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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 03.02.2016
  • von Marco Zschieck

Kompromissvorschlag im Pfingstberg-Streit: Potsdams teuerste Grünfläche

von Marco Zschieck

Um den Streit um den Zaun am Pfingstberg beizulegen, will die Stadtverwaltung bis zu 250 000 Euro jährlich für die Parkpflege zahlen. Doch wie das finanziert werden soll, ist noch unklar.

Nauener Vorstadt - Nobel war der Pfingstberg schon vor mehr als 100 Jahren, als für den Bankdirektor Hermann Henckel die gleichnamige spätklassizistische Villa errichtet wurde – samt einem von königlichen Hofgärtnern angelegten Park. Dieser könnte künftig auch die nobelste Parkanlage werden, die die Stadt Potsdam unterhalten muss. Der Aufwand sei bedeutend höher als für städtische Grünflächen üblich, so Stadtplanungschef Andreas Goetzmann. „Da vergleicht man nicht Äpfel mit Birnen, sondern Äpfel mit Feinkost.“

Etwa fünf Euro werden für die Pflege jedes der etwa 47 000 Quadratmeter fällig. Üblicherweise sind es für städtische Grünflächen rund 30 Cent je Quadratmeter im Jahr. Mit etwa 215 000 Euro könnten Pflege und Unterhalt des öffentlich zugänglichen Teils den städtischen Haushalt jährlich belasten, sollte der Hauptausschuss den Kompromiss mit der Schlösserstiftung und Springer-Chef Mathias Döpfner absegnen. Die Zahl ist eine Schätzung. Genau könne man es nicht sagen, weil man nicht mal genau weiß, wo die historischen Wege auf dem derzeit verwilderten Areal verlaufen, so Goetzmann.

Möglicherweise muss an anderen Grünflächen gespart werden

Bezahlt werden müsste das Ganze aus der Stadtkasse. Ob im Haushalt dementsprechend mehr Geld eingeplant wird oder die Verwaltung an der Pflege anderer Grünflächen spart, müssten dann die Stadtverordneten bei der Aufstellung des Haushaltsplans entscheiden. Dass die kommunalen Mehrausgaben für eine Parkanlage im Welterbegebiet bei der Kommunalaufsicht auf Widerspruch stoßen, hält Goetzmann für nicht wahrscheinlich. „Ein gewisses Maß an freiwilligen Leistungen gesteht die Kommunalaufsicht ja zu.“

Ohnehin kämen die Kosten auch nicht sofort in voller Höhe auf die Stadt zu. Denn bis der verwilderte und teilweise mit Bauschutt bedeckte Hang tatsächlich in alter Pracht inklusive historischem Wegenetz erstrahlt, wird es wohl sechs Jahre dauern. So viel Zeit räumt der Kompromissvorschlag dem Investor Döpfner ein, um die Parkanlage schrittweise herzurichten. Bereits während der Arbeiten soll die Parkanlage wieder öffentlich zugänglich sein – so stehte s in der Beschlussvorlage, über die der Hauptausschuss in der kommenden Woche beraten soll. Sprich: Der Zaun soll weichen.

Ziel der Stadt sei es, mit der Schlösserstiftung und Döpfner eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die von der Verwaltung favorisierte „Variante B“ hätte nicht nur den Vorteil, dass die Stadt die Investitionskosten nicht übernehmen muss, sondern die zu pflegende Fläche kleiner wäre. Nach Schätzungen der Stadtverwaltung macht das einen Unterschied von etwa 35 000 Euro jährlich aus. Außerdem bliebe es in „Variante B“ auch dabei, dass Döpfner die marode Villa Schlieffen saniert. Andernfalls müsste die Stadt dafür einen anderen Träger suchen.

Für den Ausblick von der Villa Henckel müssten Bäume gefällt werden

Wird eine von beiden Varianten umgesetzt, wird sich die Anmutung des Areals in den kommenden Jahren drastisch verändern. Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung seien die „Parkanlagen zunehmend verwildert und insbesondere die nördlichen Wiesenflächen vorwaldartig überformt“, heißt es in der Erläuterung der Beschlussvorlage. Zudem müsste auf der Nordostseite ein neuer Weg gegenüber dem Restaurant am Pfingstberg angelegt werden, damit die Anlage von dort aus betreten werden kann. Die historischen Wege dort führen dann nämlich alle in den privaten Teil. Die Wiederherstellung der historischen Parkanlage dürfte auch für eine größere Anzahl an Bäumen das Aus bedeuten. Sie stehen dem Ausblick von der Terrasse der Villa Henckel im Weg. Der Zaun, der in beiden Varianten den öffentlichen vom privaten Teil trennt, soll möglichst unauffällig sein. Vorstellbar sei ein 1,70 Meter hoher Stabgitterzaun ähnlich dem am Schloss Glienicke, so Goetzmann. „Im Landschaftsbild wirkt das sehr transparent“, sagte er.

 

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