• 29.09.2012
  • von Linda Huke

„Wortfrei“ für Autoren

von Linda Huke

Neue Lesereihe von Bibliothek und Viktoriagarten

Es gibt diese Menschen, die ein ungeheures Wissen haben. Die in ihrem Alltag Eindrücke und Fakten aufsaugen und so ständig ihr Allgemeinwissen erweitern. Die einem immer wieder die interessantesten Dinge erzählen, über die man bisher noch nicht einmal nachgedacht hat. Genau so jemand ist Jochen Schmidt.

Weil Schmidt seine Gedanken auch noch gut aufschreiben kann und regelrechte Gesellschaftsgeschichten spinnt, wurde er 2007 für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert und hat gerade sein zweites Buch „Weltall. Erde. Mensch“ veröffentlicht. Aus diesem wird er im Rahmen der neuen Reihe „Wortfrei – Junge Literatur zwischen Turnhalle und Viktoriagarten“ am Mittwoch, dem 24. Oktober, in Potsdam lesen. „Wortfrei“ ist eine gemeinsame Lesereihe der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam und der Buchhandlung Viktoriagarten, bei der mindestens einmal im Monat junge Autoren in der „Bücher-Turnhalle“ oder im Viktoriagarten ihre Bücher vorstellen werden.

„Für Science-Fiction-Literatur gab es im Rumänischen ein eigenes Wort, ,literatura de anticipatie’. Die Rumänen legten Wert darauf, das Düsenflugzeug, den Kugelschreiber, die Insulingewinnung, Baseball und die perfekte Turnübung antizipiert zu haben“, erläutert Schmidt den Erfindergeist der Rumänen auf seinem Reiseblog „Triumphgemüse“. Wer das nicht glaubt, den verweist er gleich auf Wikipedia: die Rumänen haben tatsächlich „oina“ erfunden, ein altes Schlagballspiel, und die beste Turnerin der Welt war wirklich Rumänin.

Mit dem Bloggen hat Schmidts literarische Karriere begonnen. 2006 begann er, auf seinem Blog „Schmidt liest Proust“ über seinen Alltag zu schreiben, indem er „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ las; 2008 erschien sein Blog als Buch. Sein aktuelles Buch „Weltall. Erde. Mensch.“ wiederum ist eine Sammlung seiner Veröffentlichungen der letzten Jahre.

Schmidts Texte macht aus, dass er seinen Alltag mit Witz und Klugheit genau beobachtet und analysiert. Er ist kein Komiker, er ist Schriftsteller. Er beschränkt sich aber nicht auf ein einzelnes Genre: In seinem Buch finden sich Kurzgeschichten, Kolumnen oder auch Comics. Und doch ist es gerade der feine Humor, der seine Literatur so verlockend macht, wie in seinem Gedicht „Alternativen zum Schreiben“. „Ich könnte mal ins Grüne fahren/und mich mit einer Grünen paaren/Ich könnte Fliegen zu Tode quälen/oder meine Treppenstufen zählen/Ich könnte mich für Tennis interessieren/oder für irgendwas mit Tieren/Ich könnte eigentlich so viel machen/Aber ich muss ja immer was schreiben zum Lachen.“ Linda Huke

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