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  • 27.07.2013
  • von Chantal Willers

Die Melodie geschriebener Worte

von Chantal Willers

Sie sorgen für Krimi-Untermalung. Die Musiker von „Brigandu“. Foto: promo

„Literatur in concert“ zum ersten Mal im Kuze

Gelesene Worte treffen auf zarte Klänge, prallen in der Luft aufeinander und vermengen sich zu einer einzigen Melodie. Im gemeinsamen Tanz verweben sie sich, werden zu einer Geschichte, in der Musik und Wort beide ihre Rolle spielen. Weder eine reine Lesung noch ein einfaches Konzert stehen auf dem Programm, wenn am kommenden Montag die Autorin Kathrin Hotowetz und die Mitglieder der Band Brigandu gemeinsam im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Literatur in concert“ zum ersten Mal die kleine Bühne des studentischen Kulturzentrums (Kuze) betreten.

Eine musikalische Lesung verbindet Musik und Literatur auf eine besondere Weise. Nichts steht allein für sich, beide sind im Einklang miteinander. So ist zumindest das Konzept. Wenn sich Miriam Bohse, Musikerin der Berliner Band Brigandu, an die Anfänge ihrer Zusammenarbeit mit der Autorin Kathrin Hotowetz zurückerinnert, kann sie sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. „Wir haben ohne gemeinsame Vorbereitung einfach losgelegt, nichts war abgestimmt und wir mussten unsere Setlist immer wieder spontan umwerfen“, erzählt sie. Das war im November 2012.

Spontanität und Zufall sind zwei Schlagworte, wenn man sich die kleine Erfolgsgeschichte von Brigandu anschaut. Nicht, weil ihnen das Glück einfach so zufallen würde. Viel Arbeit steckt in dem Projekt Brigandu, das Anfang 2012 entstand. Zufall deswegen, weil Kathrin Hotowetz das Berliner Trio, das als Vorband bei einem Konzert von „Blackmore’s Night“ auftrat, entdeckte und sie unbedingt als musikalische Untermalung für die Lesungen zu ihrer Krimireihe „Im Schatten der Hexen“ haben wollte. Spontan sagten Brigandu zu.

Nach diesem ersten, etwas unorganisierten Auftritt zur Veröffentlichung des zweiten Bandes „Hexenjahr“ im November 2012 hat sich das Projekt „Literatur in concert“ jedoch deutlich weiterentwickelt. Vier weitere Veranstaltungen von „Literatur in concert“ haben sowohl die Autorin als auch die Band viele Erfahrungen sammeln lassen. „Wir passen unsere Stücke den Textstellen an, die Kathrin vorliest“, erzählt die zweite Frau im Brigandu-Trio, Miriam Carl. Die gemeinsamen Inspirationsquellen keltischer und nordischer Legenden liefern so immer wieder Überschneidungen zwischen der Musik und der Literatur.

Mit ihrem Erstlingswerk „Hexenring“ hat sich Kathrin Hotowetz eher unbekanntem Terrain angenähert, den Legenden und Mythen der Harzregion. „In dem Roman verwebt sie viele unterschiedliche Ebenen miteinander, zeitlich und thematisch.“ Die Mythen des Harzes aus dem 17. Jahrhundert, Hexenlegenden und die Polizeiarbeit des 21. Jahrhunderts werden miteinander verbunden. Mittelalter trifft auf Moderne. Mit ihrer Kombination aus traditionellen keltischen Klängen und orientalischer Percussion ergibt die Musik von Brigandu das passende Gegenstück zu Kathrin Hotowetz’ Literatur. „In den Romanen geht es häufig sehr düster zu, wir versuchen das Licht zu sein.“ Für Miriam Carl spielte die Beschäftigung mit dem Roman deshalb eine große Rolle. „Wir inspirieren uns immer wieder gegenseitig. Wir finden Teile, mit denen wir uns identifizieren in den Büchern, und unsere Musik findet auch Eingang in die Geschichte.“

Wichtig sei es jedoch, während der Lesungen mit der Musik in den Hintergrund zu treten. „Wir sind dann keine Musiker auf der Bühne, die die Entertainer spielen. Wir sind dazu da, die Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Miriam Bohse ihr Verständnis des Zusammenspiels von Musik und Literatur. „Wir unterstützen die Themen der Textpassagen mit unseren Liedern und versuchen beides möglichst miteinander zu verbinden.“ Nicht abgehackt hintereinander gereiht: Die Verbindung von Musik und Literatur soll fließend sein.

Eine passende Atmosphäre zu schaffen sei dabei allerdings gar nicht so einfach. „Es hängt viel vom Ort ab, an dem wir spielen.“ Das Kuze habe dafür die perfekten Bedingungen, nicht zu groß und nicht zu klein. Schön öfter war Miriam Bohse, die zurzeit ein Studium der Musikwissenschaft und Germanistik an der Universität Potsdam absolviert, zu Gast im Kuze. Dort ließe sich eine Spannung aufbauen, die der Kriminalgeschichte mit der mystischen Harz-Saga gerecht wird. „Ein großer bequemer Ohrensessel für Kathrin, der wäre perfekt“, sagt Miriam Bohse, deren Ideen für die musikalischen Lesungen noch lange nicht erschöpft sind. Denn schließlich können sie sich nicht nur in einer, sondern gleich in zwei Kunstformen kreativ ausleben, wenn Musik auf Literatur trifft und beides gemeinsam eine Geschichte erzählt. Chantal Willers

„Literatur in concert“, am Montag, 29. Juli, 20 Uhr, im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, Eintritt frei

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