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  • 14.11.2014
  • von Oliver Dietrich

"Impro Verlinkt" : Handy anschalten erwünscht

von Oliver Dietrich

Bühne frei! Foto: KuZe

Heute startet das Potsdamer Improvisationstheater-Festival im „KuZe“

So mancher mag noch denken, dass die Improvisationstheater eine ganz neue Erfindung sind – aber weit gefehlt: Die Wurzeln gehen sogar bis in die Antike zurück. Im 2. Jahrhundert gab es mit dem Mimus der römischen Antike volksnahes, oft zotiges Vokabular und jede Menge Raum zum Improvisieren für die Schauspieler – oft mit Gesangsnummern und Tanzeinlagen. Richtig durchgesetzt hat sich diese freie Spielform damals jedoch nicht: Zu hoch war die Kraft des Normativen, die Theatertraditionen wogen zu schwer.

Heutige Improtheater orientieren sich freilich nicht mehr an der Antike, sondern stellen den Spaß am Spielen und die Aufhebung der unsichtbaren Grenze zwischen Akteuren und Publikum in den Vordergrund. Und einmal im Jahr treffen sich viele Improvisateure zum Potsdamer Improtheaterfestival, das dieses Jahr unter dem Motto „Impro Verlinkt“ vom heutigen Freitag bis zum Samstag, dem 22. November, im studentischen Kulturzentrum „KuZe“ stattfindet.

Gut, dass Improtheater mit der Improvisation zu tun hat, dürfte sich leicht entschlüsseln lassen. Aber wie das genau funktioniert? Na ganz anders eben als das klassische Theater, in dem jedes Detail ausgeklügelt und sorgfältig inszeniert wird. Die Macher drehen das Prinzip eben um: Geprobt werden darf auf keinen Fall, die Geschichten entstehen aus den Vorschlägen des Publikums – und das soll natürlich beeindruckt, zum Lachen oder zum Weinen gebracht werden.

Bereits zum vierten Mal gibt es das Festival im „KuZe“, mit dabei sind Gruppen aus Wien, Münster, Jena, Darmstadt, Berlin und Potsdam. Und das Motto dieses Jahres, „Impro Verlinkt“, zielt nicht umsonst auf das Wissenschaftsjahr 2014 ab, dass sich die digitale Gesellschaft vorgenommen hat: „Dieses Jahr wollen wir zeigen, dass die Kunstform Improvisationstheater nicht an der technischen Entwicklung vorbeigeht, sondern den Link in neue Medien spielend schafft. Als die Potsdamer Plattform für Improtheater präsentieren wir für dieses Jahr Formate, die digitale Themen und Techniken mit der Bühne verbinden“, so der künstlerische Leiter Thomas Jäkel.

Das Programm selbst ist nur inhaltlich digital, die Vorstellungen selbst sind wie gewohnt analog: Am heutigen Freitag ist Peer Heinlein zu Gast, Gründer des Internetproviders JPBerlin, Fachbuchautor und E-Mail-Papst – der „digital native“ wird aber nicht improvisieren, sondern fungiert als Stichwortgeber für die Improvisierenden, die etwas aus seinen Vorgaben zur digitalen Welt des Internets zaubern werden – und mit der Gunst des Publikums Punkte sammeln müssen, um die fünf unbeantwortbaren Spezialfragen knacken zu können. Am Samstag wird dann das „Theater ohne Probe“ zu den ungeschriebenen Seiten von Wikipedia improvisieren, am Sonntag „Märchen aus Nullen und Elven“ mit digitalen Geschichten für Menschen ab sechs, am Abend spielen „Die Improbanden“ dann mit der gesamten Bandbreite des Internets und rufen das Publikum zum Twittern auf. Und mal ehrlich: Irgendwie tröstlich, dass man im Theater sein Handy mal angeschaltet lassen kann. Oliver Dietrich

„Impro Verlinkt“ beginnt am heutigen Freitag um 20.15 Uhr in der Hermann-Elflein-Straße 10. Das komplette Wochenprogramm gibt es unter:

www.improfestival-potsdam.de

 

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