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  • 03.04.2013
  • von Oliver Dietrich

Ein feministischer Ostermontag Totally Stressed und Two Tears For Barbarella

von Oliver Dietrich

Da hatten sie zwar eine neue Platte aufgenommen – aber sie schlichtweg vergessen mitzubringen. Trotzdem kein Problem, befand Sängerin Magda von Totally Stressed, man könne sich die Scheibe ja erst mal online anhören, und wenn man dann das Vinyl in den Händen halten mag, genügt eine E-Mail. Es sei auch egal, was man dafür bezahlt, wer mehr hat, zahlt eben mehr, und wer weniger hat – es gibt wohl kaum ein freundlicheres Konzept abseits kapitalistischer Bestrebungen. Musik mit Herz eben. Am Abend des Ostermontags war wieder Montagskultur im studentischen Kulturzentrum Kuze, und diesmal wurde den Frauen die Bühne überlassen – noch viel zu selten im aktuellen Musikbusiness, und nicht mal nur dort.

Totally Stressed machen ihrem Bandnamen wenig Ehre, so entspannt, wie sie rüberkommen. Nein, der Montagabend startete recht atmosphärisch, mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Violine und einer Sängerin, die mit einer beeindruckenden Stimme aufwarten konnte – auch wenn der Text schwer zu verstehen war, was nicht zuletzt daran lag, dass sich sechs Personen mit fünf Instrumenten die recht kleine Bühne im Kuze teilen mussten. Geboten wurde ein zuweilen einlullend-breites Songwriting mit Mut zur Länge, was ziemlich geschickt zusammengepuzzelt wurde. Gut, alle Instrumente auf einmal zu bedienen war des Guten manchmal zu viel, aber die Violine brach immer wieder nach oben aus und die Stimme war ausdrucksstark genug, um den Charakter zu wahren.

Dagegen wirkte das Kölner Trio Two Tears For Barbarella, das sich gerade auf Deutschlandtour befindet, geradezu reduziert, auch wenn es nicht das erwartete Riot-Grrrl-Konzept bediente. Es wurde der alten Schule gehuldigt, eine Renaissance des schon lange verloren geglaubten Grunge mit allen Schikanen: ausgetüftelte Bassläufe, eine verstimmt klingende Gitarre ohne besondere Effekte, die mit archaisch wirkenden Akkorden geradeaus stürmte: Das durfte ruhig ein wenig dreckig klingen, so wie in den Neunzigern. Wobei es der Band eher um die Botschaft ging: Ein Song über Definitionsmacht wurde beispielsweise angekündigt, ein berechtigtes Schlagwort der feministischen Bewegung. Und längst tot geglaubter Grunge – Kurt Cobain habe sich schließlich auch an einem Ostermontag erschossen.

Das feministische Sujet stand verwurzelt im Zentrum, schließlich kommen die Sängerinnen Alva und Luna aus dem Kölner queer-feministischen Background, es ging um Selbstbestimmung, Sexismus, Körperkult – der klassische Riot-Grrrl-Soundtrack war dazu gar nicht erst beabsichtigt. So hatte die reduzierte Musik etwas durchaus Passendes, der Schwerpunkt lag eben im Text: Auch heiser lassen sich ja hervorragend Gedichte rezitieren. Und der Bandname – „Zwei Tränen für Barbarella“ – sei ganz bewusst gewählt: Barbarella ist die Hauptfigur des gleichnamigen Science-Fiction-Films von Roger Vadim aus dem Jahre 1968. Zu dieser Zeit war der Feminismus noch in den Startlöchern, der Film strotzt noch vor sexistischen Elementen. „Die Hauptdarstellerin der Barbarella, Jane Fonda, hat sich hinterher explizit von diesem Film distanziert“, erzählt Bassistin und Sängerin Luna nach dem Konzert. Da passt Lara Croft eben wesentlich besser als Barbarella. Oliver Dietrich

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