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  • 05.03.2015
  • von Oliver Dietrich

Der Blues ist Geschichte

von Oliver Dietrich

Bloß keinen Blues im Namen: The Grand Journey. Foto: promo

The Grand Journey spielen am Freitag im Spartacus

Als die Band Blues Baby Blues Anfang des vergangenen Jahres so richtig durchstartete, wussten alle: Hier kommt etwas Großes. Die Potsdamer Band, die größtenteils aus Exilanten des „Muckerstädtchens“ Luckenwalde besteht, war auf einmal in aller Munde und Ohren: ein gefeiertes Debütalbum, ein Special bei Radioeins, Konzerte, unter anderem auf dem Stadtwerke-Festival im Lustgarten – und auf dem Gipfel des Erfolges dann das Ende. Blues Baby Blues ist Geschichte, hieß es von der Band Ende letzten Jahres. Ein Ende, dem eine kurze Schockstarre folgte.

Irgendwo draußen im Niemandsland, in Rehbrücke, sitzen fünf Jungs in einer Küche, Probenpause bei Kippe und Bier, der Proberaum ist gleich nebenan. Es sind eigentlich noch dieselben Musiker wie Blues Baby Blues, nur Marco Mehlis ist neu an Bord, er ersetzt Nico Streese, der in dem zu Grabe getragenen Projekt Gitarre spielte. Blues Baby Blues sind tot, lang lebe – The Grand Journey! Mit neuem Namen und neuem Konzept geht es ein zweites Mal an den Start: Am Freitag spielen The Grand Journey ihr erstes Potsdam-Konzert, ein Heimspiel im Spartacus.

„Das Problem war diese Blues-Assoziation im Namen“, sagt Bassist Michael Schallert. Immer wurden falsche Erwartungen geweckt: Ihr spielt ja gar keinen Blues, hieß es, oder der Veranstalter lehnte die Band gleich vorher ab, weil eine Bluesband nicht zum Konzept passen würde. Dabei spielt die Band ehrlichen Rock, mit Anklängen von Southern Rock und Country, Blues ist natürlich auch dabei, dominiert den Stil aber gar nicht. Als Nico Streese dann verkündete, dass er des Studiums wegen nach Eberswalde ziehe und mit Marco Mehlis gleich einen Wunschnachfolger präsentierte, wurde kurzer Prozess gemacht: Ein neuer Name musste her, ach was: gleich eine neue Band. Und da Reisen ein immer wiederkehrendes Thema in den Texten ist, passte The Grand Journey als Name perfekt.

Neue Songs sind mittlerweile genügend entstanden, denen Gitarrist Mehlis seinen eigenen Stempel aufdrücken durfte. Dem Wunsch nach Soundveränderung wurde entsprochen, die Kommunikation habe sich aber nicht verändert, dafür kennt man sich schon zu lange, immerhin geht es in der Musik um Gefühl, das sei ja keine Wissenschaft: „Bei einem Song merkte ich erst, dass alles stimmt, als Marco beim Spielen die Augen geschlossen hat“, beschreibt Sänger René Dohrmann ihr nonverbales Verständnis. Im Sommer geht es ins Studio, dann werden die neu entstandenen Songs für die Ewigkeit konserviert.

Vorher gibt es noch ein paar Konzerte, drei wurden bereits gespielt, in Potsdam findet das vierte statt. Im April geht es auf Tour: Start ist wieder in Potsdam, diesmal im Kuze, dann geht es weiter nach Hannover, Dresden, Berlin. Ein bisschen dient dieses Touren auch dem Zusammenfinden: „Tourocation“ nennt das die Band, eine Mischung aus Tour und nebenbei Urlaub. Reich werden kann man freilich dabei nicht: „Vom finanziellen Aspekt haben wir uns gelöst“, sagt Schlagzeuger Sebastian Kuhlmey. Es reicht, wenn das Projekt sich selbst trägt. Eine Jukebox wolle man aber auch nicht sein: „Wir könnten zwar auf irgendwelchen Hochzeiten spielen, das tötet aber die Lust und die Kreativität“, so Mehlis. Dann habe man zwar Geld, aber überhaupt keinen Spaß. Und Musik ohne Spaß? Kommt für The Grand Journey nicht infrage. Oliver Dietrich

The Grand Journey am Freitag, 6. März, im Spartacus, Friedrich-Engels-Straße 22. Los geht es um 20 Uhr, Support gibt es von Coogans Bluff.

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