• 11.10.2012
  • von Linda Huke

Auf der wilden Jagd

von Linda Huke

Fünf Masken sollt ihr sein. Das Theater Nadi mit Gästen. Foto: promo

Theater Nadi inszeniert ein Maskenspektakel

Dunkle Hörner und Pauken erklingen. Unter einem Tüllschleier in der Mitte der Bühne liegen vier schwarz gekleidete Gestalten, die sich langsam unter dem Stoff hervor schälen. Mit den Nasen ihrer Holzmasken und mit ihren Händen verheddern sie sich darin, schrecken immer zurück, wenn die Töne dramatisch nach oben schnellen. Schließlich schaffen sie es, und mit ihnen schält sich „Siegfrieds Tod“ aus Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ aus der Musik. Plötzlich verstummt sie und die vier Gestalten fangen an, sich in einer fremden Sprache Sätze zuzurufen. Die Gesichter verdecken unbewegliche, zu Fratzen erstarrte Masken aus poliertem Holz. Nur der Mund ist darunter zu erkennen. Wie Krieger wirken diese Wesen, so selbstbewusst und laut, wie sie sich präsentieren. Angst und eine mystische Atmosphäre verbreiten sie mit ihrem Auftreten.

Vorbild für diese Szene im Maskenspektakel „Die Wilde Jagd“, das am morgigen Freitag um 20 Uhr Premiere im T-Werk hat, war die mittelalterliche Legende der wilden Jagd, die von einem Geisterherr aus Armen, Krüppeln und Ausgestoßenen erzählte, das nachts über das Land zog und diejenigen bestrafte, die ihm kein Essen hinstellten. Tatsächlich gab es im Mittelalter solche Armenzüge, die im Winter auf Bettelwanderschaft gingen.

Was aus diesen Armenzügen geworden ist und wie Menschen am Rand unserer heutigen Gesellschaft leben, wird im weiteren Verlauf der Inszenierung zu sehen sein. Da lässt Angela Merkel, die trotz Maske an ihrer Körperhaltung erstaunlich deutlich zu erkennen ist, sich von anderen Politikern umgarnen – im nächsten Moment wird ein griechisches Wesen „Tsatsiki! Feta! Aphrodite!“ brüllend vom Podest gestoßen.

„Wir wollen Fragen stellen, keine politischen Aussagen treffen“, sagt Dramaturgin Petra Föhrenbach. „Wir spielen mit visuellen Assoziationen und treiben das Theater in die Groteske“, ergänzt der Pantomime Steffen Findeisen. Findeisen und seine Kollegin Noriko Seki bilden das Potsdamer Theater Nadi, das für seine auf starke Bilder setzende Theaterarbeit bekannt ist. Zusammen mit dem Theater Nadi und drei Berliner Schauspielerinnen erarbeitete Regisseur Finbarr Ryan mit „Die Wilde Jagd“ ein groteskes, verzerrtes Maskentheater, das von der Commedia dell’arte inspiriert ist. Linda Huke

„Die wilde Jagd (Maskenspektakel)“, am morgigen Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils um 20 Uhr im T-Werk, Schiffbauergasse. Der Eintritt kostet 11, ermäßigt 7,70, für Schüler 5,50 Euro. Karten sind erhältlich und unter Tel.: (0331) 71 91 39

  • Erschienen am 11.10.2012 auf Seite 27

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