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  • 18.07.2015
  • von Klaus Büstrin

Im Irrgarten der Gefühle

von Klaus Büstrin

Wer mit wem? Egal. Foto: Constanze Henning

Komödie um Sommer und Sex im Q-Hof

Drei Paare. Das sind sechs Menschen – und macht zusammen rund ein Dutzend unterschiedlicher Auffassungen. Vom Sex sowieso, aber nicht nur. Doch eins nach dem anderen. Am Wochenende will man wohlig ausspannen. Und ausspannen tun sie gründlich, die drei Partner-Paare. Vor allem spannen sie einander gegenseitig aus, was reihum für spannende Begegnungen der horizontalen Art sorgt.

Woody Allen hat dazu 1981 den Film „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ gedreht, natürlich nach eigener Idee und seinem Szenarium. Später entstand daraus das gleichnamige Theaterstück. Die Geschichte enthält eine wundersame Flut von Bezügen zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und zu Ingmar Bergmanns „Das Lächeln einer Sommernacht“. Der ausgesprochen theatralische Stoff ist voll von geistreichen Dialogen, die sich für die Bühne eigentlich fast besser eignen als für den Film. Am Donnerstag brachte das Potsdamer Theater Poetenpack den Liebesrausch und das Verwirrspiel, die Amouren und munteren Partnertauschübungen in die wohlig-ländliche Atmosphäre des Q-Hofs am Park Sanssouci. Die Mittsommernacht ist zwar längst vorbei, aber der Abend war mit so viel sommerlichem Zauber bedacht, wie man ihn in diesem Jahr nur selten erlebte.

Poetenpack-Chef Andreas Hueck manövriert in seiner Regie die sechs Darsteller souverän durch den Irrgarten der aufkeimenden und absterbenden Gefühle. Kein plattes oder geschmackloses Theater wird gezeigt, alles hat einen feinen Rhythmus aus spaßigen Details, die nicht ins Klamottige ausarten, und einer melancholischen Heiterkeit. Besonders schön gelang die Szene im Wald mit seinen Irrungen und Wirrungen. Bühnenbildnerin Janet Kirsten hat diesen dichten Sehnsuchts-Wald gemalt. Davor lässt sie durch große vergoldete Bilderrahmen die Zuschauer am chaotischen Liebesleben der Protagonisten teilnehmen. In der Mitte steht ein wankender Tisch, Symbol für die Ehe zwischen dem Börsenmakler Andrew (Jörg Vogel) sowie Adrian (Gislén Engelmann – die auf wackligen Füßen steht.

Das Paar hat Freunde zu sich aufs Land eingeladen, um die Mittsommernacht zu feiern, darunter Maxwell (Reiner Gabriel), ein Frauenschwarm und Sex-Protz. Leopold, der Professor (Willi Händler), ist dagegen ein Geistes-Protz. Hausherr Andrew kann mit rein gar nichts protzen, weil er stets damit beschäftigt ist, über die eigenen Beine, Wünsche und Worte zu stolpern.

Andrew und Adrian haben Probleme im Bett, die sexbejahende junge Krankenschwester Dulcy (Barbara Fressner) will und kann immer und Ariel (Nadine Rosemann) glaubt, ihr Glück nun in der Ehe mit dem wesentlich älteren Leopold zu finden. Am Höhe- wie Siedepunkt der Gefühle schießen sich alle Männer auf eine einzige Frau ein – die ebenso schöne wie gefährliche Ariel. Alle Paar-Beziehungen kommen auf den Prüfstand und die erotische Anziehung des Unbekannten verstärkt sich. Richtig angeheizt wird das Verwirrspiel der Gefühle von einem Faun, der aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ entsprungen zu sein scheint. Mit seinen vielfältigen Instrumenten gebärdet er sich als Regisseur des Spiels. Arne Assmann beherrscht das Saxophon, die Flöte oder das Akkordeon und seine Singstimme prächtig und kann köstlich mit den Augen rollen. Er bekommt allerdings auch richtig zu tun, um die Paar-Beziehungen durcheinanderzuwirbeln.

In dem Stück heißt es irgendwann: „Das Traurigste sind die verpassten Gelegenheiten.“ Das könnte auch an alle diejenigen gerichtet sein, die sich Woody Allens „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ in der Aufführung des Poetenpacks entgehen lassen wollen. Bis zum 1. August kann man noch zum unschuldig-lustvollen Voyeur im Q-Hof werden. Klaus Büstrin

Weitere Vorstellungen am heutigen Samstag sowie am 23., 25. und 30. Juli sowie am 1. August, 20 Uhr, im Q-Hof, Lennéstraße 37. Tickets unter Tel.: (0331) 979 1291

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