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  • 18.07.2011
  • von Astrid Priebs-Tröger

Fantastisches Erzählgewebe

von Astrid Priebs-Tröger

In Geschichten verführen. Die Potsdamer Märchenerzählerin Silvia Ladewig. Foto: Klaer

Die Märchenerzählerin Silvia Ladewig war in der Kirgisischen Jurte zu Gast

Sie sind nicht so leicht zu finden im weitläufigen Buga-Park. Das ist auch gut, denn die drei kirgisischen Jurten von Matthias Michel brauchen viel (menschen-)leeren Raum um sich herum. Vor drei Sommern war der gelernte Systemelektroniker in Kirgisien, um einen Siebentausender zu besteigen und begegnete dort der Gastfreundschaft der Nomaden. Deren entschleunigtes Leben und die Geselligkeit in den Jurten hatten ihn so sehr beeindruckt, dass er beschloss, diese besondere Lebensqualität auch in Potsdam zu etablieren. In seinem „Nomadenland“ kann man neben schamanischen Ritualen und Vollmond-Trommeln auch immer wieder Märchen und Geschichten lauschen.

Am Freitag war dort die Potsdamer Märchenerzählerin Silvia Ladewig zu Gast. Die Frau mit den blonden Flechtzöpfen hatte an diesem Abend gleich drei Kraftproben zu bestehen: Sie musste gegen das Vorprogramm der „10. Feuerwerkersinfonie“ ankämpfen, ihre Halsschmerzen in den Griff bekommen und damit leben, dass nicht einmal ein Dutzend Zuhörer den Weg in den Remisenpark gefunden hatten. Um es vorab zu sagen, sie hat diese Prüfungen mit Bravour bestanden, genauso wie die Helden ihrer Erzählungen aus dem Kreis der Artussagen die ihrigen.

Doch bevor die Märchenerzählerin loslegte, schlang sie einen schmalgestreiften Schal wie einen Turban um ihren Kopf und setzte sich im Schneidersitz auf eines der vielen Schaffelle am Boden der Jurte. Zwei flackernde Kerzen und das muntere Holzfeuer im Ofen verliehen ihrem Gesicht die passende geheimnisvolle Beleuchtung und los ging es. Zuerst mit Merlins Zeugung und dem Geheimnis seiner göttlich-satanischen Geburt. Und gleich darauf erfuhren die vom ersten Moment an gespannt lauschenden Zuhörer, wie einfach es in früheren Zeiten war, selbst in Klöstern Kinder zu bekommen, die dann auch dort aufwuchsen.

Doch mit zehn war die unbeschwerte Kindheit zu Ende, und Merlin wurde aus seinem Dorf entführt, um als Menschenopfer für den Bau einer Burg für König Vortigern zu dienen. Doch dank seiner seherischen Kräfte gewinnt der junge Merlin das Vertrauen des Königs und bleibt am Leben, das er bald darauf für zwanzig Jahre bei einem weisen Druiden fortführen wird. Als diese Lehrzeit zu Ende ist, führt ihn sein Weg nach London, um König Uther Pendragon mit Zauberkräften dabei behilflich zu sein, den späteren König Artus zu zeugen.

Bis dahin hat Silvia Ladewig den Mythos locker und spannend zugleich, frei fabuliert. Immer wieder macht sie Einschübe, die an die heutige Erfahrungswelt ihrer Zuhörer anknüpfen. So behält man die Distanz und wird zugleich immer tiefer in dieses fantastische Erzählgewebe um Zauberkräfte und Machtkämpfe, Liebesverwicklungen und -sehnsüchte hineingezogen. So sehr, dass einen das einsetzende Bühnenprogramm der „Pyronale“ nicht wirklich zu stören vermag. Obwohl man sich natürlich nach der Stille, in der das Rauschen des Windes zu hören war, zurücksehnt. Unterdessen wird Tee aus dem Samowar serviert, Holz nachgelegt und das Jurtendach geöffnet, um vielleicht einen Blick auf den Vollmond zu erhaschen. Nach einer kurzen Pause und anschließenden Kantele-Klängen sowie zarten Gesängen der Märchenerzählerin wird dann auch die Schlussetappe des fast zweistündigen Abends gemeistert: Artus erlangt das Schwert Excalibur und die Königswürde.

Zurück bleiben Zuhörer, die völlig abgetaucht in diese fantastische Märchenwelt Mühe haben, das schützende Gehäuse zu verlassen und sich in der Welt draußen zurechtzufinden. Astrid Priebs-Tröger

Am 26. August um 20 Uhr ist Silvia Ladewig mit „Irischen Elfenmärchen“ in der Jurte zu Gast

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