21.09.2017, 15°C
  • 18.10.2012
  • von Oliver Dietrich

Psychedelische Pathetik

von Oliver Dietrich

Parashurama und Nihiling im Studentischen Kulturzentrum KuZe

Es hat immer ein bisschen das Flair eines Wohnzimmerkonzerts, wenn im Theatersaal des studentischen Kulturzentrums KuZe ein Konzert ansteht. Diesmal war dieses Wohnzimmer ganz gut gefüllt, obwohl gleichzeitig die Übertragung des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen Schweden im TV lief. Ach was: Psychedelischer Rock ist allemal die bessere Alternative. Im Rahmen ihrer Deutschlandtour gaben sich am Dienstag also die Hamburger Bands Parashurama und Nihiling die Ehre. Erstaunlich dabei ist immer noch, wie viel musikalischen Einfluss die siebziger Jahre auf so junge Musiker haben, aber vielleicht ist es auch der Einfluss der neunziger Jahre, die ja irgendwie auch ziemlich retro waren.

Psychedelisch mutete schon die Bühnenausstattung an, deren Lichtshow mit verrückten Stehlampen bestückt war, die allesamt von einem Ikea-Designer im Drogenrausch entworfen zu sein schienen. Und Parashurama lullten dazu mit zittrig-verwackelten Rhythmen ein, die beeindruckend pathetisch wirkten, obwohl der Einsatz des Synthesizers angenehm im Hintergrund verblieb. Alles ziemlich experimentell, wobei der großartige Bassist das Ensemble mit seinen Läufen metronomgleich in der Spur hielt.

Dass es aber noch psychedelischer gehen konnte, bewiesen Nihiling im Anschluss, was nicht zuletzt an der Videoinstallation lag, die an die Wand projiziert wurde: wilde, grob bewegte Bilder und Strukturen, die das Konzert atmosphärisch werden ließen, was Nihiling noch radioheader als die Vorband machte. Mehr Licht als die Videobilder war auch gar nicht nötig, man befand sich sowieso in einer Phase vom Wachsein zu einem Traum. Ein Jammer, dass man im Theatersaal nicht rauchen durfte – und wenn es wenigstens eine Zigarette wäre.

Musikalisch wurde eine ziemliche Bandbreite geboten, wobei der zarte Gesang der Bassistin für Atemstillstand sorgte, um kurz darauf in wilden Ausbrüchen zu enden. Eine irritierende Prise von Portishead und The XX in einer Screamo-Show, vielleicht auch ein bisschen angelehnt an das, was später aus den skandinavischen Black-Metal-Bands geworden ist. Aber wahrscheinlich macht gerade das diese Psychedelik aus, diese Unbeschreiblichkeit, die dieses dienstägliche Konzert schließlich zu einem hinreißenden Abend werden ließ. Oliver Dietrich

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