14.12.2017, 4°C
  • 31.07.2015
  • von Peter Buske

Orgelsommer-Konzert mit Robert Smith: Mäandernder, kleinteiliger Klangstrom

von Peter Buske

Auf den ersten Blick lässt es an ein Sammelsurium aus kurzen Choralvorspielen und kleinen Orgelpiecen denken. Aber eines, das sich alsbald als ein thematisch durchdachtes und abwechslungsreich zusammengestelltes Programm erweist, mit der Robert Smith am vergangenen Mittwoch beim Orgelsommer in der Friedenskirche aufgetreten ist. Ob er bei seiner Auswahl an Paul Heyses poetisches Dichterwort „Auch kleine Dinge können uns entzücken“ gedacht haben mag, das Hugo Wolf für sein „Italienisches Liederbuch“ filigran vertont hat? Fast möchte man es glauben, denn aus solchen Kleinigkeiten, genauer: kleinteiligen Klangpreziosen weitgehend unbekannter Komponisten hat der Brite Robert Smith eine reizvolle Reiseroute entlang eines britisch geprägten Klangstroms entworfen.

Der speist sich, länderübergreifend, aus der legendären Bach-Quelle und schwillt zum apart mäandernden Klangstrom an, dem zwei französische „Rinnsale“ zu einer gewissen Andersfarbigkeit verhelfen. Ganz unterschiedliche Orgeltraditionen gibt es also auf dieser über einstündigen Tour zu entdecken.

Zu Beginn erklingt mit Bachs „Pièce d'orgue“ BWV 572 eine virtuos-konzertante, spieluhrverspielte Fantasie, die alsbald zu klarer kontrapunktischer Kontur findet, im einheitlichen Metrum dahinfließt und durch pulsierende, arpeggiohafte Figurationen zu pathetischer Größe sich steigert. Gleich einem Stein, den man ins Wasser wirft und der konzentrische Kreise aussendet, erreichen die Bach-Impulse die nachfolgenden Generationen.

Wie jenen Johannes Brahms, der mit seinem Choralvorspiel über „Herzlich tut mich verlangen“ ganz zur balsamischen, dunkel getönten Stimmungsfarbe neigt. Robert Smith weiß dabei die diesbezüglichen Möglichkeiten der Woehl-Orgel geschickt einzusetzen. Würden sich die nachfolgenden Variationen britischer Choralvorspiele von denen ihrer kontinentalen Komponistenkollegen wesentlich unterscheiden? Im Falle des 21-jährigen Richard Gowers mit seiner Deutung von „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“ schon. Über melodiös-mahnendem Pedal sorgt eine unentwegt kreiselnde Diskantstimme für eine gewisse Distanz zum Choraltext. Was allerdings Hubert Parry über „Christe, redemptor omnium“ und Healey Willan über „Gelobt sei Gott“ eingefallen ist, erweist sich entweder als romantisch-gefühlvolle oder voluminöse Deutung, wobei für letztere der Organist das „Vox humana“-Register, das heißt: der menschlichen Stimme Gehör verschafft. Umspielt wird das Ganze von kleinteiligen Phrasen.

Nun sind die französischen Zuflüsse erreicht. Mit geballter orchestraler Wucht lässt Robert Smith das düstere und kompakte Adagio aus der 3. Orgelsymphonie von Louis Vierne aufbranden, während er „Sortie“ – zu deutsch: Ausgang – aus „L'Organiste II“ von César Franck in einen hell strahlenden, festlichen Glanz hüllt. Anschließend geht es zum nächsten Aussichtspunkt, von dem aus man erkennen kann, wie die französische Orgelmusik die englische beeinflusst hat. Sir Edward Elgar ist mit seinen meditierenden „Sospiri“ – den Seufzern – dabei genauso präsent wie Percy Whitlock mit seiner trompetenstimmengewürzten „Fanfare“ und Frank Bridge mit einem heiter-verspielten Allegretto.

Am Ziel der Klangreise erwartet die Hörer eine Begegnung mit Werken zeitgenössischer Komponisten, die sich mit der barocken Tradition auseinandersetzen. Zerklüftet, dissonanzenreich und floskelhaft hört sich die „Toccata“ von Alastair Putt an. Ein pointiert und klangbrillant gespieltes, toccatenmotorisch aufgedrehtes „Préludes Hambourgeois“ von Guy Bovet erweist sich als perfekter Rausschmeißer. Viel Beifall. Peter Buske

 

 

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