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  • 10.08.2011
  • von Klaus Büstrin

Textilien im rechten Licht

von Klaus Büstrin

Zum Tode von Helene Ebner von Eschenbach

Das Eintauchen in eine vergangene Zeit geschah bei Helene Freifrau Ebner von Eschenbach mit Hilfe von Textilien. Wer wie sie Paramente des Mittelalters oder Seidentapeten des Rokoko in den Händen hielt und sie sogar für die Nachwelt konservierte, der bekommt einen Eindruck von den Qualitäten der Künstler und Kunsthandwerker vergangener Jahrhunderte. Helene Ebner von Eschenbach war eine Textilrestauratorin, die einen engen Kontakt zu Kunstwerken in Kirchen und Schlössern pflegte. Nur so konnte sie sich kenntnisreich an die Restaurierung von alten Textilien heranwagen. Handwerkliche Professionalität in der Ausführung beim Weben oder Sticken waren selbstverständliche Voraussetzung.

Helene Ebner von Eschenbach wurde eine der anerkanntesten Textilrestauratorinnen ihrer Zeit. Sie starb am 21. Juli kurz vor ihrem 94. Geburtstag in Görlitz, wo sie in den vergangenen Jahren einen glücklichen Lebensabend bei ihrer Enkelin und den Urenkeln verbrachte. Die längste Zeit lebte sie aber in Potsdam. Geboren wurde sie im mecklenburgischen Garwitz als Tochter eines Stellmachermeisters. Sie nahm ein Studium auf, um dann als Handarbeitslehrerin zu arbeiten. Seit 1950 hatte sie als Kustodin enge Beziehungen zum Berliner Museum für deutsche Volkskunde. In seinen Gedenkworten während der Trauerfeier für Helene Ebner von Eschenbach in der Bornstedter Kirche sagte der Direktor des Museums Europäischer Kulturen Berlin, Konrad Vanja: „Eindrücklich hatte Frau Ebner von Eschenbach in dem Beitrag ,Christbaumschmuck‘1992 für unseren ersten Katalog der gerade wiedervereinigten Sammlungen von Ost und West geschildert, wie sie in den fünfziger Jahren mit diesen musealen Beständen, die doch ihre religiös-christliche Zuordnung nicht verleugnen konnten, umgegangen ist. Unter dem Generaldirektor der Staatlichen Museen, Ludwig Justi, wollte sie Weihnachten als Fest der Christenheit auch im Museum präsentieren. Der Zorn gegen damalige Versuche, den christlichen Bezug zu verbannen und aus Weihnachten ein Jolkafest zu machen, dessen Geschenke von Väterchen Frost gebracht wurden, musste man ihr angesehen haben: ein Christbaum wurde daher mit Unterstützung des Generaldirektors aufgestellt und eine große und bedeutende Sammlung an Christbaumschmuck aus Lauscha dafür erworben, eine Sammlung, die bis heute unser Haus bereichert.“ Der umfangreichen Sammlung der Ethnographin Gertrud Weinhold „Das Evangelium in den Wohnungen der Völker“ mit Malerei, Schmuck oder Skulptur, die europäische Bedeutung besitzt, war sie eng verbunden, zunächst als Ehrenkustodin, dann als Nachlassverwalterin.

Helene Ebner von Eschenbachs Wirken hatte immer mit dem künstlerischen Schaffen anderer schöpferischer Menschen zu tun. Deren Erzeugnisse vor dem Verfall zu retten und wieder ins rechte Licht zu setzen, war ihr wichtiges Anliegen. In den sechziger Jahren hatte sie sich als Mitarbeiterin des Instituts für Denkmalpflege intensiv mit den Textilschätzen des Brandenburger Doms beschäftigt. „Kostbare Seiden- und Brokatgewänder aus fast legendären Zeiten geben Zeugnis von einer weithin verloren gegangenen Webkunst Europas. Kostbares Nadelwerk bezeugt die Höhe einer Textilkultur im eigenen Land, wie sie in späteren Jahren niemals wieder erreicht werden konnte“, schrieb die Freifrau 1965in einem Buch zum 800jährigen Jubiläum des Doms. Helene Ebner von Eschenbach sichtete die Schätze, dokumentierte sie und begann mit der Restaurierung. Die kunstvolle und kostbare Schwanenorden-Kasel schloss sie wohl besonders ins Herz.

Nach sechsjähriger Tätigkeit bei der Denkmalpflege wurde sie 1968 Leiterin der Textilwerkstatt der Staatlichen Schlösser und Gärten Sanssouci. Ihre Aufmerksamkeit galt vor allem der Rekonstruktion preußischer Seiden im Schloss Sanssouci. Die marktführende Seidenweberei in Lyon war für die DDR- Textilrestauratoren unerreichbar. Doch sie fand in den Mitarbeitern des VEB Brokat Mühltroff, heute Seidenmanufaktur Eschke, Partner, die das Gesuchte fadengenau auf einem historischen Webstuhl herstellten. Zehn Jahre lang wurde experimentiert. Helene Ebner von Eschenbach war bei den Versuchen hilfreiche Begleiterin. 1978 wurde dann endlich die erste hochwertige rosa Seidenkopie im Dekor „Pfirsichblüth“ für das Audienzzimmer Friedrich des Großen im Schloss Sanssouci geliefert.

Ihre ehemaligen Kolleginnen der Textilwerkstatt erinnern sich gern an ihre damalige Chefin: Geradlinig und herzlich sei sie gewesen und immer eine hoch engagierte Sachwalterin der textilen Schätze vergangener Jahrhunderte. Klaus Büstrin

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