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Musikfestspiele 2015

  • 27.06.2015
  • von Klaus Büstrin

„Bastien und Bastienne“ in der Hofgärtnerei: Treibmittel für süßes Soufflé

von Klaus Büstrin

Singen im Grün. Marie-Sophie Pollak als Bastienne. Foto: Michael Lüder

Der Theaterkarren ist wieder unterwegs. Im vergangenen Jahr kam er während der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci erstmals in Fahrt. Dieser Tage machte er mit seiner kleinen transportablen Bühne Station in der Hofgärtnerei im Neuen Garten. Am heutigen Samstag und morgen kommt er noch im Landschaftsgarten der Villa Jacobs zum Stehen. Danach wird der Theaterkarren wieder eine Spielzeitpause einlegen. Leider für ein Jahr. 2016 soll es aber wieder Bewegung geben. Hatten die Wandertheater in früheren Jahrhunderten nicht immer den besten künstlerischen Ruf, so bieten sie heute Basis für ein gutes und unterhaltendes Theater. Jedenfalls bei den Musikfestspielen.

Ausgewählt haben die Theatermacher ein kurzes Singspiel, auch „Operetta“ genannt: „Bastien und Bastienne“ von Wolfgang Amadeus Mozart von 1768. Uraufgeführt wurde es im privaten Kreis in Wien. Man könnte annehmen, wenn die Musik nicht vom damals zwölfjährigen Junior-Komponisten „Wolferl“ geschrieben worden wäre, hätte man das Libretto der Herren Weiskern und Schachtner sicherlich längst in der Rumpelkammer entsorgt. So aber bleibt die „Operetta“ mit seinen jugendfrischen Köstlichkeiten eine Kostbarkeit, ein Gesellenstück des werdenden Meisters. Um daraus freilich einen gültigen Theaterabend zu machen, sollte man das Spiel als Treibmittel für ein süßes Soufflé begreifen.

In der Musikfestspiel-Aufführung hat Regisseur Christoph von Bernuth ein Rezept gefunden, das die Anekdote um die zankenden Liebenden Bastien und Bastienne sowie dem lebenserfahrenen „Zauberer“ Colas trefflich erzählt. Dies geschieht auf einfache Weise: Man nimmt die Geschichte so wie sie ist. Äußerlich wird sie nicht aufgepeppt und verfranzt sich nicht in heillosen Schnörkeleien.

Auch psychologisierende Besserwisserei fällt bei Christoph von Bernuth flach. Die sich wechselnden Gefühle der beiden Liebenden – mal zickig und bockig, mal sehnsuchtsvoll und liebevoll - werden ohne Wenn und Aber mit Natürlichkeit erzählt und dem Wissenden Colas macht es Freude, die jungen Leute durch das Wundermittel Eifersucht wieder zusammenzuführen. Ohne Frage, die erzählende Vorgabe ist etwas bieder, doch der Spaß den die drei Darsteller Gerald Beatty (Bastien), Marie-Sophie Pollak, (Bastienne), und Thilo Dahlmann als Colas augenscheinlich an der unverkrampften, überzeugenden Inszenierung haben, teilt sich dem Publikum mit.

Die Wiese der Hofgärtnerei im Neuen Garten, auf dem der Theaterkarren geschoben wurde, gibt einen weiten Blick zu den angrenzenden historischen Gewächshäusern und dem frühklassizistischen Hofgärtnerhaus frei. Die in verschiedenen Tierformen geschnittenen Taxusbäume bieten zusätzlich noch eine Augenweide.

Doch akustisch ist der Ort mit einigen Tücken versehen. Die weite Wiesenfläche gibt leider keine Möglichkeit, dass der Klang eine räumliche Konzentration erfährt. Dirigent Frank Markowitsch bemüht sich trotz des wenig lustvollen Spielens der Kammerakademie Potsdam um ein galantes und gelöstes Musizieren, doch der unzureichenden Wiesen-Akustik kann auch er nicht die Stirn bieten. Die drei Solisten geben sich alle Mühe, um tonlichen Wohlklang zu erzeugen, doch womöglich aus Angst, die Zuschauer akustisch nicht zu erreichen, drücken Marie-Sophie Pollak und Gerald Beatty hin und wieder auf ihre schönen und empfindsamen Stimmen. Thilo Dahlmann mit seinem kernigen Bass hat es da leichter, sich durchzusetzen. Fröhlich sangen dazu die konkurrenzlosen Vögel im Neuen Garten. Durchsetzungsfähig waren sie allemal.


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