• 13.10.2012

„... die Welt ist genau dieselbe geblieben ...“

Fritz Langs „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 am heutigen Samstag im Filmmuseum / Von Alexa Eberle

Vor allem Babelsberger Filmgeschichte wird im Filmmuseum gehegt und gepflegt. Das heißt, die vielfältigen Dokumente, Kostüme, Technik, Nachlässe werden gesammelt und dem Publikum präsentiert. Und natürlich kommen cineastische Kostbarkeiten zur Aufführung. In unserer Serie „Filmklassiker vorgestellt“, die gemeinsam mit dem Museum entstand, stellen wir heute den Film „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang vor.

Das Presseheft zur Premiere kündigte an, „Metropolis“ sei „ein Film von übermorgen“, der „das Schicksal einer Menschheit im Jahre 2000“ erzähle, verhandelt in einer futuristischen Stadt der Superlative. Thea von Harbous Drehbuch nennt sie die „Ueber-Weltstadt“. Besungen ist sie im ebenfalls von Langs Ehefrau geschriebenen Film-Roman als ein „Weltwunder“, „aus Quadern von Licht gebaut“. Monumental setzten Lang und sein Team die literarische Vorlage ins Bild. Rein äußerlich gibt sich die „Fünfzig-Millionenstadt“ als utopischer Traum, der verheißt, dass dem „Erfindungsgeist des Menschen“ keine Grenzen gesetzt sind. Aber die erzählte Geschichte ist ein dystopisches Sozialdrama, das allgemein gültige Grundkonflikte einer inhumanen Zwei-Klassen-Gesellschaft verhandelt. 1927 schrieb Rudolf Arnheim irritiert: „Sieht man diesem Zukunftsmensch auf die Seele, so darf man sagen: Die Welt ist genau dieselbe geblieben, bloß die Häusermode hat sich etwas geändert.“ Die drastisch inszenierte Spannung zwischen Arbeitern und dem Stadtherrn Joh Fredersen entlädt sich zuletzt in einem kolossalen apokalyptischen Danse Macabre, der Bewohner und Stadt ins Verderben reißt.

800 000 Reichsmark waren für die Produktion veranschlagt worden, nach 310 Drehtagen und 60 -nächten hatte „Metropolis“ angeblich 5 Millionen Reichsmark verschlungen. So teuer war bis dato kein anderer deutscher Film gewesen. Für das „Wunderwerk der Filmtechnik“ warb die Ufa von Beginn der Drehzeit an. Mit entsprechend hohen Erwartungen sah das Publikum die Premiere des Monumentalstreifens – gut 4000 Meter, rund 140 Minuten lang – am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo. Vier Monate lief „Metropolis“ in Berlin, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Ein finanzielles Fiasko!

Bevor der Film im Sommer 1927 landesweit anlief, ließ die Ufa radikale Veränderungen vornehmen, welche die Verwebung der vielfältigen Handlungsstränge auftrennte, tragende Themen eliminierte und die Auftritte bedeutender Nebencharaktere so zusammenstutzte, dass ihr Agieren sinnlos anmutete. Insgesamt fiel über ein Viertel des Films – etwa 30 Minuten – dem Schnitt zum Opfer.

Diese Sequenzen galten seitdem als verschollen, bis 2008 in Buenos Aires eine Kopie von „Metropolis“ gefunden wurde, die bis auf fehlende acht Minuten der Ur-Fassung entspricht. Mithilfe dieses Materials gelang es, den filmischen Torso wiederherzustellen. 83 Jahre nach der Uraufführung, 2010 zur 60. Berlinale, war es zum ersten Mal wieder möglich, den prachtvoll ausgestatteten Film in fast kompletter Länge zu genießen.

Noch immer vermögen die von Otto Hunte, Erich Kettelhut und Karl Vollbrecht geschaffenen Bauten zu fesseln, obwohl das heutige Auge durch Computeranimation und digitale Nachbearbeitung verwöhnt ist. Ebenso bezaubern die Kamerakünste Günther Rittaus und Karl Freunds. Allein für das „Furioso des Verkehrs“, das „in kochender Bewegung Automobile in doppelten Vierer-Reihen“ durch die schwindelerregend in die Höhe wachsenden Wolkenkratzer drängt, galt es im Stop-Motion-Verfahren 300 Modellautos Millimeter um Millimeter vorwärts zu schieben. Mit einem ähnlichen Prinzip gelang es Rittau, die berühmteste Sequenz des Films in Szene zu setzen: die Verwandlung des Maschinen-Menschen in einen dämonischen Vamp, der die Arbeiter zum Aufruhr aufwiegelt und somit das Endzeit-Szenarium initiiert. Mittels einer Liftvorrichtung ließ der Kameramann zwei kreisrund gebogene Neonlichter Schritt für Schritt über die Silhouette des Maschinen-Menschen bewegen. Mit „toller Präzisionsarbeit“ musste Rittau die Einstellungen übereinander kopieren, bis sich die einzelnen Ringe zu übereinander gleitenden Lichtkränzen ergänzten. Langer Beifall belohnte bei der Premiere 1927 die Mühen für diesen verblüffenden Trick. Im kollektiven Gedächtnis der Filmgeschichte hat er sich bis heute als Ikonische Perle eingebrannt.

Alexa Eberle ist Mitarbeiterin des Filmmuseums Potsdam

„Metropolis“ ist am heutigen Samstag, 20 Uhr, im Filmmuseum, Breite Straße 1A, zu sehen

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