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  • 09.11.2015
  • von Jana Haase

Hilfe für Flüchtlinge in Potsdam: Tafel eröffnet Kontingent für Flüchtlinge

von Jana Haase

Steigender Bedarf. Die Tafel hat in Potsdam zwei Ausgabestellen und mittlerweile vier Ausgabetage. Foto: A. Klaer

Wegen der wachsenden Nachfrage gibt die Potsdamer Tafel 200 Bedarfskarten an Flüchtlingsheime aus. Dennoch soll kein Bedürftiger abgewiesen werden.

Der Verein Potsdamer Tafel reagiert auf die zunehmende Nachfrage von Flüchtlingen: Vor zwei Wochen wurde ein spezielles Kontingent von 150 Bedarfskarten für Flüchtlinge eröffnet, das über die Träger der Flüchtlingseinrichtungen verteilt wurde, sagte Imke Eisenblätter, Büroleiterin der Potsdamer Tafel, den PNN auf Anfrage. Geplant sei, in dieser Woche weitere 50 Bedarfskarten für Flüchtlinge auszugeben. Gegen Vorlage der Karten erhalten Bedürftige an einer der beiden Tafel-Ausgabestellen in Potsdam gegen einen Unkostenbeitrag von einem Euro Lebensmittel. Die Lebensmittel werden von Handelsketten, Einzelhändlern oder Privatpersonen gespendet.

Die zunehmende Nachfrage von Flüchtlingen habe das ehrenamtliche Tafel-Personal in der Vergangenheit teilweise überfordert, sagte Imke Eisenblätter. Für Stress habe vor allem die Sprachbarriere gesorgt: Denn den Neuankömmlingen müsse das Tafel-System zuerst erklärt werden. Vielen sei nicht klar, dass es sich nicht um eine staatliche Stelle mit einem Anspruch auf Lebensmittel handele. „Wir können das nicht einmal selbst auf Englisch erklären, haben es aber teilweise mit Menschen zu tun, die gar kein Englisch sprechen“, berichtet Eisenblätter. Darum habe man sich auf das Kontingent-System, das sich bereits bei der Ausgabestelle der Tafel in Teltow bewährt habe, verständigt. So könnten die Sozialarbeiter in den Unterkünften die notwendige Erklärung übernehmen.

Flüchtlingskarten sind nicht personalisiert

Die Bedarfskarten für Flüchtlinge sollen in Absprache mit den Trägern der Unterkünfte an die Menschen gehen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen – die monatliche Summe liegt unter der, die ein Hartz-IV-Empfänger erhält. Im Unterschied zu den Bedarfskarten für die anderen Tafel-Kunden sind die Flüchtlingskarten nicht personalisiert, erklärt Eisenblätter. So könne an jedem Ausgabetag vor Ort im Heim entschieden werden, wer die Lebensmittel abholt.

Sobald Flüchtlinge nicht mehr unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen und beispielsweise in einer eigenen Wohnung leben, müssten sie wie andere Tafel-Kunden auch ihre Bedürftigkeit nachweisen, um eine Berechtigungskarte zu erhalten. Es werde kein Bedürftiger abgewiesen, sagt Eisenblätter.

Konflikte zwischen den Flüchtlingen und anderen Tafelkunden gebe es in Potsdam bislang nicht, sagte sie. Das ist nicht selbstverständlich: So sei es bundesweit, aber auch im Land Brandenburg bereits zu Streitfällen gekommen, sagte Eisenblätter, die auch im Bundesverband Deutsche Tafel e.V. im Vorstand arbeitet. Zwar gebe es in Potsdam ab und an „Sprüche“ von anderen Kunden gegen die Neuankömmlinge – dem würden die ehrenamtlichen Helfer aber selbstbewusst entgegentreten. „Wir versuchen zu vermitteln, dass alle willkommen sind – wir machen keinen Unterschied, wo jemand herkommt oder welcher Religion er angehört“, betont Eisenblätter. Die Ehrenamtlichen in Potsdam seien auch angehalten, eventuelle Streits oder gar Handgreiflichkeiten sofort zu melden. Im Ernstfall werde dann ein Hausverbot verhängt.

Bis zu 20 Prozent mehr bedürftige Menschen

Insgesamt steigen die Kundenzahlen bei der Tafel stetig, sagte Eisenblätter. Derzeit nutzten pro Woche mehr als 1000 Bedürftige, davon etwa ein Drittel Kinder, das Angebot. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der Kunden um zehn Prozent gestiegen, für dieses Jahr rechnet Eisenblätter sogar mit bis zu 20 Prozent mehr Kunden. Es gebe aber auch viel ehrenamtliche Hilfe: Rund 100 Ehrenamtler halten den Transport der Lebensmittel und die mittlerweile vier Ausgabetage in Potsdam aufrecht.

Auch bei der Suppenküche der Volkssolidarität ist man auf eine Nachfrage von Flüchtlingen vorbereitet: „Von der Menge her sind wir jederzeit bereit, Flüchtlinge zu verpflegen“, sagte Suppenküchen-Chef Detlef Haupt den PNN auf Anfrage. Spezielle Gerichte nach islamischen Speisevorschriften könne man aber nicht anbieten – das sei allein schon eine Kostenfrage. Denn auch die Suppenküche trägt sich hauptsächlich über Lebensmittelspenden. Fleisch müsse dabei teuer zugekauft werden. Bislang seien noch keine Flüchtlinge unter den Suppenküchen-Mittagsgästen, aber in der angeschlossenen Kleiderkammer habe bereits der ein oder andere Flüchtling Kleidung gefragt.

Seit dem Umzug in das neue Domizil auf dem Gelände der Stadtverwaltung Anfang Oktober steige die Zahl der Mittagsgäste bei der Suppenküche. Momentan nutzten etwa 20 Gäste pro Tag – hauptsächlich Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger, aber auch einige Rentner – das Angebot eines warmen Gerichts für zwei Euro. In der Suppenküche, die täglich von 9 bis 14 Uhr geöffnet hat, helfen derzeit vier über das Arbeitsamt geförderte Kräfte und sechs Ehrenamtler.

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