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  • 28.07.2014
  • von Gerold Paul

Märchen, die den Geist erwecken

von Gerold Paul

Seltsame Ägypter, Nachfahren der Atlanter. Das Erdendasein schien ihnen nur die Vorstufe für ein Leben im höheren Sternenfeld, ihre gesamte Vorstellungswelt war zyklisch, also auf Wiederkehr allen Geschehens gerichtet. Mehrere Tausend Jahre später in Potsdam: eine mittalasiatische Jurte, Tee vom Samowar, ein halbes Dutzend Besucher trotz des stürmischen Gewitters am Freitagabend. Märchenzeit am Ende des Volksparks, Erzählzeit. Silvia Ladewig gab in gewohnt professioneller Manier einen „ägyptischen Abend“ mit Legenden aus der cis-atlantischen Vorzeit. Die Lebens- und Erzählkultur in dieser kirgisischen Jurte, die Matthias Michel gehört, kann man gar nicht genug loben. Hier wird nach Art der Alten erzählt, wird Wissen poetisch vermittelt und Gastfreundschaft gepflegt, und wer nur einen Deut mit- und weiterdenkt, kommt immer in der Gegenwart an – was natürlich gar nicht gut so für sie ist.

Ob Karl May oder Seidenstraße, Aleppo oder Indianer, ob für Groß und Klein, Jung oder Alt, Silvia Ladewig hat immer die schönsten Geschichten parat. Und sie weiß diese mit brillanter Rhetorik und schauspielerischem Geschick auch gut herüberzubringen. So etwas wie Lessings Idee vom „Genießen der Kunst“ ist unter diesem Filzzelt-Himmel völlig unmöglich, nicht mal beim Gewitter. Die aktive Haltung erwacht: Vielleicht ist ja doch etwas dran an der zyklischen Zeit der Atlantis-Erben, an der Wiederkehr der Ereignisse. Ladewigs Erzählungen erwecken jeden Geist. Schade, dass so wenige dieses wunderbar „therapeutische“ Angebot dieser Zauber-Jurte annehmen.

Gerold Paul

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