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  • 16.01.2016
  • von Henri Kramer

Neue Pläne für den Lustgarten: Chancen für das Mercure-Hotel schwinden

von Henri Kramer

Zukunft im Nebel: das Mercure-Hotel in Potsdams Mitte. Foto: A. Klaer

Für den Abriss des Mercure-Hotels zeichnet sich in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit ab. Die Linke und Die Andere kritisieren das Vorgehen.

Innenstadt - Eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung wird dem langfristig vorgesehenen Abriss des Mercure-Hotels vermutlich zustimmen. Nach den Fraktionen von CDU/ANW und Grünen haben am Freitag auch SPD und Bürgerbündnis/FDP ihre Bereitschaft signalisiert, für eine Neugestaltung des Lustgartens zu votieren. Damit zeichnet sich eine Mehrheit im Stadtparlament gegen die Linken und Die Andere ab, die den möglichen Abriss des Hochhauses stets kritisiert haben.

SPD-Chef Mike Schubert sagte den PNN auf Anfrage, seine Fraktion stehe grundsätzlich zur Wiedergewinnung der Mitte, dazu gehöre auch der Lustgarten. Über die Kosten für Kauf und Abriss müsse aber diskutiert werden – wie berichtet soll der kommunale Sanierungsträger dazu bis Sommer ein Konzept vorlegen. Auch Bürgerbündnis-Chef Wolfhard Kirsch bezeichnete die Pläne als Schritt in die richtige Richtung. Allerdings verwies auch er auf die noch ungeklärten Konditionen. Mit den Sanierungszielen für den Lustgarten will die Stadt verhindern, dass das Hotel-Hochhaus noch einmal saniert werden kann. Langfristig soll so dessen Wert sinken – die Stadt will das Gebäude dann möglichst günstig erwerben und abreißen lassen. An der Stelle soll eine sogenannte Wiese des Volkes entstehen.

Krämer:  „Dass da die CDU mitmacht, wundert mich schon“

Kritik kam am Freitag von Linke-Kreischef Sascha Krämer. Die Debatte schade einem privaten Unternehmen, das in Potsdam Steuern zahle. Zudem greife die Stadt in den privaten Wettbewerb der Hotels ein. „Dass da die CDU mitmacht, wundert mich schon“, so Krämer. Die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ kritisierte, die Festsetzung der Sanierungsziele berge „unkalkulierbare finanzielle Risiken“. So könne der Hoteleigentümer des Hotels von der Stadt eine Übernahme des Gebäudes laut Baugesetzbuch verlangen: Die Stadt müsse dann Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe zahlen. Zudem besitze die Stadt kaum rechtliche Möglichkeiten, um den gewünschten Abriss des Hotels gegen den Willen des Eigentümers zu erzwingen.

Das Rathaus wies die Kritik zurück. Sprecher Jan Brunzlow sagte, der Mercure-Beschluss stehe unter dem Vorbehalt des zu erarbeitenden Finanzkonzepts – für das etwa Gespräche über den Kaufpreis geführt werden müssten. Erst auf dieser Grundlage werde eine endgültige Entscheidung zum Lustgarten getroffen. Im Fall des Falles sei sich die Verwaltung sicher, mit dem Hoteleigentümer einen rechtskonformen Vertrag – etwa zur Restnutzungsdauer – schließen zu können.

Impulse für den Tourismus?

Zu Befürchtungen, unter dem Hotel-Abriss könne der Tourismus leiden, verwies Brunzlow auf das geplante neue Hotel in der Speicherstadt – dessen Bettenkapazität der des Mercure entspreche. Im Gegenteil seien durch den Abriss möglicherweise zusätzliche Impulse für den Tourismus zu erwarten – durch neue öffentlich nutzbare Flächen in der Innenstadt steige deren Erlebniswert und damit deren touristische Attraktivität. 

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