25.05.2016, 21°C
Themenschwerpunkt:

Verkehr

  • 11.01.2016
  • von Marco Zschieck

Radverkehr in Potsdam: Pappelallee bleibt gefährlich

von Marco Zschieck

Zweirichtungsradwege werden von Rad- und Autofahrern häufig als unübersichtlich und gefährlich eingeschätzt. Foto: Andreas Klaer

Trotz eines tödlichen Unfalls und Sicherheitsdefiziten soll der Zweirichtungsradweg auf der Pappelallee bleiben. Denn offenbar fehlt das Geld für sichere Radwege. Anwohner fürchten neue Probleme.

Potsdam - Radfahrer müssen auf dem Radweg entlang der Pappelallee auch künftig besonders vorsichtig sein: Entgegen früherer Absichten will die Stadt den als gefährlich eingeschätzten Zweirichtungsradweg im Bornstedter Feld nun doch nicht umbauen. Auf eine PNN-Anfrage, ob und wann es geplant sei, Radwege auf beiden Seiten einzurichten, kam von der Stadtverwaltung eine Absage: „Es ist vorgesehen, den Zweirichtungsradweg in der Pappelallee beizubehalten.“ Für sichere Radwege fehlt offenbar das Geld: „Der komplette Umbau der Pappelallee für die Herstellung von Radverkehrsanlagen auf beiden Fahrbahnseiten der Pappelallee wurde aufgrund der hohen Baukosten bisher nicht weiter verfolgt“, so die Stadtverwaltung. Frühere Schätzungen gingen von einem einstelligen Millionenbetrag aus.

Unfall 2013: 23-jährige Radfahrerin vom LKW überfahren

Auslöser der Diskussion um die Sicherheit auf der stark frequentierten Radfahrstrecke war ein tödlicher Unfall im April 2013: Eine 23-jährige Radfahrerin war von einem Lastwagen übersehen und überfahren worden, der nach links in die August-Bonnes-Straße einbiegen wollte. Der Tod der jungen Frau – eine Rathausmitarbeiterin – hatte große Betroffenheit ausgelöst. Der Fahrer wurde ein Jahr später vom Potsdamer Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Haft verurteilt, die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt.

Nach dem Unfall hatte die Stadt als Sofortmaßnahme die rote Markierung für Radwege an der Pappelallee sowie Fahrradpiktogramme mit gegenläufigen Pfeilen und Richtungstrennungslinien für die Radfahrer auf dem Radweg in den Kreuzungsbereichen erneuert. Außerdem wurde ein spezialisiertes Ingenieurbüro damit beauftragt, die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer sowie den Autoverkehr zu untersuchen. Fast ein Jahr später lag das Ergebnis vor: Die Untersuchung schlug die Auflösung des bestehenden Zweirichtungsradwegs und eine komplette Umgestaltung der Straße vor. Geschehe dies nicht, sei wegen der weiteren Bebauung des Umfelds der Pappelallee zu auch eine steigende Zahl von Unfällen zu erwarten, warnten die Gutachter.

Stadt Potsdam setzt nun auf "kleinteilige Maßnahmen"

Ganz geheuer waren die Zweirichtungsradwege der Stadtverwaltung wohl auch schon vor dem Gutachten nicht. So hatte der damalige Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) seinerzeit angekündigt, dass keine neuen Zweirichtungsradwege angelegt und alle bestehenden überprüft würden. Doch nun will die Stadt an der Pappelallee lieber „kleinteilige Maßnahmen“ umsetzen. Bisher wurde zum Beispiel an der Einmündung der Erich-Mendelsohn-Allee eine Mittelinsel eingebaut, in diesem Jahr solle die bisher unklare Radverkehrsführung an der Einmündung Pappelallee zur Potsdamer Straße verbessert werden. Außerdem wurden Sichtbeziehungen verbessert. Das heißt, es wurden Bäume und Sträucher beschnitten.

Den Unfallort beurteilen Anwohner trotzdem auch heute noch als gefährlich. Zwar ist es verboten, aus Richtung Bornstedt nach links in die August-Bonnes- Straße einzubiegen, allerdings werde das regelmäßig ignoriert, sagte ein Anwohner den PNN. Er fordert, dass die Stadt die Kreuzung sicherer macht. Doch die Stadt sieht sich machtlos: „Den zum großen Teil sicher auch bewussten Verstößen gegen das Abbiegeverbot kann nur mit Kontrollen durch die Polizei begegnet werden, jedoch nicht mit weiteren Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen“, so die Stadtverwaltung. Die zuständige Polizeiinspektion sei informiert.

Tempo 30 für die Pappelallee?

Problematisch ist die Kreuzung nicht nur für Radfahrer: Auf der nördlichen Straßenseite befinden sich die Grundschule im Bornstedter Feld und eine Kita. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Einmündung der Ruinenbergstraße hat die Stadt für 23 000 Euro einen öffentlichen Spielplatz gebaut. Dazu hatte sich die Stadt entschieden, nachdem ein privater Investor einen bestehenden Spielplatz innerhalb der Ruinenbergkaserne eingezäunt hatte – er bleibt seitdem ausschließlich den Mietern vorbehalten (PNN berichteten). Vier neue Spielgeräte, frischer Sand und eine Tischtennisplatte locken nun Kinder südlich der Pappelallee an. Ein Anwohner hatte sich deshalb bei der Stadtverwaltung nach Tempo 30 auf der Pappelallee erkundigt – und ist abgeblitzt. Auf Nachfrage erklärt die Verwaltung nun, dass auf der Pappelallee als Hauptverkehrsstraße innerorts Tempo 50 gelte. „Derzeitig ist keine Ermächtigungsgrundlage existent, welche eine Herabsetzung dieser Geschwindigkeit notwendig macht“, so die Stadtverwaltung. Eine solche Grundlage könnte beispielsweise eine Unfallhäufung oder der Schutz von Kindern vor Schulen und Kindergärten sein. Doch der Schuleingang befindet sich in der parallelen Jakob-von-Gundling-Straße und eine Unfallhäufung gibt es nicht – bisher.

 

Lesen Sie weiter:

Bei der Förderung des Radverkehrs in der wachsenden Stadt sollte es nicht nur darum gehen, neue Uferwege einzuweihen, sondern das bestehende Netz so zu gestalten, dass es auch sicher benutzt werden kann. Ein Kommentar >>

Social Media

Umfrage

Soll das Rechenzentrum auch nach 2018 als Künstlerzentrum erhalten bleiben? Stimmen Sie ab!