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  • 29.01.2016
  • von Katharina Wiechers

Senioren in Ostdeutschland: Alterssitz Potsdam

von Katharina Wiechers

Viele Senioren ziehen nach Potsdam, weil sie in der Nähe ihrer Kinder und Enkel sein wollen. Andere lockt die attraktive Lage am Wasser in die Stadt, meinen die Autoren der Studie. Foto: A. Klaer

In keine andere ostdeutsche Großstadt ziehen so viele Senioren wie nach Potsdam. Warum Menschen hier alt werden wollen - und was das für die Stadt bedeutet.

Potsdam - Wenn von Zuzügen nach Potsdam die Rede ist, sind meist junge Menschen im Fokus. Junge Familien, junge Wissenschaftler, junge Flüchtlinge. Doch auch älteren Menschen ist Potsdam durchaus ein Umzug wert, wie eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung beweist. Von allen Großstädten – dazu zählen Kommunen über 100 000 Einwohner – ist Potsdam diejenige in Ostdeutschland, die mit Abstand am meisten Senioren anzieht.

So kamen in den Jahren 2008 bis 2013 durchschnittlich 7,2 Über-64-Jährige nach Potsdam – gerechnet auf 1000 Bewohner dieser Altersgruppe in der Stadt. Das war mit Abstand der höchste Wert unter den elf ostdeutschen Großstädten, der Durchschnitt lag bei gerade mal 1,75.

Die Zahl ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Autoren der Studie für den Rest Ostdeutschlands eigentlich ein ganz anderes Phänomen festgestellt haben: Nämlich dass Senioren – wenn sie nochmal umziehen – eher mittelgroße Städte zwischen 10 000 und 50 000 Einwohnern wählen. Dort haben sie die erforderliche Infrastruktur, aber gleichzeitig kurze Wege, wie einer der Autoren, Manuel Slupina, vermutet. „Einzig Potsdam konnte deutlich mehr ältere Menschen anziehen“, heißt es in der Auswertung.

Potsdam ist attraktiv für Senioren

Doch nicht nur im Vergleich mit den anderen ostdeutschen Städten zeigt sich, dass Potsdam attraktiv für Senioren ist. Auch ein Blick in die kürzlich veröffentlichte Statistik der Stadt zeigt, dass Potsdam einen deutlichen Zuwachs an Senioren verzeichnen kann. So lebten 2014 rund 4,7 Prozent mehr Über-65-Jährige in der Brandenburger Landeshauptstadt als noch 2011. Größer war der Zuwachs nur in Berlin und München mit jeweils 4,9 Prozent.

Warum Potsdam so attraktiv für Senioren ist, haben die Statistiker nicht untersucht. Doch aus Sicht von Manuel Slupina vom Berlin-Institut könnte es die Nähe zu Berlin und die attraktive Wohnlage am Wasser sein. Außerdem sei Potsdam eine sehr seniorenfreundliche Stadt, betont Brigitte Reinisch vom Seniorenbeirat. Es gebe zahlreiche Veranstaltungen für ältere Menschen wie etwa die Seniorenwoche. Und auch bei der Wohnungssuche bekämen sie „volle Unterstützung“ durch die Stadt. „Der Oberbürgermeister und die Stadtverordnetenversammlung sind sehr offen für die Belange der Senioren“, so Reinisch. „Und jedem 90-Jährigen wird von der Stadt mit einem persönlichen Besuch und einem Blumenstrauß gratuliert“, sagt Reinisch. „Das kommt sehr gut an. Und das gibt es nicht in jeder Stadt.“ Einzig die Vergünstigungen etwa bei kulturellen Einrichtungen könnten noch etwas höher sein, meint sie. „Aber 100 Prozent zufrieden ist man ja nie.“

Kinder und Enkel in der Nähe

Dass Potsdam immer attraktiver für ältere Menschen wird, merkt auch der Pflegestützpunkt der Stadt. „Viele kommen im Alter nach Potsdam, weil sie in der Nähe der Kinder und Enkel sein wollen, die in Potsdam oder Berlin leben“, sagt Beraterin Manuela Brockmeier. Es gebe auch viele Mitarbeiter, die an der Universität, der Fachhochschule oder einem der zahlreichen Institute der Stadt arbeiteten und ihre Eltern aus den alten Bundesländern „nachholten“, wenn diese älter würden.

Damit steigt auch der Bedarf an Pflegeeinrichtungen. „Jedes Jahr macht eigentlich mindestens ein neues Heim auf“, so Brockmeier. 2016 seien es sogar zwei: Die Evangelische Seniorenresidenz Luisengarten in der Alexander-Klein-Straße und das Vitanas Senioren Centrum am Volkspark in der Johannes-Lepsius-Straße.

Betreutes Wohnen ist begehrt

Andere Senioren kommen laut Brockmeier nach Potsdam, weil sie vorher auf dem Land lebten und dort die Infrastruktur fehlt. „Sie wollen selbstständig bleiben und nicht zum Einkaufen in die nächste Stadt fahren müssen.“ Deshalb gebe es im Umland teilweise viele freie Plätze in Pflegeheimen, während in Potsdam Wartelisten existierten.

Auch die Einrichtungen, die betreutes Wohnen anbieten, spürten stärkeren Zulauf. Denn ältere Menschen, die nach Potsdam zögen, hätten oft Probleme, hier eine barrierefreie Wohnung zu finden. „Manchmal gibt es zwar einen Aufzug, aber um dorthin zu kommen, müssen fünf Stufen überwunden werden“, so die Pflegeberaterin. Manchmal fehle im Flur auch der Platz für den Rollator. Viele der Älteren, die nach Potsdam kämen, entschieden sich deshalb gleich für betreutes Wohnen.

An die Kapazitätsgrenze bringt der Zuwachs die Pflegedienste, so Brockmeier. Diese litten oft unter Personalmangel – nicht zuletzt wegen des Tarifunterschieds zu Berlin. Dort bekämen Pflegekräfte rund einen Euro mehr pro Stunde. „Gerade junge Potsdamer, die hier eine Ausbildung gemacht haben, gehen dann oft zum Arbeiten nach Berlin.“

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