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  • 05.12.2014
  • von Oliver Dietrich

Nur echt mit dem Knistern

von Oliver Dietrich

Stonehenge spielen am Samstag im Kuze

Retro heißt das Zauberwort, das durch die Potsdamer Rock-Szene geistert, und damit liegen die, die sich um das Potsdamer Bandkollektiv „Brausehaus“ scharen, ziemlich im Trend. Obwohl: Von Trend darf man dabei gar nicht reden, immerhin ist die Anlehnung an die 70er gar keine Idee, die ausgerechnet im vom damaligen Zeitgeist weitgehend abgeschnitten Potsdam entstanden ist – noch dazu von Musikern, an die in den Seventies noch gar nicht zu denken war.

Diese 70er-Huldigung wird in Potsdam durch Bands wie Conium, die Krautrocker Yamun oder Blues Baby Blues angefeuert – beeinflusst nicht zuletzt durch den noch recht jungen Stoner-Sound amerikanischer Bands wie Queens Of The Stoneage, Kyuss, Unida oder Clutch. Dass die Musik der 70er immer noch stilprägend ist, wird sich an der Record-Release-Party von Stonehenge – benannt nach dem englischen prähistorischen Bauwerk – am morgigen Samstag im „KuZe“ zeigen, die eigentlich gar kein richtiges Release ist. Das Album „Bunch of Bison“ erschien bereits im Februar 2013 auf CD, jetzt kommt aber die ganz dem Stil der Band angepasste Neuveröffentlichung auf Vinyl. Schon ein Grund zu feiern.

Der Verkauf von Vinyl boomt wieder, oftmals werden Neuerscheinungen zusätzlich oder sogar ausschließlich auf Vinyl veröffentlicht. Das Knistern von Schellackplatten passt einfach zu gut für diese Art von Musik, die sowohl gestern als auch heute eine derart mitreißende Qualität hat – und sogar verbindet: Mehrere Generationen, die sich von derselben Musik mitreißen lassen, das gab es noch nie.

Dabei sind Stonehenge gar nicht rückwärtsgewandt, sondern viel progressiver als erwartet. Die Rhythmen kommen mit einer Lockerheit daher, die sie zeitlos macht, lediglich der Sound ist an die Vorvorgängergeneration angelehnt. Gesang? Gibt es auch, aber eher eingestreut und fast widerwillig, hier erzählen die Instrumente: in einer Sprache, die befreit von Fremdwörtern ist, allgemeingültig, generationsübergreifend.

Wenn Stonehenge das Keyboard in den Vordergrund stürmen lassen, ist das beabsichtigt. Die Songs, die die Acht-Minuten-Grenze gern überschreiten, ohne langweilig zu werden, greifen die verspielte Rockattitüde auf, die sich damals als Alleinstellungsmerkmal für Jeanswesten-Langhaarige emanzipiert hat – Gitarre umarmt Keyboard, Bass umarmt Schlagzeug, heraus kommt ein psychedelischer Soundteppich. Und immer wieder Ausbrüche, die den 70er-Sound als hinfällig erscheinen lassen, wie im Song „Sun On The Asphalt“, der so gern ganz plakativ an alte Zeiten erinnern würde, dies aber doch nicht tut: zu klar, zu breit, zu durchgearbeitet – irgendwie modern.

Länge wäre der einzige Vorwurf, welcher der Band gemacht werden könnte, obwohl die Songs an keiner Stelle langweilen, im Gegenteil: Der Keyboard-Gitarre-Dialog ist so treffend, dass das Schlagzeug nur Zuarbeit liefern braucht und fast über den Rand kippt. Präzise sind alle der Mitglieder, und das fast ein wenig zu viel. Man mag sogar hoffen, dass die glasklare Sauberkeit des Sounds ein klein wenig durch eine Nadel gestört wird, die über das Vinyl kratzt. Wozu sonst eine Platte? Oliver Dietrich

Stonehenge spielen am morgigen Samstag um 20 Uhr im „KuZe“, Hermann-Elflein-Str. 10. Der Eintritt ist frei.

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