23.10.2017, 12°C
  • 21.03.2014
  • von Klaus Büstrin

Zu wenig Licht

von Klaus Büstrin

Geistliche Musik bei „KAPmodern“

Innere Einkehr gleich zu Beginn. Mit verhaltenen Tönen des Amerikaners John Cage auf einer Harfe und den ruhigen Melodielinien auf der Flöte, die der Japaner Toshio Hosokawa in einem Volkslied seiner Heimat fand. Die Kammerakademie-Konzert-Reihe „KAPmodern“ die sich ausschließlich zeitgenössischen Werken widmet, hat sich am Mittwoch geistlicher Musik zugewandt, die nicht für einen liturgischen Rahmen komponiert wurde. Die Mitglieder des KAPmodern-Ensembles gaben einen Blick vor allem auf christliche Musik, zu denen sie eine Verwurzelung haben, sparsamer ging man mit asiatischen Religionen um, mit Buddhismus oder Hinduismus. Doch vor allem wollten die Musiker auf das Unsagbare, auf „das Wesen der Dinge, die hinter ihrer Oberfläche“ sind, schauen. „Zwischen Erkenntnis und Glauben / Andere Wirklichkeiten“ nannten die Musiker das von ihnen konzipierte Programm.

Das Foyer war weitgehend in dunkel-mystisches Licht gehüllt, das den Zuhörer an einen sakralen Raum erinnern sollte, an Stille, Konzentration und Kontemplation. Aber gibt es in Religionen nicht auch das Helle, das Freudige, das Jubelnde? Äußerlich sowie in der Programmgestaltung war davon nichts zu spüren. Fast alles war auf Meditation ausgerichtet. Doch Dieter Schnebels expressives Passionsstück „Lamäh – Warum?“, das Jesu Worte am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ aufnimmt, lässt sich nicht mit mystischer Versenkung erschließen, sondern in einem hellen Licht, dem man sich stellen sollte. Die dramatisch dichte Klangsprache Schnebels lässt spürbar körperliches Unbehagen entstehen. Und das ist wohl im Sinne des Komponisten, der „Lamäh“ als Streichtrio mit Gesang schrieb. Er benutzt gern theatrale Effekte, die hier aber vom Wesentlichen ablenkten. Das Trio mit Renate Loock (Violine), Christoph Starke (Viola), Jan-Peter Kuschel (Cello) sowie Sängerin Maacha Deubner fanden einen beeindruckenden Zugang zum Stück.

Introvertiert wirken die Kompositionen des Schweizers Klaus Huber sowie des Esten Arvo Pärt. Huber schuf ein eher sperriges Stück über „Selig, die arm sind im Geiste …“ aus den „Seligpreisungen“ des Neuen Testaments und Pärt hat die Vertonung des Credo (im Original für vierstimmigen Chor), das er „Summa“ nennt, mit still-heiterer Gelassenheit und Glaubensgewissheit geschrieben. Ein Hauch Romantik ist der Vertonung des Psalms 23 durch den Georgier Giya Kancheli eigen. Obwohl der Psalmist Verse voller Hoffnung schrieb, hat sie der Komponist in ein Sehnsuchtsstück voller Trauer und Schmerz umgewandelt und sie in sein Werk „Exil“ aufgenommen. Kanchelis Grundton ist die Klage. Doch seine Musik ist durchlebt, existenziell durchglüht. Es geht ihm um Verlorenes, um Erinnerung. So findet man in seiner Musik Elemente archaischer Volksmusik seiner Heimat. Die Sopranistin Maacha Deubner sang ihren Part mit bewegender Ausdrucksfülle und das Instrumentalensemble wusste sich in die eindrucksvolle Klanglandschaft Kanchelis zu integrieren.

Zu hören waren auch Stücke von dem Griechen Yannis Kyriakides und dem aus Bombay stammenden Sundeep Bhagwati, die jeweils eine besondere Farbe in das Programm brachten. Mit Hannes Seidls Stück „The Art of Entertainment“ führten Bettina Lange (Flöte), Tobias Lampelzammer (Kontrabass), und Friedemann Werzlau (Schlagzeug), Markus Krusche (Klarinette) und Markus Zugehör (Klavier) das Publikum in die vertraut lärmige Wirklichkeit unserer Zeit zurück. Klaus Büstrin

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