit genutzt werden, jene in Neu Fahrland und Drewitz sollen als Notfall-Reserve stehen bleiben.

1500 Flüchtlinge hat Potsdam 2015 aufgenommen

Dass solche Reserven nötig sein können, haben die Ereignisse im vergangenen Jahr gezeigt. Immer wieder hatte das Brandenburger Innenministerium die Flüchtlingszahlen, die Potsdam aufnehmen sollten, nach oben korrigiert. So hieß es noch Anfang 2015, man erwarte 550 bis 650 Flüchtlinge, bis zum Ende des Jahres war von 2500 Menschen die Rede. Die Realität lag dazwischen: Knapp 1500 Menschen nahm Potsdam im vergangenen Jahr auf, und entgegen früherer Aussagen lag die Stadt damit im Soll, einen Rückstand gibt es nach derzeitiger Lage kaum noch. Hintergrund ist, dass viele Flüchtlinge, die 2015 nach Brandenburg kamen und in die Kommunen weiterverteilt werden sollten, das Bundesland schon vorher auf eigene Faust verließen. So sanken auch die Zahlen für Potsdam.

Entwarnung will das Innenministerium aber nicht geben. Zwar gebe es in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes derzeit noch freie Plätze – 3137 von 5900 waren nach aktuellem Stand belegt, wie ein Sprecher den PNN sagte. Allerdings handele es sich bei den verbliebenen Kapazitäten durchweg um sogenannte Notplätze, die festen Gebäude seien alle belegt. Wie sich die Zahlen 2016 entwickelten, sei ohne die Prognose des Bundes nicht vorherzusagen, so der Sprecher. Verglichen mit Oktober oder November 2015 seien die Zahlen der neu ankommenden Flüchtlinge in Brandenburg derzeit zwar gering. Im Vergleich zum Vorjahresmonat seien sie jetzt aber deutlich höher.

Im Konsumhof und in der Zeppelinstraße werden neue Unterkünfte geschaffen

Unterdessen arbeitet die Potsdamer Stadtverwaltung weiter an der Inbetriebnahme neuer Flüchtlingsunterkünfte. So sollen sowohl die Unterkunft im Babelsberger Konsumhof als auch jene in der Zeppelinstraße Ende Februar oder Anfang März bezogen werden, sagte Koordinator Bindheim. Außerdem wird der ehemalige Landtag weiter ausgebaut. Bislang leben dort rund 70 Menschen, Anfang März sollen laut Bindheim bis zu 100 weitere Flüchtlinge dort unterkommen. Bis dahin soll eine Brandmeldeanlage fertig sein, die die Bauaufsicht zur Bedingung für eine weitere Belegung gemacht hat. Ebenfalls noch im Bau sind die Küchen und die sanitären Anlagen im Gebäude – bislang müssen die Bewohner zum Duschen auf den Hof beziehungsweise ins Bad am Brauhausberg gehen. Ebenfalls in Betrieb gehen sollen in den kommenden Monaten zwei Unterkünfte in der Berliner Straße 79 und 139. Dort laufen laut Stadt aber noch die Verhandlungen mit den jeweiligen Eigentümern.

Obwohl die Leichtbauhallen vorerst also leer bleiben, stießen sie am Dienstag auf reges Interesse bei den Drewitzern. Den Betreiber Internationaler Bund vertrat Reinhold Ehl. Er erinnerte an die teils hitzige Anwohnerversammlung zu der Unterkunft, zeigte sich aber zuversichtlich. „Wenn die Flüchtlinge erst da sind, fallen sie gar nicht mehr auf“, sagte er. Nur wann das sein wird, weiß derzeit keiner.

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