17.10.2017, 21°C
  • 11.11.2010
  • von Dirk Becker

Die Schönheit im Tragischen

von Dirk Becker

Foto: promo

Mandelstams vertonte Gedichte bei KAPmodern

Vielleicht liegt es daran, dass in diesen Gedichten noch viel mehr anklingt, als es die Worte vermögen. Es sind fünf Gedichte aus den „Woronescher Heften“, die Elena Firsova in Musik gekleidet hat. Geschrieben wurden sie von Ossip Mandelstam, der am 27. Dezember 1938 in einem Sträflingslager bei Wladiwostok gestorben ist. Diese Gedichte in den „Woronescher Heften“ sind die letzten, die Mandelstam vor seinem Tod verfasst hatte. „In die Wand war der Himmel verliebt / Strand verwundet, voller Narben und Lichter“ heißt es in „Das Abendmahl“. Worte eines im Exil Verzweifelten, mit denen er sich immer wieder der Freiheit seiner Gedanken und Träume versichern konnte.

Seit Mitte der 70er Jahre trägt Elena Firsova, die 1950 in Leningrad geboren wurde, die Gedichte Ossip Mandelstams mit sich. Gedichte, die schon beim ersten Lesen in ihr etwas zum Klingen brachten, wie sie am Mittwochnachmittag in den Räumen der Kammerakademie Potsdam erzählt. Am heutigen Donnerstag sind in der Reihe „KAPmodern“ neben zwei Kompositionen für Flöte auch Elena Firsovas Kantate für Sopran und Streichquartett nach den fünf Gedichten von Ossip Mandelstam zu hören. „Im Lichte der Schönheit. Moderne russische Kammermusik im Wechselspiel mit poetischen Texten von Ossip Mandelstam und Rimma Dalos“ ist der Abend im Foyer überschrieben. Neben Elena Firsova werden die Musiker der Kammerakademie auch zwei Werke von Sofia Gubaidulina vorstellen.

Die Vertonung der fünf Gedichte aus den „Woronescher Heften“ war für Elena Firsova der vorläufige Abschluss ihrer Arbeit mit der Lyrik von Ossip Mandelstam. Zwei Jahre hat sie an den sechs Sätzen für diese Kantate gearbeitet, obwohl sie im Gespräch sagt, dass ihr das Komponieren nicht schwer falle und am Leichtesten die Arbeit mit der menschlichen Stimme sei. Die wird am heutigen Abend die Sopranistin Maacha Deubner übernehmen, die zu erleben schon allein den Besuch dieses Konzertes lohnt.

Elena Firsova hat bereits als Kind mit dem Komponieren begonnen. Die Nachfrage, ob es wirklich so einfach gewesen sei, wie sie erzählt, dass sie am Klavier gesessen und ihre ersten kleinen Stücke geschrieben habe, als sie erst elf Jahre alt war, versteht sie erst gar nicht, weil es so selbstverständlich für sie ist. Das Komponieren, ob es ihr nun leicht falle oder nicht, dass sei ihre ganz eigene musikalisch Sprache, die sie einfach schon frühzeitig gefunden hat. Es gab da keinen Umweg über ein Instrument, sagt Elena Firsova. Und dass sie das Klavier nur sehr laienhaft beherrsche.

Eine musikalische Sprache, mit der sie die Gedichte von Ossip Mandelstam auf eine ganz eigene, faszinierende Weise ergründet und so zeigt, dass dieser verzweifelt Verbannte immer darauf bestand, auch im Tragischsten noch die Schönheit sehen zu können. Dirk Becker

Das Konzert „Im Lichte der Schönheit. Moderne russische Kammermusik im Wechselspiel mit poetischen Texten von Ossip Mandelstam und Rimma Dalos“ in der Reihe „KAPmodern“ am heutigen Donnerstag, 20 Uhr, im Foyer des Nikolaisaals, Wilhelm-Staab-Straße 10/11. Der Eintritt kostet 15 Euro

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