• 06.10.2012
  • von Linda Huke

Fadenscheiniges im Scheingeflecht

von Linda Huke

Sind so wilde Farben. Arbeiten von Debora Kim (l.) und Christine Hielscher (Ausschnitt) in der Ausstellung „„Fadenscheinig – Scheingeflecht“. Fotos (2): a/e-Galerie

Vier abstrakte Positionen in der aktuellen Ausstellung in der a/e-Galerie

Mit dünnen Baumwollfäden umwebt Debora Kim die Keilrahmen, zeichnet mit Garn feine, geometrische Linien auf das Bild oder durchsticht die Leinwände und lässt in regelmäßigen Mustern Fäden aus ihnen herauswachsen. So entstehen Bilder, die an wuselige Teppiche erinnern, an Schneesturm auf dem Fernsehbildschirm oder auch sehr reduzierte, nur mit wenigen Linien auskommende Muster. Oft arbeitet sie mit Dunkelgrau, Schwarz und Rot, was den Bildern eine futuristische Note gibt. Eine Serie besteht aus vielen kleinen Bildtafeln, jede ungefähr 10 mal 20 Zentimeter groß, die sie mit Baumwollgarn in bunten Farben bespannt hat, wobei grafische Muster aus verschieden dicken Blockstreifen entstanden. Diese lassen den Blick auf und ab springen, von greller zu dunkler Farbe, von dick zu dünn.

Die südkoreanische Künstlerin Debora Kim ist eine von vier Künstlern, die derzeit in der Ausstellung „Fadenscheinig – Scheingeflecht“ in der a/e-Galerie zu sehen sind. Ungefähr 25 kleinformatige Bilder sind hier noch bis zum kommenden Mittwoch zu sehen.

Kims Experimente mit der Leinwand lassen an das Spiel mit dem Bild denken, das vor allem die Avantgarde-Künstler der 50er und 60er Jahre so ausgiebig spielten. Wie zum Beispiel Lucio Fontana, der Leinwände aufschlitzte und so den Blick auf das lenkte, was dahinter lag. Der Bildträger wurde nicht länger als Auftragefläche für Öl- und Acrylfarben begriffen, sondern als Objekt im Raum – und konnte so zur Grundlage von Experimenten mit Atmosphären und Körperlichkeit werden. Debora Kim perforiert ihre Leinwände, durchsticht sie mit Nadeln, um sie mit Fäden zu durchweben. Ob sie dabei diese kunsthistorische Dimension im Kopf hat? Diese Frage stellt sich eigentlich nicht, weil es einen bei derart abstrakter Kunst meist nicht besonders weiterbringt, über die Intention des Künstlers zu grübeln. Der meditative Aspekt der Arbeit sei für Kim wahrscheinlich wichtig, mutmaßt die Galeristin Angelika Euchner.

Die Arbeiten der anderen drei Künstler sind weniger spektakulär, wenn auch nicht weniger interessant. Christine Hielscher malt abstrakte Bilder mit schwarzer Ölkreide, in denen sich aber immer Hinweise auf etwas Gegenständliches finden lassen: ein Vogelschnabel etwa oder ein tanzender Körper. Manfred Gräfs Bilder bieten dazu einen Kontrast, weil er hier ausschließlich Bilder in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb ausstellt. Er schichtet diagonale Pinselstriche übereinander, bis sie eine Struktur bilden, die erstaunlich textil wirkt. Karin Fleischer währenddessen reduziert ihre Zeichnungen auf wenige Striche mit Pastellkreide, die viel Weiß auf dem Papier lassen. Sie wollte die Wirkung ihrer leichten Bilder nicht mit dicken Einfassungen zunichte machen, weshalb ihre schmutzempfindlichen Arbeiten nur durch rahmenlose, transparente Acrylplatten geschützt werden.

Für Kunsthistoriker und erfahrene Sammler mag die Ausstellung recht interessant sein. Wer sich aber noch nicht eingehender mit abstrakter Kunst beschäftigt, wer Clement Greenbergs Aufsatz „Modernist Painting“ nicht gelesen hat und wem das sogenannte „Ende der Malerei“ nichts sagt, der wird die Ausstellung vielleicht langweilig finden. Denn um nur mit ihrer Farbigkeit, allein mit ihrem visuellen Angebot zu faszinieren, sind die Ausstellungsobjekte von „Fadenscheinig – Scheingeflecht“ nicht überzeugend genug. Linda Huke

„Fadenscheinig – Scheingeflecht“ in der a/e-Galerie, Hermann-Elflein-Straße 18, Luisenforum, geöffnet noch bis Mittwoch, den 10. Oktober. Mittwoch und Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag von 12 bis 16 Uhr

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