26.04.2017, 10°C
  • 10.07.2013
  • von Oliver Dietrich

Holzkohlegrill, Fahrstuhlmusik und ein Hund

von Oliver Dietrich

Dangerous Person? im „Kuze“

Laue Sommernächte, Montagskultur, ein bisschen leichtbeschwingter Electropop – eigentlich eine angenehme Abendgestaltung, die einen ins studentische Kulturzentrum „Kuze“ lockte. Am Ende war es jedoch ein Hund, der sich diesen Abend in den Vordergrund spielte, obwohl er selbst nicht einmal anwesend war. Dabei hatte es das angereiste Duo Dangerous Person? wirklich nicht leicht, sich unter diesen erschwerten Bedingungen zu behaupten: Auf dem Innenhof des Kuze roch es magnetisch-lecker nach frisch Gegrilltem, eine locker-zahlreiche Runde, die sich kulinarisch nicht lumpen ließ: Was dort aufgetischt wurde, ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und es war unmöglich, alles zu probieren. Zugegeben: Diesen kulinarischen Genuss zum Thema des Abends zu machen, wäre der Band gegenüber mehr als unfair. Aber manchmal sind Nase und Magen einfach stärker als Auge und Ohr.

Dangerous Person? ließen sich mit dem Beginn des Konzerts wohlwollend Zeit. Natürlich war auch ihnen bewusst, dass sie es schwer haben würden – hatte das spontane Barbecue doch ein hehres Ziel: Mittels Spenden sollte etwas Geld zusammenkommen, um einem an Diabetes erkrankten kleinen Hund mit dem Namen Tequila die Behandlungskosten beim Tierarzt zu ermöglichen, das große Fressen zum Wohle eines Tieres. Dass dabei auch Tiere auf dem Grill landeten, war die feine Ironie der Sache. Der Zweck heiligt manchmal eben die Mittel.

Das Electropop-Duo Dangerous Person?, das sich recht spät auf die Bühne wagte, schien ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, der Sängerin Rose Hunter im 20er-Jahre-Look mit künstlichen Wimpern und einer bademantelähnlichen Tunika stand Gitarrist Gustav Jäger zur Seite, der nicht minder retro daherkam: Oberlippenbart, weißes Hemd, Hosenträger – und mit einer gewissen Ähnlichkeit mit Josh Brolin im Film „No Country For Old Men“. Percussion und Background kamen aus einem Notebook, welches unübersehbar in der Mitte der Bühne glimmte, ab und zu wurde ein bisschen Keyboard eingespielt, alles wirklich sehr poppig. Aber diese Unaufdringlichkeit hätte wohl am besten nach draußen gepasst, als absolut mahlzeitenkompatibles Easy Listening, weniger in die dunkle Isolation des Theatersaals. Immerhin fand irgendwann eine leichte Fluktuation zwischen den um den Holzkohlegrill Versammelten und dem Theatersaal statt – die Montagskultur spielte sich aber eindeutig am Herd ab.

Und irgendwann kam es so, wie es nicht anders kommen konnte: Die Hunde-Soli-Party fand ihr Zentrum auf dem Hof, bei geöffneter Tür zum Theatersaal, sodass das Geplätscher nach draußen dringen konnte. Dangerous Person? lieferten so die magenfreundliche Begleitmusik zu schweren Mahlzeiten, Bob Dylans „It’s All Over Now Baby Blue“ als Fahrstuhlmusik etwa. Das war zwar gepflegte Langeweile, aber irgendwie nicht unpassend. Das Duo schlechtzureden wäre auch in etwa so, als würde man einen Hund treten. Nein, diese brave Naivität, die die Band verkörperte, verschmolz irgendwie mit der warmen Sommerluft und machte den leichtfüßig-schmachtenden Pop fast unsichtbar. Man kann musikalische Langeweile eben pflegen, und wenn man will, sogar wie ein gutes Essen genießen. Immerhin war der Abend ja für einen guten Zweck. Oliver Dietrich

 

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