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  • 16.07.2014
  • von Oliver Dietrich

Zappa im „KuZe“

von Oliver Dietrich

Tarentatec huldigten dem Meister Frank Zappa

Eigentlich war schon der erste Eindruck schräg für ein Konzert unter dem Deckmantel des großen Virtuosen und Exzentrikers Frank Zappa: So viele junge Leute interessieren sich für einen Musiker, der höchstens in der verstaubten Plattensammlung der Elterngeneration zu erwarten gewesen wäre? Frank Zappa, ist das nicht dieser bärtige Rebell, der damals für seine Überproduktionen gehypet wurde? Klar, unglaubliche 60 Alben hatte der Sohn italienischer Einwanderer herausgebracht, obwohl er, erst knapp über fünfzig, bereits im Jahr 1993 gestorben ist. Aber was hat der eigentlich – außer dem Hit „Bobby Brown“ – gemacht?

Vielleicht war es genau diese Frage, die die Dresdner Band Tarentatec sich mitten in einer Experimentierphase gestellt hat. „Klar gab es da einen Vater, der völlig verrückt auf Frank Zappa war“, heißt seitens der Band. Und zwar der von den Geschwistern Johannes und Christian, dem sie zum 50. Geburtstag einfach ein Spontankonzert verpassten mit einigen Zappa-Hits. Und das zündete – und zwar so sehr, dass die Band sich an Zappa festbiss und Stammgast auf dem alljährlichen Zappa-Huldigungsfestival „Zappanale“ in Bad Doberan wurde und auch am kommenden Wochenende sein wird.

Aber vorher waren Tarentatec im „KuZe“ – und gaben am Montagabend das Zappa-Programm, obwohl sie auch manch eigene Songs im Gepäck hätten. Aber die zu spielen, das stand gar nicht auf dem Programm. Vielmehr waren die Kerle aus der Zeit gefallen, mit ihrem avantgardistischen 70er-Jahre-Dress: Im Batik-Look und unter Perücken nahmen sich die sechs Dresdner, die zu einem guten Teil aus Exil-Thüringern bestehen, des Meisters an. Mehr noch: In einer zappaistischen Jazzpunk-Show brachten sie ein außergewöhnlich gut gefülltes „KuZe“ mit einem glasklaren Sound zum Schwingen. Die Musik floss dabei in einer wahren Zeitlosigkeit dahin, immer wieder garniert mit den anarchistischen Ausbrüchen, die der Stempel des Ausnahmemusikers Zappa waren.

Auch wenn der bunte Haufen lustig anzusehen war, war das Programm weder eine Anbiederung noch eine halbherzige Verbeugung vor dem Original – nein, das waren schlichtweg leidenschaftliche Interpretationen, die das Auditorium zum Kochen brachten. Und wie: Minimalistische Elemente, die in dadaistischen Ausbrüchen kumulierten, sorgten für die nötige Verwunderung, dass eine so frische Band den Zappa-Duktus perfektionistisch ins Heute hievte. Inklusive aller Details: Als Zappa-Interpret braucht man unbedingt den Ausdruck von Verrücktheit gepaart mit Harmlosigkeit im Gesicht, was den Musikern einfach mal gelang.

Fast ein bisschen schade, dass in dieser Furiosität die Vorband Yamun aus dem Brausehaus-Kollektiv ein wenig verdrängt wird – obwohl sich der mit Saxofon und Querflöte intonierte jazzige Krautrock qualitativ durchaus mit den Headlinern messen konnte. Aber das sollte die Potsdamer Band an dieser Stelle nicht weiter beunruhigen: Sie wird, bestückt mit Lokalmatadoren, an anderer, angemessener Stelle im Fokus stehen. Ganz bestimmt! Oliver Dietrich

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