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  • 17.06.2013
  • von Babette Kaiserkern

Nordische Zaubernacht

von Babette Kaiserkern

Mit leuchtender Stimme. Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter. Foto: Ewa-Marie Rundquist

Weltstar Anne Sofie von Otter im Nikolaisaal

Mittsommernacht, da fühlt man sich so wehmütig und so melancholisch und so richtig wohl, erklärt Anne Sofie Otter den Zuhörern am Freitagabend im Nikolaisaal. Darauf setzt sie aber nicht etwa zu einem nächtlich-sehnsuchtsvollen Gesang an, sondern sie gibt ein deftiges Trinklied zum Besten, gekrönt von einem kräftigen „Hicks“. Zusammen mit ihrem langjährigen Begleiter am Klavier, Bengt Forsberg, und dem jungen finnischen Geiger Pekka Kuusisto gab die weltberühmte schwedische Mezzosopranistin einen außergewöhnlichen Liederabend, der noch lange in bester Erinnerung bleiben wird.

Mit ihrer wunderbar fließenden, in klaren Tönen leuchtenden Stimme, die selbst im leisesten Piano noch hell glühte, erfüllte Anne Sofie von Otter jedes Lied mit ganz eigenem Leben, das von der Sprache ebenso wie vom Klang geprägt wurde. Die erste Hälfte des Abends bestimmten nordische Lieder, wie das zart-herbe „Månsken“ von Wilhelm Stenhammar, der tonig aufblühende Sommersang und die pointilistisch-flirrende Studie „efter naturen“. Selbst ein so romantisches Stück wie „Skogen sover“ mit recht hoher Stimmlage, umspielt von glockigen Klaviertönen, gleitet nicht in wohlfeile Schwärmerei ab. Denn stets bleibt eine gewisse, klare nordische Nüchternheit spürbar, mit welcher das Erdentreiben andächtig und stimmstrahlend reflektiert wird, wie in Edvard Griegs schwermütigem „Frühlingslied“ und dem triumphalen „Og jeg vil ha mig en Hjertensklar“.

Große Lieder von Johannes Brahms und Camille Saint-Saëns ergänzen das erlesene Programm, in dem humorvolle Töne nicht fehlen. Bengt Forsberg setzt am Flügel sensible Akzente und erweist sich auch im Zusammenspiel mit dem Violinisten Pekka Kuusisto als souveräner Partner. Pekka Kuusisto, der als erster Finne den Jean-Sibelius-Wettbewerb mit 19 Jahren gewonnen hat, wirkt wie ein Shakespearescher Puck, der die nordische Zaubernacht mit schalkhaft kecken, quecksilbrigen, feenhaft zarten Klängen erfüllt. Gemeinsam ergibt das eine spezielle Mischung aus schwedischer Klarheit, dänischer Romantik, norwegischem Grübeln und finnischer Weltferne.

Nach George Gershwins Summertime-Klassiker und weiteren Zugaben beendet die grandiose Anne Sofie von Otter mit Reinhard Meys Lied „Gute Nacht, Freunde“ den beglückenden Lieder-Abend. Babette Kaiserkern

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