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Verkehr

  • 27.10.2015
  • von Marco Zschieck

Verzögerter Ausbau des Bahnhofs Griebnitzsee: Enttäuschte Pendler

von Marco Zschieck

Damit auch die aus Berlin kommenden Regionalzüge im Bahnhof Griebnitzsee halten könnten, wäre ein dritter Bahnsteig nötig. Foto: A. Klaer

Die Nachricht, dass die Erweiterung des Bahnhofs Griebnitzsee erneut verschoben wird, sorgt für Frust bei den Pendlern zwischen Potsdam und Berlin. Vor allem die Studenten hatten auf bessere Takte gehofft.

Potsdam - Enttäuschung und Fatalismus: Die erneute Verschiebung des seit Jahren erwarteten Ausbaus des Bahnhofs Griebnitzsee (PNN berichteten) sorgt in Potsdam für Unmut, Betroffene und die Stadtverwaltung sind überrascht. Der zusätzliche Bahnsteig soll nicht, wie zuletzt von der Bahn angegeben, 2016, sondern erst 2017 gebaut werden. Das bedeutet, dass weiterhin keine aus Berlin kommenden Regionalzüge im Bahnhof Griebnitzsee halten werden. Derzeit halten die Züge der Regionalbahnlinien 21 und 22 in den Hauptverkehrszeiten nur in Richtung Berlin am Bahnhof Griebnitzsee. In der Gegenrichtung fehlt der Bahnsteig.

Die Verzögerung war nur deshalb bekannt geworden, weil sie von der Landesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Steeven Bretz erwähnt wurde. Die Bahn hatte sie nicht von sich aus kommuniziert. Auf Nachfrage hieß es nun bei dem Unternehmen, dass derzeit die Ausschreibung für das Bauvorhaben vorbereitet werde. Die bisher geplante Realisierung für 2016 erscheine derzeit wegen bahn- und baubetrieblicher Abhängigkeiten schwierig. „Aus diesem Grund werden aktuell weitere Umsetzungsvarianten erarbeitet und bewertet“, so ein Bahnsprecher. Es gibt also nicht mal einen Termin, wann es 2017 losgehen soll.

Bessere Verbindung zwischen den bestehenden Wissenschaftsstandorten in Potsdam

Im Potsdamer Rathaus sorgt die erneute Verschiebung für Kopfschütteln. „Haben wir dieses Gespräch nicht schon mal geführt?“, so Sprecher Jan Brunzlow in Anspielung auf die vorangegangenen Verschiebungen. Angesichts der Potsdamer Verkehrsprobleme sei eine attraktive Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln wichtig. Der Ausbau des Bahnhofs Griebnitzsee habe wegen der Anbindung an Berlin eine hohe Bedeutung für Pendler. Außerdem würde er bei der Verbindung zwischen den bestehenden Wissenschaftsstandorten in der Stadt helfen. Schließlich liegen im Einzugsbereich nicht nur die Universität, sondern auch weitere Einrichtungen wie das Hasso-Plattner-Institut, die Filmuniversität, die Medienstadt Babelsberg und Landesbehörden in der Steinstraße.

Viele dieser potenziellen Nutzer wurden nun ein weiteres Mal enttäuscht. „Der AStA der Uni Potsdam findet es sehr schade, dass hier die Bedürfnisse der Studierenden weiter auf die lange Bank geschoben werden“, so die Referentin Sonja Bauer. Von den 6000 Studierenden in Griebnitzsee wohne etwa die Hälfte in Berlin. Für sie wäre der neue Bahnsteig eine erhebliche Erleichterung gewesen, weil sich die tägliche Fahrzeit verkürzen würde.

Ein Dauerärgernis für Potsdam

Die Universität Potsdam spricht von einem Dauerärgernis. „Selbstverständlich sind insbesondere die Kolleginnen und Kollegen am Standort Griebnitzsee alles andere als begeistert“, so Sprecherin Silke Engel. Mit der aktuellen Anbindung sei man nicht zufrieden. Der Takt der Züge, die in Griebnitzsee halten, sei unverständlich und für die Nutzer schwer zu merken. Das erschwere das Pendeln zwischen den Uni-Standorten in Golm, am Neuen Palais und am Bahnhof Griebnitzsee.

Auch beim Hasso-Plattner-Institut ist man alles andere als begeistert. Eine gute Verkehrsanbindung sei für Studenten, Mitarbeiter und Besucher wichtig, so Sprecher Hans-Joachim Allgaier. Eine regelmäßige, umsteigefreie Regionalzuganbindung zum Berliner Hauptbahnhof sei auch für anreisende Wissenschaftler eine Erleichterung.

Bund soll die Kosten für drittes Gleis tragen

Hinter der erneuten Verschiebung stecken Abstimmungsprobleme mit der bis Juni 2016 vorgesehenen Gleissanierung der S-Bahn zwischen Griebnitzsee und dem Potsdamer Hauptbahnhof. Der Bahnsteigneubau könne „wegen bahnbetrieblicher Abhängigkeiten baubetrieblich nicht vor der baubedingten Unterbrechung des S-Bahn-Verkehrs eingeordnet werden“, hatte die Landesregierung die Anfrage von Bretz beantwortet. Im Klartext heißt das, die Bahn kann nicht an S-Bahn- und Regionalbahn-Gleisen gleichzeitig bauen, weil sonst gar keine Züge mehr von und nach Potsdam fahren können.

Der künftige Bahnsteig 3 soll zwischen dem S-Bahnsteig und dem bestehenden Regionalbahnsteig errichtet werden. Er soll 140 Meter lang, überdacht und auch per Aufzug erreichbar sein. Die Kosten für den Umbau von etwa 500 000 Euro sollen komplett vom Bund übernommen werden.

Probleme macht auch die Bus-Verbindung

Doch die erneute Verschiebung des Bahnsteigbaus ist nicht das einzige Problem: Auch die Busanbindung wird kritisiert. Der 20-Minuten-Takt der Linie 696 ist für viele Pendler ein Problem. Die Buslinie verbindet über die August-Bebel-Straße den Bahnhof Griebnitzsee mit dem Bahnhof Medienstadt und erschließt dabei auch die Filmuniversität und das Gelände von Studio Babelsberg. Ohne einen besseren Takt bringe auch ein Regionalzughalt in Griebnitzsee nicht viel, so Martina Liebnitz, Alumni-Beauftragte der Filmuniversität. Sie würde dem Regionalbahnhof auch eine bessere, zweigleisige S-Bahn-Strecke mit weniger Störungen vorziehen. Doch vorerst heißt es weiterhin: warten.

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