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  • 01.11.2010
  • von Undine Zimmer

Liebeserklärung an die zweite Heimat Andreas Deffner stellt Griechenland-Buch vor

von Undine Zimmer

Wer möchte schon ins Land der Götter reisen, wenn Retsina und Schafskäse rationiert wurden? Statt meeresblauer Postkartenmotive hatte man diesen Sommer die Bilder von verschwitzen Demonstranten vor Augen, gefolgt von immer obskureren Streikanekdoten der griechischen Taxifahrer. Arme Schweine oder faule Betrüger? Beide Extreme will der Potsdamer Autor und Wahlgrieche Andreas Deffner nicht gelten lassen. Sein Buch „Das Kaffeeorakel von Hellas. Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland“, das er am morgigen Dienstag in der Urania vorstellt, ist eine Liebeserklärung an seine zweite Heimat. Darin wird Andreas Deffner selbst zum Fremdenführer. Bei Oma Vangelio werden die selbstgekelterten Weine und Schnäpse probiert. Mit seinem besten Freund Perikles klettert man auf Urgroßomas älteste Olivenbäume, die in einem Garten des kleinen Fischerdorfs Tolo stehen. Sie tragen die größten und fleischigsten Kalamataoliven der Region, wenn man den Superlativen der Einheimischen glauben darf. Sogar ein paar griechische Worte schnappt man beim Lesen auf. In seinem Enthusiasmus hat der Autor nur nicht daran gedacht, sie auch in Lautsprache zu schreiben. Doch man versteht durch den Text immer was gemeint ist.

Auf seinen Ausflügen kreuz und quer durch das Land entpuppt sich der Autor als Oktopus-Gourmet, Weinkenner und Leckermäulchen. Ganz zu schweigen von den unzähligen Kaffees, die er mit alten Bekannten trinkt. Oder mit den Bekannten von Bekannten. Allein im ersten Kapitel steht das Wort „Kaffee“ 30 Mal. Man erfährt von Andreas Deffner, wie man den Ouzo richtig zum Essen genießt, und dass guter Wein und Schnaps mit gebirgsreinem Quellwasser hergestellt werden. Deffner möchte, dass seine Leser unbedingt etwas lernen, über die Vegetation, die Landwirtschaft, die Familienbetriebe und vor allem über den Alltag der Griechen.

Bis ins Parnonas-Gebirge in Sparta führt er sie, wo in den Sommern die Waldbrände die Landschaft verwüstet haben. Geschickt macht Deffner in seinen literarischen Spaziergängen auf Bergspitzen, am Hafen oder in den Kaffeehäusern halt, um seinen Lesern auch griechische Geschichte, Traditionen oder das Schulsystem nahezubringen. Es gelingt ihm auf angenehme Weise sein Faktenwissen in die Landschaftsbeschreibungen einzubetten. Manchmal jedoch wird Deffner zum Romantiker. Dann verleitet sein Pathos ihn zu Floskeln, wie: „... die alles andere überdeckende griechische Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft“ und „Ein Spartaner gibt niemals auf“ oder „Und wenn Griechen lieben, dann mit ganzer Leidenschaft und Hingabe.“

So viel Wohlwollen hätten seine Griechen gar nicht nötig gehabt. Und ein guter Lektor hätte den Autor sicherlich vor einigen Wiederholungen und Klischees bewahren können. Trotzdem, diese kleinen Schwachstellen verzeiht man ihm, der sich in Krisenzeiten selbst zum Anwalt der Griechen ernannt hat, gerne. Denn eigentlich möchte man seine warmherzigen Schilderungen auch gar nicht kritisieren. Undine Zimmer

Andreas Deffner: Das Kaffeeorakel von Hellas. Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland, Rediroma Verlag, 2010, 12,95 Euro. Der Autor liest am morgigen Dienstag, 18 Uhr, in der Urania, Gutenbergstr. 71-72. Eintritt 4, ermäßigt 3 Euro

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