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  • 30.01.2016
  • von Peer Straube

Streit um Haufen Erde im Babelsberger Park: Die Reste der Rampe

von Peer Straube

Um diesen Haufen Erde am Babelsberger Park streiten sich derzeit die Stadt Potsdam und die Schlösserstiftung. Er entstand nach der Sanierung von Humboldtbrücke und Nuthestraße – und die Stadt will ihn nicht beseitigen. Foto: A. Klaer

Die Stadt Potsdam und die Schlösserstiftung liegen einmal mehr im Clinch. Dieses Mal geht es um einen Haufen Erde.

Potsdam - Ein Erdhügel neben dem Babelsberger Park sorgt für neuen Zwist zwischen Stadt und Schlösserstiftung. Die Aufschüttung ist eine Hinterlassenschaft der mittlerweile beendeten Sanierung von Humboldtbrücke und Nuthestraße: Auf der Rampe verlief einst die Zufahrt vom Humboldtring zur Schnellstraße. Während die Straße selbst schon vor Jahren abgerissen wurde, stehen die Reste des Erdwalls bis heute – zum Leidwesen der Stiftung, die ihn gern beseitigt sähe. Die Stadt lehnt das allerdings mit Verweis auf hohe Kosten und Umweltschutzaspekte ab. Die Schlösserstiftung argumentiert mit dem Welterbestatus, den das Areal als sogenannte Vorfläche des Babelsberger Parks genießt – und fordert ein Angebot der Stadt ein, die der Stiftung das Areal unentgeltlich überlassen wollte. Im Rathaus allerdings will man von einer solchen Offerte derzeit nichts mehr wissen.

Komplizierte Grundstücksverhältnisse

Für das Verständnis ist ein Blick auf die komplizierten Grundstücksverhältnisse am Rande des Babelsberger Parks wichtig – und auf die kulturhistorische Bedeutung des unscheinbaren Landstreifens zwischen Havelufer, Nuthestraße, Park und den Kleingärten an der Mühlenstraße. Zwei Drittel dieser Flächen gehören der Stadt, lediglich ein Drittel – das Areal zwischen besagtem Erdhügel und dem Havelufer – befinden sich im Besitz der Stiftung.

Im späten 19. Jahrhundert hatten die Hohenzollern diese Flächen gekauft, um die zahlreichen Sichtachsen zwischen dem Babelsberger Park und der Potsdamer Innenstadt zu sichern. Sie sollten unbebaut bleiben und dem Park damit als zusätzliche Pufferzone dienen. Mit dem Verweis auf diesen besonderen Status hatte die Schlösserstiftung auch den Bau des Fußballplatzes Nowawiese abgelehnt. Als Geste der Versöhnung hatte die Stadt der Stiftung in diesem Zusammenhang eine kostenlose Übertragung der Grundstücke angeboten. Den Streit entschied vor drei Jahren schließlich Brandenburgs damalige Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) – zugunsten der Stadt. Sie genehmigte den Bau des Fußballplatzes, knüpfte dies allerdings an verschiedene Auflagen. Unter anderem sollte auf Container verzichtet werden, die Fußballer sollten die Umkleiden und Toiletten des Strandbades Babelsberg nutzen. Alle baulichen Anlagen sollten so unauffällig wie möglich gestaltet werden. In ihrem Entscheid ging die Ministerin zudem davon aus, dass die Stadt ihr Angebot umsetzt und ihre Flächen „zugunsten der Einheitlichkeit des Eigentums und der künftigen Unterhaltung und Pflege“ kostenfrei an die Stiftung überträgt. Im Gegenzug sollte die Stiftung das dann ihr gehörende Sportplatzareal langfristig an die Stadt verpachten.

Stadt Potsdam lehnt es ab, den Erdhügel einzuebnen

Inzwischen aber hat die Stadt ihre Meinung offenbar geändert. Der Fußballplatz ist fertig, in diesem Jahr soll er eröffnet werden. Ein Grundstückstausch, sagte Rathaussprecher Jan Brunzlow, sei daher „nicht notwendig“. Den Erdhügel wie von der Stiftung gefordert vollständig einzuebnen, lehnt die Stadt ebenfalls ab. „Aufgrund der erheblichen Kosten und naturschutzfachlicher Belange“ werde die Aufschüttung „nur zum Teil abgetragen“, so Brunzlow. Beispielsweise halte man es „nicht für angebracht, mehrere Hundert Bäume zu fällen“. Geplant sei daher lediglich, den Erdwall „so behutsam an das Gelände anzupassen“, dass er „optisch kaum noch wahrnehmbar“ sei.

Die Schlösserstiftung übt Kritik am Verhalten des Rathauses. Es sei „zu bedauern, dass eine Lösung, die den Belangen des Denkmalschutzes und den Belangen der Stadtplanung Rechnung tragen sollte, ausgesetzt ist“, erklärte Stiftungssprecher Frank Kallensee auf Anfrage. Auch im Kulturministerium ist man irritiert. Zwar seien die Bedingungen der Ministerin für die Genehmigung des Fußballplatzes erfüllt worden, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding, verband dies aber auch mit einer Mahnung: Das Land gehe davon aus, dass die Stadt mit der Stiftung zu den „offenen Fragen“ wie den Eigentumsverhältnissen und der Gestaltung der Vorfläche des Parks „weiter im Gespräch“ sei.

Wird das Kriegsbeil bald begraben?

Tatsächlich ist das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen. Denn nach einer Periode des Dauerfrostes im Binnenklima zwischen Stadt und Stiftung beginnt das Eis – wenn auch langsam – zu schmelzen. Dass die Stadt ihr Schenkungsangebot an die Stiftung zurückgezogen hat, lag nach PNN-Informationen an einem Streit, den beide Protagonisten an anderer Stelle ausfechten – am Pfingstberg. Inzwischen wird wie berichtet aber an einem Kompromiss im Konflikt um den Zaun rund um den Park der Villa Henckel gearbeitet. Auch in Babelsberg besteht die Chance, dass das Kriegsbeil in absehbarer Zeit begraben wird: Ein erstes Gespräch auf Spitzenebene soll es bereits gegeben haben, weitere sollen folgen.

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