• 13.10.2012
  • von Andrea Schneider

Preisverdächtig

von Andrea Schneider

Funny van Dannen begeistert im Lindenpark

„Fischsuppe“ heißt das aktuelle Album des Liedermachers Funny van Dannen und diese Suppe muss der Solokünstler ganz allein auslöffeln. Lediglich mit einer Akustikgitarre behangen, die Mundharmonika in Reichweite und einen Koffer voller Texte, bewirbt er sich am Donnerstag im Lindenpark ganz offiziell um den Literaturnobelpreis. Die Latte für den Preis hängt hoch. Autoren wie Jose Saramago, Herta Müller oder jetzt auch dem Chinesen Mo Yan gilt es, das Wasser zu reichen. Und da nutzt es auch nichts, wenn der Musiker mit seinem Einstiegssong im Lindenpark „Ich in China“ erst einmal die Konkurrenz madig macht: Die Chinesen können ja auch nichts dafür, dass sie so klein sind.

Die Fans jedoch kennen ihren Funny van Dannen. Der Liedermacher textet seit 1995 und wirft die Ergebnisse beinahe im Zweijahrestakt auf den Musikmarkt. Jeder, der ihn seither begleitet, weiß: Funny van Dannen beobachtet seine Umgebung genau und witzelt nicht nur über fremde, sondern auch über den eigenen Kulturkreis, in dem das Christentum unerbittlich um eine Machtposition kämpft, der deutsche Soldat immer noch nicht weiß, was Krieg ist und vom tiefsten Süden bis in den hohen Norden alle „Mutti, Mutti, Mutti“sagen. Die Potsdamer haben eindeutige Favoriten unter seinen Texten. Bei altbekannten Liedern wie „Nana Mouskouri“ oder „Eurythmieschuhe“, aber auch bei „Fang den Pudding“ oder „Ein Eimer weiße Farbe“ vom aktuellen Album geben die Fans den Backgroundchor für die Einmannshow.

Auch seine erzählerischen Zwischenspiele lieben sie. Das Bild von Dirk Bach, der mit roten, vorher im Vatikan geklauten Schühchen durch den Himmel spaziert, ist ein Lacher und zeigt die Gratwanderung, die van Dannen in seinen Texten absolviert. Liebevoll, aber immer auch ein kleines bisschen böse, baut er Aktuelles in seine Lieder ein. Sein Programm ist dabei sehr fordernd. An die 40 Lieder und Balladen schrammelt der im Laufe des Abends immer zerzaustere 54-Jährige auf der Gitarre herunter – mal bluesig, mal folkig, mal rockig, zu Beginn noch in Erzähllaune, später ein wenig gehetzt wie ein Prediger, der schnell noch dies und das unter die Leute bringen möchte.

Die Gäste haben es sich gefallen lassen, sogar um Verlängerung gebeten. Und hätten sie ein Wörtchen mitzureden, wäre da sicher im nächsten Jahr auch der Literaturnobelpreis drin. Andrea Schneider

  • Erschienen am 13.10.2012 auf Seite 03

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