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  • 30.01.2016
  • von Jana Haase

Telecolumbus-Brief sorgt für Ärger bei Kunden: Experten kritisieren Kabelanbieter

von Jana Haase

Der Anbieter Telecolumbus versorgt 40.000 Haushalte in Potsdam. Das Unternehmen steht nun in der Kritik. Foto: dpa/R. Hirschberger

Der Kabelanbieter Telecolumbus hat in den vergangenen Wochen Potsdamer Kunden einen Brief geschickt, in dem eine Vertragsumstellung angekündigt wird. Der Verbraucherschutz kritisiert das undurchsichtige Vorgehen - und gibt Tipps, wie sich Kunden wehren können.

Potsdam - Verbraucherschützer kritisieren den Kabelanbieter Telecolumbus. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche an viele Internet-Kunden in Potsdam ein Schreiben geschickt, das über eine Vertragsumstellung mit neuen Datenraten informierte, die teils mit einer Preiserhöhung ab März einhergeht. Michèle Scherer, die bei der Verbraucherzentrale Brandenburg für Digitales zuständig ist, hält das Vorgehen des Unternehmens, aber auch den Aufbau des Schreibens für „sehr bedenklich“, wie sie den PNN auf Anfrage sagte. Sie rät Kunden, die die neuen Konditionen nicht möchten, Widerspruch einzulegen. In Potsdam seien mehrere tausend Haushalte von der Umstellung betroffen, sagte Telecolumbus- Sprecher Hannes Lindhuber auf PNN-Anfrage. Insgesamt versorgt das Unternehmen in Potsdam den Angaben zufolge mehr als 40 000 Haushalte mit Fernsehen, Telefon und Internet.

Kritik: Der ganze Vertrag wird verändert, nicht nur der Preis

Das Schreiben mit der Betreffzeile „Einführung neues Produktportfolio“ sei auf den ersten Blick nicht von einem Werbebrief zu unterscheiden, kritisiert Verbraucherschützerin Scherer: „Die Überschrift lässt überhaupt nicht vermuten, dass da eine Vertragsumstellung passieren soll.“ Ihr Hauptkritikpunkt ist die Tatsache, dass das Unternehmen bei Nichthandeln des Kunden ein Einverständnis voraussetzt. „Wir sind der Ansicht, dass bei solch umfangreichen Vertragsänderungen die Zustimmung des Kunden explizit eingeholt werden sollte“, so Scherer. Grundsätzlich gelte, dass Verträge einzuhalten sind. Zwar sei es üblich, dass in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Vorbehaltsklausel für Preiserhöhungen steht: „Aber hier wird ganze Vertrag geändert, nicht nur der Preis erhöht.“

Bei der Verbraucherzentrale Brandenburg hatten sich bereits verärgerte Betroffene gemeldet. Michèle Scherer rät Kunden dazu, zunächst Widerspruch einzulegen und bei eventuellen Problemen in die Beratung zu kommen. Kunden, die ihre Beiträge per Einzugsermächtigung abbuchen lassen, rät sie zudem, die Kontoauszüge zu kontrollieren, um sicherzugehen, dass der richtige Betrag abgezogen wird.

Telecolumbus verspricht „eine überproportionale Leistungssteigerung“

Telecolumbus-Sprecher Lindhuber geht indes davon aus, dass die Akzeptanz für die neuen Tarife groß ist, weil die Kunden dafür „eine überproportionale Leistungssteigerung“ und schnelleres Internet bekämen. Im Falle eines Widerspruchs werde der Vertrag zu den bestehenden Bedingungen fortgeführt.

Ähnliche Schreiben von Telecolumbus in anderen Bundesländern hatten bereits Ende 2015 für Kritik von Verbraucherschützern gesorgt. Damals war die eingeräumte Widerspruchsfrist noch deutlich kürzer als nun in Potsdam. 

 


Service: Sie haben den Brief vielleicht schon weggeschmissen oder wollen wissen, was in dem Schreiben steht? Hier haben wir den Brief, der an viele Potsdamer Kunden ging und nun für Kritik sorgt >>

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