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  • 16.01.2016
  • von Steffi Pyanoe

Barbershop in Babelsberg: Piña colada auf dem Kopf

von Steffi Pyanoe

Jens Steinmeier in seinem neuen Friseursalon. Foto: Andreas Klaer

Jens Steinmeier eröffnet am Wochenende seinen Barbershop in Babelsberg. Seine Spezialität: 50er-Jahre und viel Pomade.

Potsdam - Zwei Details am Friseurstuhl, ein Modell aus den 50er-Jahren, fallen sofort auf. In die rechte Armlehne ist ein Aschenbecher eingearbeitet und links ist ein kleines Loch. „Da wurde früher ein Schüsselchen eingehängt, für die Maniküre“, sagt Jens Steinmeier. Und macht die entsprechende Handbewegung, ganz wie „Tante Tilly“ aus der Palmolivwerbung. Steinmeier, Friseur, Stylist und Teilzeit-Dragqueen-Artist, steht in seinem neuen Salon in Babelsberg und freut sich. „Ist alles fertig. Ich habe gut geplant.“ Am heutigen Samstag ist Eröffnung von „A Sense of Decadence“.

Frisueren der 20er- bis 50er-Jahre

Immer wieder schauen Passanten ins Schaufenster, in dem eine Modepuppe in Pelz und Perlen posiert. Was wird das, ein Klamottenladen? Ein Museum? Eine Burlesquebar? Jens Steinmeier findet es gut, wenn die Leute neugierig werden. „Der erste Eindruck ist wichtig, anschließend kann ich mit meiner Leistung überzeugen“, sagt der Friseur. Er ist spezialisiert auf Frisuren der 20er- bis 50er- Jahre. Auf die sogenannten Pincurls und bombastischen Hochsteckfrisuren der Rock’n’Roll-Zeit, auf Elvistollen und all das, was heute wieder angesagt ist. Aber auch einfach Waschen und Föhnen für die Damen aus der Nachbarschaft macht er gern. „Das ist die Butter aufs Brot.“

Steinmeier stammt aus Baden-Württemberg. Gern wäre er Kostümbildner geworden, aber er bekam keine Lehrstelle. Wenn schneidern nicht geht, schneide ich eben Haare, sagte er sich. Er machte eine Friseurausbildung, setzte den Meister drauf, betrieb bald einen eigenen Salon. Zuletzt arbeitete er drei Jahre in einem Salon auf der Reeperbahn. Daher stamme auch seine direkte und offene Art im Umgang mit den Leuten, sagt er. Als jetzt sein Mann nach Berlin versetzt wurde, entschieden sich beide für die Nachbarstadt als Wohnort. „Wir stehen auf Potsdam“, sagt Steinmeier.

Über 100-jähriger Friseurstuhl aus Miami

In den Salon hat er viel investiert. Es ist ein Schmuckstück geworden, mit barocken Spiegeln und Wandlampen, die um 1920 ein Berliner Kino beleuchteten, andere stammen aus einem Kino in Frankreich. Highlights sind die Friseurstühle in Rot und Schwarz, Leder mit chromblitzenden oder weiß lackierten Gestellen. Der älteste ist ein original „Kochs Barber Chair“ von 1910 aus Miami in den Vereinigten Staaten. Ein irrer Aufwand sei es gewesen, diesen Stuhl nach Deutschland zu schicken. Aber er wollte ihn unbedingt. Steinmeier hat den mehr als 100 Jahre alten Stuhl restauriert, jetzt wird er wieder benutzt.

Daneben stehen jüngere Stühle aus den 1950ern. Dunkelrote Samtvorhänge zwischen den Spiegeln rahmen alles ein – eine plüschige Komposition zwischen Barock und Art déco. Und auch wenn alles ein wenig nach Show und Inszenierung aussieht – hier wird vor allem ganz bodenständig frisiert und rasiert, wie früher im Barbershop. 45 Minuten dauert die Komplettbehandlung für den Gentleman, klassische Nassrasur, „natürlich mit dem Messer“, mit Einweichen und Nachbehandlung, Gesichts- und Nackenmassage. Ob glatt, Moustache oder Goatee, das Ziegenbärtchen, alles kein Problem.

Achtung: Pomade macht süchtig

Und dann zeigt Steinmeier das Allerheiligste. Das, was letztlich alles zusammenhält: die Pomade. Das Stylingprodukt aus Wachsen und Fetten erlebe gerade ein richtiges Comeback. Damit bekomme jede noch so ausladende Frisur Halt, und zwar nicht nur für einen Tag. Knapp 20 Sorten, mit Namen wie „Iron Society“ und „Bone Crusher“, hat er im Laden vorrätig, kleine Metalldosen, deren Inhalte nach Zimt, Zitrone oder Kokos duften. Alle Sorten sind miteinander kombinierbar. „Dann hat man eine Piña colada auf dem Kopf.“

Gerne erklärt er die Handhabung. „Man fängt klein an, mit einer schwächeren Sorte, dann steigert man sich. Aber Achtung: Pomade macht süchtig.“

Rudolf-Breitscheid-Straße 81. Geöffnet Dienstag bis Donnerstag von 14 bis 21 Uhr, Freitag bis 22 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr.

 

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