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  • 15.06.2011
  • von Dirk Becker

Sächsische Saitensprünge

von Dirk Becker

Der Lautenist Axel Wolf in der Ovidgalerie

Sie wirkt wie ein letztes, helles Strahlen. Wie dieses ganz besondere Licht, in dem sich noch einmal alles sammelt bevor ein Stern verlischt: die Musik von Silvius Leopold Weiss. Während Anfang des 18. Jahrhunderts die Laute in Europa immer mehr an Bedeutung verlor, erlebte sie mit Weiss am Dresdener Hof einen letzten, unübertroffenen Höhepunkt. Wie Carl Friedrich Abel auf der Gambe, reizte Silvius Leopold Weiss auf Barocklaute noch einmal alle technischen und musikalischen Möglichkeiten für dieses Instrument aus. Und schuf so einen musikalischen Kosmos von ganz eigener, so vielfältiger wie sanfter Gestalt, in dem sich mit jedem Wiederhören Neues entdecken lässt.

Die Sonate in A-Dur von Weiss stand am Ende des Konzerts mit dem Lautenisten Axel Wolf unter dem Titel „Sächsischen Saitensprünge“ am Pfingstwochenende. Ein Abschluss, der nicht nur das majestätisch Virtuose und klanglich Verspielte der Laute in der Ovidgalerie der Neuen Kammern in Sanssouci zu Gehör brachte, sondern gleichzeitig auf ein Gipfeltreffen zweier Virtuosen verwies: Weiss und Johann Sebastian Bach. Beide waren befreundet, haben zusammen musiziert und sich gegenseitig inspiriert. Davon zeugt auch die Sonate in A-Dur, von der es neben dem Solomanuskript von Weiss auch eine Cembalofassung von Bach existiert. Ob beide je diese Sonate miteinander gespielt haben, lässt sich nur vermuten, bleibt dabei aber nur ein müßiges Gedankenspiel. Denn einen Cembalopart vermisst man hier nicht.

Axel Wolf, der kurzfristig für den verletzten Lautenisten Christian Rivet eingesprungen war, spielte ausgeglichen zwischen introvertierter Innenschau und expressiver Lust. Ein gekonnter Wechsel zwischen Hell und Dunkel von Satz zu Satz, dabei das Tänzerische mit nuanciertem Ton aufscheinen lassend. Kein Lautenabend, wie so oft schon erlebt, der in tränenseliger Melancholie ersoff. Und bei dem es ein Genuss war, dem Spiel von Wolf nicht nur zu lauschen, sondern auch zu beobachten.

Ob nun die Sonate in A-Dur oder die den Abend eröffnende Sonate in B-Dur von Weiss, die Fuge in g-Moll von Bach, die auf den zweiten Satz der g-Moll-Sonate für Violine solo zurückgeht oder die Arrangements dreier Opernarien von Johann Adolph Hasse – es war diese Selbstverständlichkeit, mit der Axel Wolfs rechte Hand mit den Saiten seiner 13-chörigen Laute förmlich verwachsen schien. Eine Selbstverständlichkeit, die etwas ganz Natürliches ausstrahlte. Und so perlten die Töne von seinen Fingerkuppen, die ja so wichtig sind für Tonentfaltung, die Gestaltung der Klangfarben, als gäbe es nichts Leichteres als dieses Instrument zu spielen. Dirk Becker

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