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  • 28.07.2014
  • von Oliver Dietrich

Ausdruckstanz im Innenhof King Kreole und Die Barracudas im Hafthorn

von Oliver Dietrich

Haare und Rock’n’Roll. Die Sängerin von King Kreole sprühte von Energie. Foto: old

Rock’n’Roll ist etwas, das man im Herzen tragen muss, damit es funktioniert – eine Lebenseinstellung, die man nicht einfach im Vorbeigehen mitnehmen kann. Und wie man Rock'n'Roll aufrichtig lebt, konnte man am Samstagabend im Innenhof des Hafthorn in der Potsdamer Innenstadt erfahren: Im Rahmen der Erlebnisnacht hatte auch die Kultkneipe eine Bühne aufgebaut, die so einige Besucher anzog – und die waren auch größtenteils passend gekleidet.

Gleich die erste Band legte ein beachtenswertes Konzert hin: King Kreole aus Leipzig spielten so ziemlich den lässigsten Rock’n’Roll, der jemals erfunden wurde. Wer bei Schlagzeugern, die stehend spielen und singen, an Die Ärzte denkt, kennt King Kreole wohl noch nicht. Sängerin Kathrin Leblanc, das Zentrum der Band, ist die geborene Entertainerin: Sie singt mit lasziv-erotischer Stimme, die das Unschuldige der 50er-Jahre transportiert, aber gleichsam anziehend auf das Publikum wirkt. Damit hatte sie es einfach in der Hand, sie forderte das Publikum zum Ausdruckstanz im Innenhof auf, warf ihm erschütterte Blicke und ein geradezu doppeldeutiges Lächeln zu.

Klar, diese Ernsthaftigkeit musste einfach witzig sein: eine Karikatur des Rock’n’Roll, die sich aber vor ihm verneigte. Mehr Rock’n’Roll ging gar nicht, und die ohnehin erhitzten Zuschauer wurden weiter hochgekocht: zum Beispiel mit dem Elvis-Klassiker „Hound Dog“ oder dem 55er-Chuck-Berry-Hit „Maybellene“, der ja die ganze wilde Zeit in einen einzigen Song steckte. King Kreole holten diese ganze Zeit einfach ins Heute zurück. „Wollen wir nicht mal ein Instrumentalstück spielen? Von der ganzen Singerei wird man ja bekloppt“, kokettierte Kathrin Leblanc und warf einfach einen Surf-Rhythmus hinterher, während sie ihre gnadenlos langen Haare um sich warf. Die Nina Hagen des Rock’n’Roll grinste dazu mit einem fast schon entschuldigenden Zucken in den Mundwinkeln.

Nach diesem rauschenden Konzert gab es aber noch eine Band: Die Barracudas brachten deutschsprachigen Rockabilly, der nach eigenen Angaben wie ein turbogeladener Wartburgmotor daherkommt. Das tat er auch: Songs über „Susi, Baby“, die so retro waren, dass man nur noch grinsen konnte. So kann man auch Rock'n'Roll spielen: entspannt und mit einem Augenzwinkern. Die Herren in Weiß brachten Party mit sächsischem Akzent, mit Songs wie „Keine ist so wunderbar wie du“, die sich selbst auf die Schippe nahmen. Und als Zugabe gab es noch den Sing-along schlechthin: „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ dürfte den Getränkeumsatz im Hafthorn noch einmal angekurbelt haben. Schade eigentlich, dass es solche Abende nicht öfter gibt. Oliver Dietrich

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